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Interview zum Ehrenmal: Besondere Symbolik und persönliche Momente

Berlin, 08.09.2011.
Das Ehrenmal der Bundeswehr am Berliner Dienstsitz des Verteidigungsministeriums geht ins dritte Jahr seines Bestehens. Seit dem 8. September 2009 können Hinterbliebene – Verwandte und Freunde, Kameraden und Kollegen – hier der getöteten militärischen und zivilen Angehörigen der Bundeswehr gedenken.

Decker vor dem Ehrenmal
Persönliche Erinnerungen an tote Kameraden: Oberstleutnant Daniel Decker (Quelle: Bundeswehr/Bienert)Größere Abbildung anzeigen

Seit der Grundsteinlegung des Ehrenmals der Bundeswehr am 27. November 2008 hat Oberstleutnant Daniel Decker viel Zeit im Ehrenmal verbracht. Als militärischer Leiter und Referent des Besucherdienstes im Ministerium hat er bereits über 100 Besuchergruppen durch den Gedenkort geführt. Im Interview zieht Decker nun eine persönlíche Zwischenbilanz.

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Herr Oberstleutnant, Sie und Ihre Referenten haben zahlreichen Menschen seit Einweihung des Ehrenmals vor Ort Rede und Antwort gestanden. Wieviele Besucher gab es seither insgesamt?

Bis Ende August dieses Jahres wurden etwa 13.500 Besucher durch das Ehrenmal geführt. Ungezählt sind die Besucher, die das Ehrenmal spontan und ohne Führung besichtigen.

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Wer besucht das Ehrenmal? Ausschließlich Soldaten?

Das Ehrenmal wird von Einzelnen und von den unterschiedlichsten Gruppen besucht: Es sind natürlich auch Soldaten, die sich im Ministerium im Rahmen der politischen Bildung informieren. Es sind aber auch Gruppen auf Einladung von Bundestagsabgeordneten, die hier in Berlin die Hauptstadt besichtigen. Und es sind Schüler, die zur Klassenfahrt hier sind.

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Wie wurde das Ehrenmal am Anfang aufgenommen? Hat sich seitdem etwas daran geändert? Welche Reaktion gab und gibt es?

Das Ehrenmal wurde von Anfang an mit großem Interesse aufgenommen. Verändert hat sich meines Erachtens nur die Häufigkeit der geführten Besichtigungen, die in den letzten Jahren stetig angestiegen ist.

Durch seine Architektur fordert das Ehrenmal sicherlich zu einer kritischen Auseinandersetzung auf. Im Rahmen der Führungen ist aber festzustellen, dass die Masse der Besucher durch die besondere Symbolik sehr positiv beeindruckt ist.

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Erinnern Sie sich an besondere Besucher, die einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben?

Außergewöhnlich waren zwei Besuche: Einer war der einer Mutter aus Bayern, die kurz nach der Einweihung nach Berlin kam und die ich eher zufällig durch das Ehrenmal führen konnte. Sie hatte das besondere Verlangen diesen Ort zu sehen, da das ZDF bei dem Bericht über die Einweihung am 8. September 2009 kurz das Namensband zeigte. Der Name, der zu lesen war, war der Name ihres Sohnes, der im Kosovo bei einem Autounfall ums Leben gekommen war.

Die zweite besonders bewegende Führung, war der Besuch der Angehörigen der gefallenen Kameraden, die am Karfreitag 2010 in Nordafghanistan ums Leben gekommen waren.

Beide Führungen haben bleibende Eindrücke hinterlassen, weil sie mir den besonderen Stellenwert und den Bezug zu unserem Auftrag verdeutlicht haben.

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Was verbinden Sie persönlich mit dem Ehrenmal?

Für mich ist das Ehrenmal der Ort zur Erinnerung und Trauer für alle, die im Dienst ihr Leben verloren haben. Es ist ein Ort, der mich persönlich durch seine Architektur und seine besondere Symbolkraft überzeugt. Es entspricht in seiner Zurückhaltung der Klarheit der Linien und seiner Aussagekraft meinem Bild von der Bundeswehr in unserer Gesellschaft.

Es ist für mich auch der Ort, an dem ich mich an die Kameraden erinnere, die ich persönlich kannte, die im Dienst gestorben oder gefallen sind. Nach über hundert Führungen im Ehrenmal habe ich erst vor Kurzem einen dieser Namen gelesen. Der Soldat ist 2005 in Afghanistan gefallen. Ich war damals für die Pressebetreuung in Hannover, wo der Soldat eingesetzt war, zuständig. Acht Sekunden stand sein Name da, acht Sekunden gehörte ihm jetzt das Ehrenmal ganz allein.

Es war für mich ein Moment des Erinnerns und des Hervorholens der alten Bilder. Es war ein Moment der Traurigkeit, aber auch des guten Gefühls, das er nicht vergessen ist. Etwa achteinhalb Stunden später wird das Ehrenmal ihm dann wieder gehören.

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Vielen Dank für das Interview

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Stand vom: 14.08.12 | Autor: Andreas Müller


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