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AMM: Eine un-vergessene Mission

Berlin, 17.11.2011.
Die EU-Mission AMM (Aceh Monitoring Mission) hat Frieden und Stabilität in die indonesische Kriegs- und Katastrophenprovinz Aceh gebracht. Vier Offiziere der Bundeswehr wurden jetzt dafür ausgezeichnet.

Soldat bekommt Orden verliehen

Ordensverleihung: Höchste Ehrung für ihren Friedenseinsatz (Quelle: Bundeswehr/Lopez)Größere Abbildung anzeigen

„Das ist mehr als eine Anerkennung. Das hat für mich eine ganz große Bedeutung“, sagt Hauptmann außer Dienst (a. D.) Günter Neuroth stolz, und er spricht damit seinen Kameraden aus der Seele. Zusammen mit Oberst a. D. Wolfram Hoffmann, Hauptmann a. D. Klaus Peter Prommer und Kapitänleutnant a. D. Gerald Peschel ist er mit dem Dharma Nusa Orden der Republik Indonesien ausgezeichnet worden. Es ist die höchste Ehrung, die Indonesien an Menschen vergibt, die sich für den Frieden eingesetzt haben. Überreicht wurde sie bei einer Zeremonie anlässlich des nationalen Heldengedenktages in der indonesischen Botschaft in Berlin.

Die vier pensionierten Offiziere, die allesamt weiterhin in Missionen aktiv sind, wurden für ihre Teilnahme an der Aceh Monitor Mission (AMM) 2005/2006 im Norden Indonesiens geehrt. „Mit ihrem Einsatz und persönlichem Engagement waren sie unserem Volk eine große Hilfe und haben dazu beigetragen, dass in der Provinz Aceh bis heute Frieden, Sicherheit und Stabilität herrschen“, sagte die Stellvertreterin des Botschafters, Diah W. M. Rubianto, als sie die Orden übergab.

Die AMM hatte als Beobachtermission der Europäischen Union die Aufgabe, den Friedensprozess in der Provinz zu begleiten. Nach rund 30 Jahren Bürgerkrieg und angesichts der Tsunami-Katastrophe, die das Land im Dezember 2004 verwüstet hatte, waren Regierung und Rebellen bereit, einen friedlichen Weg zu gehen und das Land wiederaufzubauen. Der Friedensprozess basierte auf dem sogenannten Helsinki-Abkommen, das unter Vermittlung des damaligen finnischen Regierungschefs Martti Artisari ausgehandelt wurde. An der Mission waren neben zwölf europäischen auch fünf ASEAN-Staaten beteiligt.

Schiff auf Festland nach Tsunami

Die Spuren des Tsunamis sind überall sichtbar (Quelle: Bundeswehr/Prommer)Größere Abbildung anzeigen

Die Mission war absolut erfolgreich. Es gelang, die Rebellen zu entwaffnen, den Rückzug der Regierungstruppen umzusetzen und – vor allem – das Vertrauen in der Bevölkerung zu gewinnen“, resümiert Oberst a. D. Hoffmann. Nach dem Abschluss lokaler Wahlen im Dezember 2006 wurde die Mission beendet.

Zu sehen, dass die Mission bis heute nachhaltig wirkt, erfüllt die Offiziere mit großer Freude und Zufriedenheit. Beim gemeinsamen Essen in der Botschaft, weckten die vertrauten kulinarischen Genüsse der indonesischen Küche viele Erinnerungen an „diese unvergessene Mission“.

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Rückblick

Die Mission begann am 15. September 2005 und endete am 15. Dezember 2006. Beteiligt waren die EU-Staaten Finnland, Schweden, Dänemark, Belgien, Niederlande, Frankreich, Großbritannien, Irland, Spanien, Litauen, Österreich und Deutschland. Dazu kamen einzelne Monitore aus den Nicht-EU-Staaten Schweiz und Norwegen und aus den ASEAN-Staaten Singapur, Thailand, Philippinen, Malaysia und Brunei.

Das deutsche Team bestand aus fünf Entsandten des Auswärtigen Amtes sowie vier Bundeswehr-Offizieren. Alle waren ausgebildete VN-Militärbeobachter und hatten Erfahrungen aus anderen Friedensmissionen. Der Erfolg stellte sich rasch ein. Schon nach kurzer Zeit waren die Übergriffe rückläufig und der Waffenstillstand stabilisierte sich.

Am Anfang lag der Schwerpunkt der Mission im Bereich Decommissioning. Das bedeutet die Rücknahme, Registrierung und Zerstörung der Waffen der Rebellen. Von hohem öffentlichen Interesse begleitet, wurden Gewehre, Pistolen, Revolver und Granatwerfer im ganzen Einsatzgebiet zerstört. Im Gegenzug zog die Regierung Truppen und Polizeieinheiten zurück.

Mann zersägt Waffen

Vernichtung der Waffen: Voraussetzung für den Frieden (Quelle: Bundeswehr/Prommer)Größere Abbildung anzeigen

Die letzte Waffenabgabe fand am 21. Dezember 2006 in Banda Aceh statt, sie wurde im Fußballstadion öffentlich zelebriert. Das Stadion selbst war bereits zum Ort der Aussöhnung geworden: dort hatten bereits mehrere Fußballspiele stattgefunden, auch zwischen Teams von Regierung und Rebellen.

Anfang Dezember 2006 wurden in der Provinz Wahlen abgehalten. Sieger war der ehemalige Rebellen-Führer Yussuf Irwandi.

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Erinnerungen

Bis heute erinnern sich die Offizier gern an diesen Einsatz – auch wenn die Umstände, wie üblich bei solchen Missionen, alles andere als erfreulich waren. „Die Menschen waren nach dem Tsunami völlig traumatisiert. Fast jeder hatte Angehörige und Freunde verloren“, sagt Hauptmann a. D. Prommer und Oberst a. D. Hoffmann ergänzt: „Unser Dolmetscher ging jeden Tag ans Meer und starrte hinaus, als wartete er darauf, dass seine Angehörigen zurückkämen.“ Dazu kam die flächendeckende Zerstörung, die die Wucht der Riesenwelle hinterlassen hatte. „Manche Familie hatte nichts mehr, außer einer Hütte aus Blättern und einem Kochtopf.“

Letztlich war diese Katastrophe der Anstoß dazu, dass die verfeindeten Gruppen von Regierung und Rebellen bereit waren, den Kampf einzustellen und Frieden zu suchen. „Eine der Grundvoraussetzungen für den Erfolg der Mission war, dass beide Seiten den Frieden wirklich wollten“, erzählt Hoffmann, der im Head of Mission, also der Leitung der Mission in Jakarta unter dem Niederländer Pieter Feith arbeitete. Dank hoher diplomatischer und kultureller Kompetenz sei es dem AMM-Team gelungen, Regierung und Rebellen auch in schwierigen Situationen immer wieder „zu überzeugen, das Richtige zu tun“.

Beeindruckend sei auch die überaus freundliche Aufnahme in der Bevölkerung gewesen. „Das Lächeln der Menschen ist nicht aufgesetzt. Wir waren überall willkommen und schnell gelang es, das Vertrauen der Menschen zu gewinnen“, erzählt Günter Neuroth. Das sei eine weitere wichtige Basis für den Erfolg der Mission gewesen. Schritt für Schritt wurde so die Sicherheitslage verbessert bis hin zu einer friedlichen Wahl, bei der der Chef der Rebellen als Sieger hervorging und bis heute im Amt ist.

Missionsmitglied Prommer (Zweiter von links) im Gespräch mit Einheimischen

Vertrauensvolle Zusammenarbeit: Mission und Bevölkerung im engen Kontakt (Quelle: Privat)Größere Abbildung anzeigen

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Außer Dienst

Heute sind alle vier ausgezeichneten Offiziere „a. D.“, außer Dienst, aber noch immer aktiv. Sie sind nach wie vor an Friedensmissionen und Einsätzen in aller Welt beteiligt.

Günter Neuroth (58) ist gerade aus Buenos Aires zurückgekehrt. Er hat dort einem Austauschprogramm für Blauhelmsoldaten der Vereinten Nationen teilgenommen. Klaus Peter Prommer (57) war zuletzt für die UNAMID-Mission im Sudan, Gerald Peschel (59) für UNIFIL vor der Küste des Libanons und Wolfram Hoffmann hat die vergangenen drei Jahre in Georgien verbracht, als Offizier bei der EUMM (European Union Monitoring Mission). „Das war aber vermutlich mein letzter Einsatz“, sagt der 69-Jährige und greift nach seinem Koffer. Er muss zum Flughafen und zurück nach Hause – vorerst.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Susanne Lopez


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