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Völkerrecht in der Praxis: Als Juristin bei der Bundeswehr

Tallinn, 08.08.2011, Bundeswehr aktuell.
Oberregierungsrätin Katharina Ziolkowski kam durch den Afghanistan-Einsatz zur Bundeswehr. Inzwischen beschäftigt sich die Juristin aber mit Angriffen aus dem Internet.

Porträt von Katharina Ziolkowski am Schreibtisch

Für Deutschland in Tallinn: Katharina Ziolkowski (Quelle: privat)Größere Abbildung anzeigen

Es ist die aufwendig renovierte Altstadt, die Tallinn so besonders macht und an alte Hansestädte wie Lübeck oder Danzig erinnern lässt. „Die Stadt ist wunderschön“, schwärmt Oberregierungsrätin Katharina Ziolkowski von ihrem neuen Zuhause. Seit Mai ist die Juristin im NATO Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (NATO CCD COE) als Senior Analyst tätig. Die Bedrohung aus dem Internet ist für sie „ein spannendes und komplexes Thema“, wie sie selbst sagt.

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Recht im Cyberspace

Das CCD COE wurde 2008 als Centre of Excellence zertifiziert und dient seitdem der NATO und deren Mitgliedsstaaten als ein Forschungszentrum in Sachen der Cyber-Sicherheit. „Wir untersuchen unter anderem Cyber-Vorfälle, sammeln hieraus Erfahrungen, analysieren bereits bestehende Cyber-Sicherheitsstrategien und geben Empfehlungen“, erklärt Ziolkowski das Aufgabengebiet der Law and Policy Abteilung des Centres. Sie selbst arbeitet an rechtspolitischen und rechtlichen Analysen und trägt bei Workshops und Seminaren vor.

Ihr neues Aufgabengebiet bereitet ihr Freude: „Es ist schon etwas Besonderes, in einem Themengebiet zu arbeiten, bei dem es inhaltlich noch viel zu entwickeln gilt. Denn bestimmte juristische Fragen im Bereich des Cyberspace wurden noch nicht eingehend beantwortet.“ So gibt es beispielsweise noch immer keine allgemein anerkannten Kriterien, ab wann eine schädigende Handlung über das Internet zu einer verbotenen Gewaltanwendung in zwischenstaatlichen Beziehungen wird.

Ziolkowskis Lieblingsthema ist das Völkerrecht. Es macht ihr Spaß, wie sie sagt. Und es war auch das Völkerrecht, das sie zur Bundeswehr brachte. „Als ich meine Doktorarbeit, die ein völkerrechtliches Thema behandelt, gerade fertigstellte, habe ich im Fernsehen einen Beitrag über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan gesehen“, erinnert sie sich. „Und da wurde mir plötzlich klar: Dort ist auch das Völkerrecht relevant – und zwar praktisch.“

Ziolkowski hat sich bei der Bundeswehr beworben und wurde genommen. Ihr Profil passte auf eine Stelle mit dem Schwerpunkt Cyberspace und Völkerrecht, die es schon lange zu besetzen galt. Seit 2004 gehört sie nun der Bundeswehr an und hat diesen Schritt nie bereut. „Seitdem ich bei der Bundeswehr bin, wurde mir an keinem Tag langweilig.“ Mit Blick auf ihre vorherigen Verwendungen ist das auch nicht verwunderlich.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei der Division Luftbewegliche Operationen in Veitshöchheim folgte im November 2007 ihre erste internationale Verwendung – im bayerischen Oberammergau. Der dortigen NATO-School stand sie als Rechtsberaterin zur Seite und führte Seminare durch. Drei Jahre lang war die Juristin in Bayern, bis eine neue Aufgabe auf der anderen Seite des Atlantiks auf sie wartete.

Gruppenfoto mit Ziolkowski und amerikanische Soldaten

Schulterschluss mit den amerikanischen Partnern (Quelle: privat)Größere Abbildung anzeigen

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Immer neugierig auf Menschen

Am Judge Advocate General's Legal Centre and School (JAGLCS) der US Army war sie nicht nur Rechtsberaterin. Ziolkowski unterrichtete US-Amerikanische Militärjuristen zu Themen wie beispielsweise NATO Rules of Engagement (Einsatzregeln) oder Menschenrechte in multinationalen Operationen. Zu Beginn dieses Jahres kam Ziolkowski wieder zurück nach Deutschland, wo sie Dozentin an der Führungsakademie der Bundeswehr wurde – und nun Tallinn. „Ich finde es toll hier“, sagt sie.

Vier Sprachen beherrscht Ziolkowski fließend. „Französisch und Russisch sind nicht ganz so gut, und derzeit verzweifle ich ein wenig am Estnischen.“ Denn im Estnischen unterscheide man 14 Deklinationsfälle für Nominative – nur ein Beispiel dieser schwierigen Sprache, die nur dem Finnischen ähnlich ist. Aber Ziolkowski stellt sich gern neuen Herausforderungen. So war sie bei all ihren internationalen Verwendungen stets die Vorreiterin. Was die Juristin neben ihrem Ehrgeiz ausmacht, ist ihre Offenheit. „Darum ist es mir bis jetzt nie schwer gefallen, mich irgendwo einzuleben. Ich bin immer neugierig auf Menschen, neue Länder und Kulturen.“

Vier Jahre wird sie in Tallinn bleiben. „Ich denke noch nicht daran, wohin es mich danach verschlägt. Denn egal, ob ich in Deutschland oder im Ausland arbeite, ich arbeite immer für Deutschland.“ Nur mit Völkerrecht sollte ihre zukünftige Verwendung zu tun haben. „Denn wenn man das macht, was einem Spaß macht, dann ist man auch gut darin!“

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Sylvia Jaeck


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