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Unverzichtbar: Interkulturelle Kompetenz im Einsatz

Mayen, 12.11.2010, Zentrum Operative Information.
Menschen aus unterschiedlichen Kulturen haben oft voneinander abweichende Wertvorstellungen und Verhaltensweisen. Treffen diese Menschen aufeinander, sind sie auch von unterschiedlichen Erwartungen an Umgangsformen geprägt. Was gleich erscheint, ist oft nicht gleich – und schnell sind Probleme im gegenseitigen Verständnis programmiert. Auf diese Herausforderung reagiert die Bundeswehr mit den Interkulturellen Beratern.

Soldat übergibt einem Afghanen Infoblätter auf der Straße
Afghanistan: Zwei Kulturen tauschen sich aus (Quelle: Bundeswehr/Kazda)Größere Abbildung anzeigen

Gestik und Mimik, die sogenannte nonverbale Kommunikation, werden in vielen Kulturen unterschiedlich interpretiert. Bedeutet das Kopfschütteln in Deutschland beispielsweise eine klare Verneinung, so verstehen dies Bulgaren, Nordgriechen oder Inder als Zustimmung. Oder das aus Zeige- und Mittelfinger geformte Friedenszeichen – in unserem Kulturkreis gilt es als nicht verwerflich. In Ägypten aber ist es eine eindeutige Beleidigung. Schnell entstehen so, obwohl meistens nicht gewollt, unschöne Missverständnisse.

Um diese Probleme bei deutschen Auslandseinsätzen zu vermeiden, werden die militärischen Führungskräfte entsprechend beraten. Geleisttet wird dies durch Soldaten oder Zivilangestellte der Bundeswehr, die aufgrund ihrer spezifischen Fähigkeiten als sogenannte „Interkulturelle Einsatzberater“ eingesetzt werden. Meistens verfügen diese Berater über ein Studium mit regionalem Schwerpunkt in Verbindung mit Orientalistik, Slawistik, aber auch Geschichte oder Politikwissenschaften. Zusätzlich wird dies durch eine spezialisierte Ausbildung ergänzt.

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Kein neues Problem

Das Handeln in einem kulturell unbekannten Umfeld ist für die Bundeswehr bereits bekannt. Standen beim Auslandseinsatz in Somalia noch die notwendigen Sprachkenntnisse im Vordergrund, wurde bereits 1996 – während der Missionen auf dem Balkan – die Bedeutung eines tiefer gehenden Verständnisses kultureller Besonderheiten immer deutlicher.

Mit wachsenden Truppenkontingenten und längerer Einsatzdauer musste auch das Wissen über geschichtliche und religiöse Zusammenhänge sowie ethnisches Konfliktpotenzial mehr beachtet werden. Daraufhin wurde die interkulturelle Beratung dauerhaft in die Bundeswehr implementiert. Der Vorteil lag auf der Hand: eine schnellere Orientierung im Einsatzumfeld und die Minimierung kulturell bedingten Fehlverhaltens.

Ein Soldat bei einem Vortrag
Wissen schafft Sicherheit: Infos über Afghanistan (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

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Stützpunkt in Mayen

Die interkulturelle Einsatzberatung ist heute dem Zentrum Operative Information zugeordnet. Seit 2006 ist das in Mayen stationierte Zentrum zentrale Anlaufstelle für diese Aufgabe. Hier erfolgen Personalauswahl, die Erarbeitung von Grundlagen und die Ausbildung. Die Qualitätssicherung und persönliche Durchhaltefähigkeit des Beraters stehen dabei im Mittelpunkt auf dem Weg zum Interkulturellen Berater.

Allerdings reichen aktive Soldaten und Reservisten mittlerweile nicht mehr aus, um den nötigen Personalbedarf zu decken. Diese Lücke konnte durch den Aufbau eines Expertennetzwerks, samt Anwerbung externer Fachkräfte, verkleinert werden.

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Praxistest bestanden

Aktuell ist die interkulturelle Einsatzberatung im afghanischen Masar-i Scharif, in Kundus und in Faisabad vertreten. In der Regel verbleiben die Berater für neun Monate im Einsatz. Dies ist notwendig, um entsprechend Wissen, Vertrauen und Beziehungen zu der einheimischen Bevölkerung aufzubauen. Wird die Aufgabe im Anschluss an einen Nachfolger übergeben, so ist dafür ein langer Übergabezeitraum notwendig. Nur so lassen sich die teilweise mühsam hergestellten Vertrauensstrukturen erhalten.

Allerdings geht es dabei nicht nur um operative Beratungen, auch alltägliche Situationen können im Einsatz unvermutete Folgen haben. Ein Beispiel hierfür ist die in einem Feldlager im Norden Afghanistans gehisste Fahne des Fußballvereins Hannover 96. Was als ein Stück Identifikation mit der Heimat gedacht war, sorgte bei einigen Afghanen für Irritation und Verstimmung. Denn die Farben des Fußballvereins finden sich in ähnlicher Form auch in der Fahne der „Nordallianz“ wieder, einer der beteiligten Fraktionen des afghanischen Bürgerkriegs. Einer Allianz, die nicht nur Freunde im Norden Afghanistans hat.

Die vermeintliche Parteinahme für eine der ehemaligen Kriegsparteien konnte im Gespräch aufgelöst werden und führte am Ende zu einem Schmunzeln auf allen Seiten.


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Stand vom: 01.02.13 | Autor: Carsten Pfenning


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.interkulturelleberatung