Blog: Trainingsmission in Uganda

Camp Bihanga (Uganda), 16.08.2012.
Die European Training Mission Somalia (EUTM SOM) ist eine multinationale Ausbildungsmission der Europäischen Union in Uganda. 14 europäische Nationen, darunter Deutschland, unterstützen die somalische Übergangsregierung und die Mission der Afrikanischen Union in Somalia bei der Ausbildung der somalischen Sicherheitskräfte. Als Angehöriger des deutschen Ausbildungsteams berichtet unser Blogger Hauptfeldwebel Jens P. von seinem Einsatz in dem ostafrikanischen Land.
- 14. August 2012: Erfolgreiche deutsch-südafrikanische Zusammenarbeit
- 6. August 2012: Übungsschießen der somalischen Rekruten
- 1. August 2012: Nur noch drei Wochen
- 27. Juli 2012: Schieß- und Waffenausbildung
- 18. Juli 2012: Wassertruck im Matsch
- 16. Juli 2012: Sanitätsübung im Camp Bihanga
- 6. Juli 2012: Erfassung der neuen somalischen Rekruten
- 26. Juni 2012: Einsatzmedaillen für vier Soldaten
- 23. Juni 2012: Die deutschen Ausbilder kommen
- 11. Juni 2012: Unterstützung einer afrikanischen Schule
- 8. Juni 2012: „Fahndung“ nach einem Stoßdämpfer
- 5. Juni 2012: Schießen für die Schützenschnur
- 31. Mai 2012: Fußballturnier unter Freunden
- 19. Mai 2012: Biometrische Datenerfassung
- 15. Mai 2012: Versorgungsfahrt zum Markt
- 5. Mai 2012: Abschied mit Apfelkuchen
- 28. April 2012: Die erste Arbeitswoche
- 20. April 2012: Anreise über den Äquator
- 19. April 2012: Auf nach Afrika
- 3. April 2012: Ein kurzer Entschluss
14. August 2012: Erfolgreiche deutsch-südafrikanische Zusammenarbeit

In den zurückliegenden Monaten war die Arbeit im Bihanga Training Camp nur mit Unterstützung der Versorgungsfirma African Skies Limited (ASL) zu bewerkstelligen. Die Firma ist mit drei südafrikanischen Mitarbeitern ständig vor Ort und war für Major Christian S. und mich der Hauptansprechpartner in Sachen Camp-Betrieb.
Sie ist unter anderem für die Infrastruktur, Wasserversorgung, den Zustand der Unterkünfte, Pflege der Außenanlagen und die Verpflegung zuständig. Die notwendigen Arbeiten werden von einheimischen Mitarbeitern, die fast alle aus dem näheren Umkreis kommen, durchgeführt. Es mussten tägliche Absprachen mit und durch uns getroffen werden, wie zum Beispiel:
Wieviele Unterkünfte müssen gereinigt oder hergerichtet werden? Welche Personalstärke ist für die nächsten Tage zu erwarten? Welche Reparaturen sind durchzuführen? Welche Verbesserungen/Wünsche können realisiert werden? Wieviele Marschverpflegungen für die Fahrten zum Hauptquartier sind vorzubereiten? Welche außerplanmäßigen Veranstaltungen müssen organisiert und vorbereitet werden?
Die Arbeit wurde erheblich durch die kurzen Wege, informell als auch räumlich, erleichtert. Bei so manchen Besorgungsfahrten war ein einheimischer ASL-Mitarbeiter mit Ortskenntnissen dabei, um uns entsprechend bei der Suche nach Fachgeschäften zu unterstützen.
Anmerkung der Redaktion: Im August endete der Einsatz für Hauptfeldwebel P. in Uganda. Er trat unmittelbar nach seiner Rückkehr den wohlverdienten Urlaub an und leistet mittlerweile wieder Dienst am Luftwaffenstandort Köln-Wahn. Das Team der Online-Redaktion dankt ihm für die interessanten Beiträge und den Lesern für das entgegengebrachte Interesse.
6. August 2012: Übungsschießen der somalischen Rekruten

Nachdem vor einer Woche die theoretische Waffenausbildung stattgefunden hatte, wurde heute ein Übungsschießen durchgeführt. Das Material und die Waffen wurden ausgegeben und kurze Zeit später ging es auf die Schießbahn.
Das für das heutige Schießen verantwortliche deutsch/ungarische Ausbildungsteam hatte mittlerweile alles aufgebaut und vorbereitet. Nun durften die ersten vier von 40 somalischen Rekruten und Rekrutinnen scharfe Schüsse mit der Kalaschnikow abgeben. Jeder Rekrut bekam die Gelegenheit in den Stellungsarten stehend, kniend und liegend zu schießen. Zur Unterstützung und zur Sicherheit aller Beteiligten stand jedem Schützen ein Ausbilder zur Seite.
Da es an diesem Tag sehr heiß war und die Aufsichten beim Schießen Schutzweste und Helm tragen mussten, war ich froh, nach dem Schießen in mein 30 Grad kühles Büro gehen zu können. Die Ausbildungsteams, die bei diesen Bedingungen den ganzen Tag im Gelände die Ausbildung durchführen, sind deshalb nicht zu beneiden.
1. August 2012: Nur noch drei Wochen

Drei Monate in Uganda sind bisher vergangen wie im Flug. Es war immer was zu tun: Waffen und Munition für die Ausbildungsteams herausgeben, defekte Waffen zum Reparieren an die Uganda People`s Defence Force abgeben, Munitionstransporte und Besorgungsfahrten durchführen. Zusätzlich Unterkünfte vorbereiten, durchzuführende Reparaturen im Camp beauftragen und der täglichen Büro-/ Nachschubarbeit nachgehen. Kurzum: den „Laden“ am Laufen halten.
Wir haben die Heimkehr der ausgebildeten somalischen Rekruten miterlebt, die Erfassung und Einkleidung der neuen Rekruten vorbereitet und durchgeführt. Die kompletten Ausbildungsteams haben während der letzten drei Monate gewechselt bzw. werden in den nächsten vier Wochen noch anreisen. Es wurden auch einige Verbesserungen im somalischen Camp, das sich auch auf dem Gelände der Bihanga Training School befindet, durchgeführt. Die Unterkünfte wurden neu gestrichen, Türen und sanitäre Anlagen wurden erneuert.
Das nächste Projekt läuft gerade an: Es werden dreihundert Meter Elektrokabel zu den Toiletten der somalischen Rekruten verlegt, damit dort eine Beleuchtung installiert werden kann. Hierfür wurde vorher der Materialbedarf ermittelt und Preise beim nächsten Elektrohändler eingeholt. Diese Kalkulation musste dann, wie übrigens jede außerplanmäßige Ausgabe, an das Hauptquartier in Kampala zur Genehmigung übermittelt werden. Da wir heute „grünes Licht“ erhielten, wurde das Material gekauft und die Arbeiten am gleichen Tag noch begonnen.
Die nächsten Wochen werden auch nicht langweilig. Die beiden Nachfolger für Major Christian S. und mich, die dann den Versorgungsbereich (Nachschub) im Camp Bihanga für die nächsten vier Monate übernehmen, werden in der darauffolgenden Woche erwartet. Schon jetzt wird die Übergabe detailliert vorbereitet, um Ihnen einen möglichst reibungslosen und einfachen Einstieg in diese Tätigkeit zu ermöglichen. Da ich meinen Nachfolger persönlich kenne, standen wir vorher schon im regen Kontakt und ich konnte ihn schon mit Informationen versorgen.
Zeitgleich treten sieben deutsche Ausbilder ihren Einsatz an und bilden dann das Fernmelde-Team. Sie werden die Ausbildung der somalischen Rekruten im Bereich des Fernmeldewesens durchführen.
27. Juli 2012: Schieß- und Waffenausbildung

Heute Vormittag habe ich das deutsch-ungarische Ausbildungsteam begleitet. Ein deutscher und ungarischer Unteroffizier führten zusammen einen theoretischen und praktischen Unterricht im Gelände durch. Thema war die Schießlehre- und Waffenausbildung.
Den somalischen Rekruten wurde die Handhabung am Beispiel der AK-47 (Kalaschnikow) erläutert. Die Visiereinrichtung der Waffe, die verschiedenen Schießtechniken und unterschiedlichen Stellungsarten wurden ebenfalls thematisiert.
Der Unterricht fand in englischer Sprache statt, wurde ab Wort für Wort vom kenianischen Übersetzer übersetzt. Zum Ende des Unterrichts, musste jeder Rekrut sein praktisches Können beim Schießen mit Manövermunition in verschiedenen Stellungsarten und Entfernungen unter Beweis stellen.
18. Juli 2012: Wassertruck im Matsch

Unser Camp wird täglich mit Wasser versorgt, das an ausgewählten Stellen aus Flüssen entnommen wird. Die Fahrten führt unsere Versorgungsfirma African Skies Limited mit einem Wasser-Truck durch.
Das Wasser wird im Camp aufbereitet, und es gab bisher kaum Einschränkungen. Lediglich beim Duschen ist darauf zu achten, dass es nicht unbedingt länger als fünf Minuten dauert. Heute passierte, was irgendwann passieren musste: Der Wassertruck kam von der Fahrbahn ab und blieb schließlich im vom Regen aufgeweichten Straßengraben stecken.
Da unsere Toyota Land Cruiser mit einer Seilwinde ausgestattet sind, waren wir nun gefordert. Ein Großteil des Wassers wurde abgelassen und die Seilwinde befestigt. Dann zog die Winde an. Es brauchte zwar mehrere Versuche und zusätzliche „Erdarbeiten“, um den Truck zu befreien, aber es gelang!
16. Juli 2012: Sanitätsübung im Camp Bihanga

Zur Abwechslung stand heute eine Sanitätsübung auf dem Programm. Die ärztliche beziehungsweise sanitätliche Versorgung im Camp Bihanga wurde überprüft und sollte gegebenenfalls verbessert werden. Vier EUTM-Soldaten machten sich hierzu auf den Weg und fingierten einen Autounfall außerhalb des Camps. Die Art und Schwere der Verletzungen war vorgegeben.
Der Notruf wurde abgesetzt und kurze Zeit später traf unser französisches Sanitätsteam am „Unfallort“ ein und begann mit der Erstversorgung. Alle Verletzten wurden nacheinander mit dem Krankenwagen zur weiteren ärztlichen Versorgung ins EUTM-Feldlager Camp Bihanga gebracht. Da hier ohne weiteres Erstversorgungen und Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden können, wurde auch hier das weitere Vorgehen der Ärzte und des Sanitätspersonals überprüft.
Aufgrund der Schwere der Verletzungen wurde bei einem Unfallopfer entschieden, ihn zur weiteren Behandlung mit dem Flugzeug zu verlegen. Da auf dem Gelände der Bihanga Training School auch eine Landepiste vorhanden ist, wurde diese Verlegung auch theoretisch vollzogen. Sollte in einem Ernstfall, eine ärztliche Versorgung im Camp an ihre Grenzen stoßen, ist eine Verlegung des Patienten nach Nairobi (Kenia) vorgesehen.
6. Juli 2012: Erfassung der neuen somalischen Rekruten

Am 2. Juli war es endlich soweit: Die ersten 140 somalischen Rekruten aus Mogadischu wurden vom Flughafen Entebbe (Uganda) mit Bussen in die Bihanga Training School gebracht. Die ausgebildeten Vorgänger konnten somit ihre Heimreise nach Somalia antreten. Nun galt es das In-Processing (die Aufnahme) durchzuführen. Hierzu wurden insgesamt vier Stationen vorbereitet.
An der ersten Station, für die ich verantwortlich war, wurden ihnen – nach gutem deutschen Muster – Laufzettel mitgegeben. Von jedem Rekruten wurde ein Foto gemacht, die Schuhgröße und die Kleidergröße erfasst. Außerdem erhielten die Soldaten ein Armband wie in einem Ferienhotel. Somit konnten sie im späteren Verlauf eindeutet identifiziert werden.
An den nächsten Stationen wurden persönliche Daten abgefragt und Fragen zur Feststellung der Allgemeinbildung gestellt. Eine weitere ärztliche Untersuchung auf die generelle Tauglichkeit fand ebenfalls statt. Am Ende der Woche waren schließlich alle somalischen Rekruten erfasst.
26. Juni 2012: Einsatzmedaillen für vier Soldaten

Am heutigen Tage stand der Besuch des spanischen Konsuls in Begleitung des irischen Mission Commanders aus unserem Hauptquartier in Kampala auf dem Programm.
Pünktlich um 10 Uhr landete das Flugzeug auf der Piste der Bihanga Training School. Direkt im Anschluss fand eine Führung durch die Ausbildungseinrichtungen der Schule, die sich auf dem Gelände der ugandische Armee UPDF (Uganda People’s Defence Force) befinden, statt. Das EU-Feldlager Camp Bihanga, inklusive dem Stabsgebäude, wurde ebenfalls besichtigt.
In einer feierlichen Zeremonie, der „Medal Parade“, verlieh der Mission Commander vier Einsatzmedaillien an EUTM-Stabspersonal. Unter den ausgezeichneten Soldaten waren neben meiner Person auch mein nächster Vorgesetzter, Major Christian S., der mit mir zusammen für den Nachschub und den „Real Life Support“ im Camp Bihanga zuständig ist.
23. Juni 2012: Die deutschen Ausbilder kommen

Heute war es soweit: Das deutsche Ausbilderteam in der Stärke von drei Mann traf im EU-Feldlager Camp Bihanga ein. Es wird zusammen mit einem ebenfalls drei Mann starken ungarischen Ausbilderteam die Grundausbildung und Vorgesetztenausbildung bei somalischen Unteroffizieranwärtern übernehmen.
Die theoretischen Ausbildungsinhalte sind zum Beispiel die Geschichte Somalias, die Nationalhymne und weitere Grundlagen. Die detaillierte Einweisung in das russische Maschinengewehr PKM und in das ebenfalls russische Sturmgewehr AK-47, besser bekannt unter der Hersteller-Bezeichnung Kalaschnikow, wird in der zweiten Ausbildungswoche durchgeführt. Neben den verschiedenen Stellungs-, Anschlagsarten und dem richtigen Zielen steht auch Waffendrill auf dem Programm.
Längere Fußmärsche, Sportunterricht und regelmäßige Trainingseinheiten auf einem Hindernisparcours dürfen natürlich in einer Grundausbildung nicht fehlen. Die Ausbildung im Fernmeldewesen erfolgt dann nach circa acht Wochen im Anschluss an die Grundausbildung und wird von einem weiteren deutschen Ausbildungsteam durchgeführt.
11. Juni 2012: Unterstützung einer afrikanischen Schule

Vor zwei Wochen machte ich mich mit einer kleinen Abordnung des EUTM-Personals auf den Weg, um in einer fünf Kilometer entfernten Schule, den Kindern eine Freude zu machen.
Ein italienischer Soldat hatte zuvor Schulhefte, Buntstifte und sonstiges Unterrichtsmaterial besorgt. Dieses sollten nun an die Kinder verschenkt werden. Zu Beginn wurde aber erst ein Fußballspiel gegen circa 70 engagierte Kinder mit ebenso engagierten europäischen Soldaten durchgeführt. Der Sieger stand eigentlich vorher schon fest: Mit einem gefühlten 10:1 gewannen die afrikanischen Schulkinder.
Danach wurde eine längere Pause eingelegt, in der die Kinder Kekse zur Stärkung erhielten. Anschließend wurden die Schulmaterialien an die sichtlich aufgeregten und glücklichen Kinder verteilt.
Zur Freude und Überraschung der Soldaten bedankten sich die Kinder, indem sie uns mit zwei Liedern gesanglich verabschiedeten. Eine Woche später besuchte die Schuldirektorin das Camp Bihanga. Sie bedankten sich nochmals und bat uns, erneut zur Schule zu kommen, da sich auch die Eltern bei uns persönlich bedanken möchten.
8. Juni 2012: „Fahndung“ nach einem Stoßdämpfer

Bei den hier vorherrschenden Straßenverhältnissen, konnte es nicht lange dauern, bis der erste Fahrwerksschaden an einem unserer Toyota Land Cruiser auftreten würde. Nun war es soweit – ein Auto unseres „Fuhrparks“ von lediglich drei Fahrzeugen musste aufgrund eines Stoßdämpferbruchs stehen bleiben.
Da schon ein Fahrzeug aufgrund eines Frontscheibenwechsels an eine Werkstatt ins 350 Kilometer entfernte Kampala abgegeben wurde, war jetzt nur noch ein Auto fahrbereit. Zu wenig, um den Ausbildungsbetrieb aufrechterhalten zu können.
Wir fuhren noch am gleichen Tag los, um in hiesigen Geschäften nach Ersatz zu suchen. Das erwies sich erwartungsgemäß als sehr schwierig – Vertragswerkstätten gibt’s im näheren Umkreis nicht, gutsortierte Autoteilehändler schon dreimal nicht.
Die Suche endete schließlich erfolgreich im circa zwei Stunden entfernten Mbarara. Mehrere Händler und Werkstätten mussten vorher abgefragt werden, um schließlich in einer versteckten Seitengasse fündig zu werden: Zwei original verpackte Toyota Stoßdämpfer. Da wir uns vorher nach dem regulären Verkaufspreis bei einem Vertragshändler erkundigt hatten, endete die Feilscherei für uns erfolgreich.
Der Stoßdämpfer wurden noch am nächsten Morgen vor Ausbildungsbeginn mit Unterstützung eines gelernten Kfz-Mechanikers einer afrikanischen Versorgungsfirma im Camp Bihanga gewechselt.
5. Juni 2012: Schießen für die Schützenschnur

Das deutsche EUTM-Personal hat ein Schießen vorbereitet und durchgeführt, das den Richtlinien zum Erwerb der Schützenschnur der Bundeswehr entsprach. Es nahmen unter anderem die Ausbildungsteams Frankreichs, Schwedens, das EUTM-Stabspersonal und Soldaten der Uganda People's Defence Force (UPDF) an diesem fordernden Wettbewerb teil.
Der Dienstälteste Deutsche Offizier (DDO) vom Hauptquartier in Kampala und sein Nachfolger waren ebenfalls aufgrund der Übergabe der Amtsgeschäfte vor Ort und nahmen am Schießen teil. Als erste Teildisziplin des Wettkampfes durften die Teilnehmer mit der deutschen Pistole P8 schießen.
Danach ging es weiter mit den für die Ausbildung der somalischen Sicherheitskräfte eingesetzten Waffen: dem russischen Maschinengewehr PKM und dem ebenfalls russischen Sturmgewehr AK-47, besser bekannt unter der Hersteller-Bezeichnung Kalaschnikow.
Durch diese Schießveranstaltung konnten die Ausbildungsteams die Handhabung der Waffen unter Wettkampfbedingungen trainieren. Darüber hinaus wurde der Zusammenhalt gefestigt und das deutsche Kontingent präsentierte sich als professioneller Ausrichter und Gastgeber.
Die erfolgreichsten Schützen wurden entsprechend ihrer Schießergebnisse vom DDO ausgezeichnet.
31. Mai 2012: Fußballturnier unter Freunden

Da sich der fertig ausgebildete dritte „Intake“ (Ausbildungsdurchgang) weiterhin in der Bihanga Training School befindet, wird in den nächsten zwei Wochen neben dem weiter stattfindenden Ausbildungsprogramm, ein Fußballturnier ausgerichtet. Die somalischen Sicherheitskräfte können nämlich erst ihre Heimreise antreten, wenn der vierte Durchgang eingetroffen ist.
Durch das Fußballturnier wird die Wartezeit erträglicher, der innere Zusammenhalt gestärkt und es ist außerdem eine willkommene Abwechslung zur mittlerweile fast sieben Monate andauernden Ausbildung.
Sechszehn Mannschaften, darunter auch jeweils ein Team der EU-Trainingsmission (EUTM) und der ugandischen Armee UPDF, nehmen an diesem Spektakel teil.
Unter reger Beteiligung der einheimischen Bevölkerung werden auch unter widrigsten Umständen, spannende Spiele ausgetragen. Selbst starke Regengüsse halten keinen Somali davon ab, bis zum sprichwörtlichen „Umfallen“ zu spielen. Nicht alle haben Schuhe, die wenigsten Turnschuhe und ziemlich viele Kampfstiefel an.
In Deutschland wären solche Spiele wegen Unbespielbarkeit des Platzes abgebrochen worden. Das Finale findet am Samstag, den 9. Juni, pünktlich zum Beginn der Fußball-Europameisterschaft statt.
19. Mai 2012: Biometrische Datenerfassung

Heute sind fünf UNMAS–Mitarbeiter (United Nations Mine Action Service) eingetroffen. Sie werden eine Woche lang biometrische Daten der 603 ausgebildeten somalischen Soldaten erfassen. Dadurch sollen die Sicherheit innerhalb der somalischen Streitkräfte verbessert und zukünftige Sicherheitskontrollen erleichtert werden.
Die Soldaten werden der Reihe nach erfasst. Die kenianischen Übersetzer überprüfen zu Beginn, zusammen mit einem EUTM-Stabsangehörigen, die persönlichen Daten. Viele Somalis sprechen kein Englisch, sondern nur Somali. Daher unterstützen die Übersetzer, welche auch die sechsmonatige Ausbildung begleitet haben, die Erfassung und stehen bei Verständigungsproblemen ebenfalls zur Verfügung.
Danach werden Speichelproben genommen und Fingerabdrücke erfasst. Damit alles reibungslos abläuft, sind jederzeit Mitglieder der Ausbildungsteams vor Ort, um zwischen den somalischen Rekruten und den UNMAS–Mitarbeitern vermitteln zu können.
15. Mai 2012: Versorgungsfahrt zum Markt

Die meisten Ausbildungsteams haben das Camp Bihanga mittlerweile verlassen und die neuen Teams reisen schon in ein paar Tagen an. Nun gilt es die Unterkünfte auf Vordermann zu bringen, das Inventar zu überprüfen und mögliche Schäden rasch zu beseitigen.
Außerdem wird das Ausbildungsmaterial auf Vollzähligkeit überprüft. Der Bedarf an Büromaterial für das Stabspersonal und die Ausbildungsteams wird abgefragt. Was man auf dem hiesigen Markt beschaffen kann, wird auch vor Ort gekauft. Die nächstgrößere Stadt ist circa 45 Autominuten entfernt – je nach Zustand der sogenannten „Dirt-Road“. Nach einem längeren, heftigen Schauer, ist diese Straße teilweise unpassierbar.
Hier bekommt man fast alle Dinge des privaten und dienstlichen Bedarfs – Hygieneartikel, Zigaretten, Obst, Gemüse, Büromaterial, Getränke, Kleidungsstücke und zum Beispiel auch Schrauben und andere Kleinteile. Telefonkarten können hier ebenfalls erworben werden und ein Besuch am Bankautomaten, um mit der Kreditkarte Bargeld abzuheben, ist ohne weiteres möglich.
Sonntags ist „Low Ops Tag“ im Camp. Es wird länger geschlafen – außer man möchte zum Beispiel einen afrikanischen Gottesdienst erleben. Dieser beginnt um 10 Uhr und dauert mindestens 1,5 Stunden. Dieser christliche Gottesdienst – circa 80 Prozent der Ugander gehören einer römisch-katholischen oder anglikanischen Glaubensrichtung an – ist nicht vergleichbar mit deutschen Gottesdiensten.
Die Predigt ist sehr kurz gehalten. Die meiste Zeit wird euphorisch gesungen und auch getanzt. Selbst die Kinder haben unheimliche Freude und gehen förmlich aus sich heraus. Diese Art des Gottesdienstes gehört bisher zu meinen beeindruckensten Erlebnissen in Uganda.
5. Mai 2012: Abschied mit Apfelkuchen

In den nächsten Wochen stehen die Personalwechsel der Ausbildungsteams aus Finnland, Schweden, Spanien, Deutschland, Portugal, Frankreich, Italien und Malta an. Aus diesem Anlass wurde daher eine Farewell-Party veranstaltet.
Diese fand nach einigen Vorbereitungen im Speisesaal des Camps Bihanga statt. Jede Nation verabschiedete sich in Form eines selbst erstellten Videovortrages. Einige Nationen stellten Ihre Streitkräfte, Sehenswürdigkeiten, landestypischen Brauchtümer vor – andere wiederum Ihre Essgewohnheiten. Nachdem die Vorträge beendet waren, wurden die von den jeweiligen Nationen zubereiteten landestypischen Speisen aufgetischt.
Die Portugiesen hatten eine Art Linsensuppe, die Italiener Pasta, die Schweden Hackbällchen und die Malteser eine Fischpastete als Vorspeise. Die Deutschen waren für den Nachtisch zuständig und tischten somit vier Bleche Apfelkuchen auf. Da keiner der beteiligten Deutschen je zuvor einen Apfelkuchen gebacken hatte, war bei der Zubereitung Improvisationstalent gefragt.
In der afrikanischen Küche waren zudem verschiedene Dinge einfach nicht vorhanden: Elektrischer Mixer, Teigschaber, Küchenwaage. Da der Teig für die Kuchenstreusel zu dünn geraten war, musste man sich etwas überlegen, um diesen irgendwie „streuselähnlich“ auf die ausgelegten Äpfel zu bekommen.
Die zündende Idee war, den Teig durch ein Nudelsieb zu drücken. Trotz aller Improvisationen war der Apfelkuchen ein voller Erfolg und schon vor Mitternacht waren nur noch vier leere Bleche zu sehen.
28. April 2012: Die erste Arbeitswoche

Mein Vorgänger hat seine Aufgaben an mich übergeben. Er konnte mich fast eine Woche lang unterstützen und mir alles erklären, bevor er seine Heimreise nach Deutschland antrat. Mit der Ausbildung der somalischen Rekruten habe ich allerdings nichts zu tun. Ich leiste hier Stabs- und Nachschubarbeit und unterstütze die Ausbildungsteams, wenn zum Beispiel Material angefordert werden muss. Mein Arbeitstag beginnt um 7 Uhr und endet meistens zwischen 18 und 19 Uhr. Das Frühstück lass' ich meistens ausfallen, da es auch mittags und abends reichlich zu essen gibt.
Als Erstes muss morgens der südafrikanischen Versorgungsfirma die Anzahl der Soldaten für die nächsten Tage mitgeteilt werden, damit die richtige Menge an Essen bereitgestellt wird. Die Versorgungsfirma ist unter anderem für die Verpflegung, den Camp-Betrieb und die Unterkünfte verantwortlich. Mit ihr treffen wir auch Absprachen, wenn Unterkünfte gereinigt, Instandsetzungsmaßnahmen oder Veranstaltungen durchgeführt werden sollen.
Um 8 Uhr geben wir die Waffen, die Munition und sonstiges Material aus. Danach widmet man sich der täglichen Büroarbeit. Wir planen außerdem Fahrten von Personal und Material zum Hauptquartier in Kampala und melden sie dort an.
Im Camp sind drei Fahrzeuge vorhanden, die für den Ausbildungsbetrieb auch immer benötigt werden. Mit ihnen werden die Fahrten zu den verschiedenen Ausbildungsstätten durchgeführt. Die Fahrzeuge müssen immer ausreichend betankt und in einem ordentlichen Zustand sein. Ebenfalls sind sie rechtzeitig zur Inspektion einzuplanen, die in Kampala durchgeführt wird.
Momentan wird der Personalwechsel einiger Nationen geplant, da die Ausbildung des dritten Durchganges der somalischen Sicherheitskräfte abgeschlossen ist. Am 10. Mai soll die Abschlussparade der fertig ausgebildeten somalischen Sicherheitskräfte stattfinden. Auch diese Parade müssen wir vorbereiten.
Die neuen Rekruten werden dann im Juni erwartet. Die verschiedenen Ausbildungsabschnitte, welche diese durchlaufen müssen, werde ich dann näher vorstellen und erläutern.
20. April 2012: Anreise über den Äquator

Nach drei Starts und Landungen (Berlin, Brüssel, Kigali/Ruanda, Entebbe/Uganda) betraten wird endlich um 21.45 Uhr Ortszeit afrikanischen Boden. Sofort schlug uns die Schwüle ins Gesicht. Am Flughafen empfingen uns zwei deutsche Kameraden freundlich. Weiter ging es zur Passkontrolle und zur Gepäckausgabe. Direkt am Flughafen besorgten wir noch Handykarten und tauschten einige US-Dollar in Uganda-Schilling um.
Die Fahrt zum Hauptquartier in Kampala war schon das erste Highlight. Verkehrsregeln gibt es hier nicht – nur eine: Der Stärkere hat Vorfahrt. Nach dem Motto „Augen zu und durch“ erreichten wir nach 45 Minuten unser heutiges Ziel. Nach einem Small Talk mit unseren deutschen Kameraden fiel ich müde in mein Bett, welches mit einem Moskitonetz versehen war.
Der nächste Morgen war für ein Briefing vorgesehen, bei dem wir als erstes unsere blauen Barette mit dem Wappen der Europäischen Union überreicht bekamen. Mit uns wurden noch drei irische Kameraden in die Besonderheiten dieser EU-Mission eingewiesen. Der dienstälteste deutsche Offizier setzte uns dann nach einem persönlichen Gespräch in Marsch.
Auf der circa sechsstündigen Autofahrt auf größtenteils asphaltierten Straßen zum 350 Kilometer entfernten Camp Bihanga zog die Landschaft nur so an uns vorbei. Wir passierten den Äquator, was wir natürlich im Bild festhielten. Die Fahrt war trotz der Regenzeit nicht so schlimm wie von mir befürchtet, da der Regen vom Vortag schon wieder verdunstet war.
Das Leben spielt sich in den Dörfern am Straßenrand ab. Zahlreiche Verkaufsstände säumten unseren Weg. Bananen, Obst, Holz, Plastikbehälter, Schuhe, Kaffeebohnen, Türrahmen, Sessel, Bettgestelle, gebrannte Steine oder Ziegel und vor allem Handykarten wurden direkt an der Straße verkauft.
Ebenfalls beeindruckend war, dass jedes auch noch so kleine Dorf eine Schule besitzt. Viele Kinder fielen durch ihre farbenfrohe Schuluniform auf. Um 18 Uhr durchfuhren wir das Haupttor zum Trainingsgelände und waren am Ziel – Camp Bihanga.
19. April 2012: Auf nach Afrika

Gestern hatte ich mein letztes Briefing im Einsatzführungskommando in Potsdam, mit einer informativen Einweisung und ein paar Tipps für die ersten Tage. Heute bin ich schon auf dem Weg nach Uganda. Für vier Monate werde ich nun meine Familie und Freunde nicht sehen.
Nach einer letzten, etwas unruhigen Nacht in Deutschland war heute Morgen der Tag der Abreise nach Afrika. Am frühen Morgen wurden wir mit unserem Gepäck zum Flughafen Berlin-Tegel gebracht. Ich spürte eine innere Unruhe, gleichzeitig war ich aber auch neugierig und gespannt. Immerhin weiß ich nicht wirklich, was mich erwartet. Mit der Vorfreude, meinen Einsatzort, das Camp und meine Kameraden im Einsatz kennenzulernen, bestieg ich dann das Flugzeug.
3. April 2012: Ein kurzer Entschluss
Vor rund einem halben Jahr kam die Anfrage, ob ich an dieser ungewöhnlichen und mir bis dato unbekannten Ausbildungsmission teilnehmen wolle. Nach Recherchen im Internet und im Intranet der Bundeswehr stand meine Entscheidung nach fünf Minuten fest: „Da willst du hin!
“
Etwas völlig Neues – große, glänzende Kinderaugen, die dich auf deinen Versorgungsfahrten anschauen. Der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung und die Gewissheit, mit kleinen Dingen den armen Menschen eine Freude machen zu können, sind für mich Beweggründe, diesen Einsatz anzutreten.
Die Vorbereitungen sind soweit abgeschlossen – außer, dass noch die Ausrüstung sinnvoll in drei Gepäckstücke verteilt und verpackt werden muss. Zudem ausreichend Sonnenmilch, Medikamente gegen Durchfall und Übelkeit, des Weiteren Malaria-Prophylaxe-Tabletten, die ebenfalls Pflicht sind.
In vier Wochen wird nach einem letzten eintägigen Briefing in Potsdam die Linienmaschine von Berlin-Tegel aus über Brüssel nach Entebbe in Uganda fliegen. Von dort geht es weiter zum Hauptquartier in Kampala und im Anschluss zum circa 300 Kilometer entfernten Einsatzort Camp Bihanga. Aufgrund der momentanen Regenzeit, ist von einer langen und beschwerlichen Fahrt auszugehen.



