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Afghanistan: Das Land am Hindukusch

Ein Überblick über Politik, Geografie, Klima, Wirtschaft und Bevölkerung.

Afghanistan-Flagge
Die afghanische Flagge (Quelle: Wikipedia)Größere Abbildung anzeigen

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1. Politisch-geografische Bedeutung

Geografie:
  • Binnenland und strategisch wichtigstes Grenzland zwischen China, Pakistan, GUS-Nachfolgestaaten und Iran
Politische Entwicklung seit 2001:
  • Antiterror-Einsatz der USA (Operation Enduring Freedom, seit Oktober 2001); Sturz und Vertreibung des Taliban-Regimes, vor allem durch die Nordallianz im Dezember 2001; Einigung über politische Neuordnung des Landes bis 2004 (Afghanistan-Konferenz, Petersberg, Dezember 2001 und 2002), damit Beschluss von Milliarden-Aufbauhilfe durch die Internationale Staatengemeinschaft
  • Provisorische Regierung unter paschtunischem Stammesführer Hamid Karzai; Präsidentschaftswahlen 2004 und 2009; Parlamentswahlen 2005 und 2010
  • Internationale Sicherheitsunterstützungstruppe (ISAF) unter NATO-Kommando im Auftrag der Vereinten Nationen (VN)
Außenpolitische Entwicklung seit 2002:
  • Erneuerung der diplomatischen Beziehung zum Irak im August 2002; Wiederaufnahme politischer Beziehungen zu Anrainerstaaten („Kabuler Erklärungen“ Januar 2003); Normalisierung der bilateralen Beziehungen zu Pakistan (Koordinierung gemeinsamer Militäroperationen, gemeinsames Vorgehen gegen Rauschgift- und Waffenhandel, Gefangenenaustausch, Grenzkontrollen, Transithandel), jedoch weiterhin schwelender Grenzkonflikt wegen umstrittener Grenzziehung entlang der „Durand“-Linie sowie Trainingslagern afghanischer Taliban in pakistanischem Grenzgebiet; Bau von Grenzschutzanlagen durch Pakistan 2007
Herausforderungen:
  • Flüchtlinge: etwa 2,4 Millionen, größtenteils in Pakistan und im Iran (2010); circa 132.600 Binnenflüchtlinge (seit September 2006)
  • Starke Zerstörung zentraler Einrichtungen (Krankenhäuser, Schulen); unzureichende Infrastruktur, besonders in der Strom- und Wasserversorgung; verschärfter Engpass auf dem Wohnungsmarkt durch Rückkehr von Millionen afghanischer Flüchlinge; chronische Nahrungsmittelknappheit (bis zu fünf Millionen Betroffene); 16,5 Prozent Kindersterblichkeit (2003); noch fünf bis sieben Millionen Landminen vorhanden

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2. Staats- und Regierungsform

  • Name: Islamische Republik Afghanistan
  • Verfassung: Demokratische Verfassung seit Januar 2004
  • Volksvertretung: Zweikammerparlament (249 Abgeordnete, darunter 69 Frauen)
  • Administrative Gliederung: 34 Provinzen (Velayat-e)
  • Mitgliedschaft in internationalen Organisationen: Vereinte Nationen und VN–Sonderorganisation, Asian Development Bank (ADB), Blockfreie; G-77

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3. Lage, Größe und Grenzen

  • Zeitzone: Mitteleuropäische Zeit (MEZ) plus 3,5 Stunden
  • Lage: Vorderasien
  • Fläche: 652.090 Quadratkilometer (Deutschland: 357.124 Quadratkilometer)
  • Nordwest-Südost-Ausdehnung: Circa 850 Kilometer
  • Südwest-Nordost-Ausdehnung: Circa 1.550 Kilometer (mit dem Vakhan-Korridor nach China)
  • Afghanistan grenzt im:
    • Norden an Turkmenistan (744 Kilometer), Usbekistan (137 Kilometer), Tadschikistan (1.206 Kilometer)
    • Nordosten an die Volksrepublik China (76 Kilometer)
    • Westen an den Iran (936 Kilometer) und Pakistan (2.430 Kilometer).

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4. Oberflächenformen, Gewässer und Landnutzung

Überwiegend Gebirgsland (50 Prozent des Landes in Höhenlagen zwischen 600 und 1.800 Meter, circa 33 Prozent zwischen 1.800 und 3.000 Meter und circa 10 Prozent über dem Meeresspiegel)

Drei Großlandschaften:
  • Zentraler Landesteil: Von Ostnordost nach Westsüdwest verlaufende Gebirgsketten des Hindukusch; Länge über 1.200 Kilometer, Breite bis zu 250 Kilometer und Binnenhochland; Gipfelhöhen 3.000 bis über 7.500 Meter über dem Meeresspiegel (höchste Erhebung: Noshag 7.485 Meter)
  • Zentralafghanisches Hochland: Von Höhen zwischen 3.000 und 5.000 Meter über dem Meeresspiegel dominiert; durchzogen von zwei entlang von Schächezonen verlaufenden Tälern
  • Tiefebenen und Becken: Rigestan- und Sistan-Becken im Süden und Südwesten (300 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel); Amurar'ya-Tiefland im Norden (250 bis 400 Meter über dem Meeresspiegel); Kaboler Becken in tekonischer Senke im Osten (1.800 bis 1.900 Meter über dem Meeresspiegel) und östlich anschließend Jalalabad-Becken (400 bis 500 Meter über dem Meeresspiegel)
Gewässer: Flüsse meist aus dem Hindukusch; Wasserführung stark schwankend, meist in abflusslosen Senken, Seen oder Salzsümpfen endend (Helmand, Amudar'ya; Kabulfluss im Osten in den Indus (Pakistan)

Naturgefahren: Erdbeben, Überschwemmung, Dürren und Massenverlagerungen (Erdrutsche, Schlammlawinen)

Flächennutzung (2002):
  • Ackerland: 12 Prozent
  • Weide: 46 Prozent
  • Wald: 2 Prozent
  • Sonstige: 40 Prozent
Karte von Afghanistan
Die Islamische Republik Afghanistan (Quelle: www.mapcruzin.com)Größere Abbildung anzeigen

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5. Klima

Überwiegend arides Kontinentalklima mit starken Temperaturschwankungen; reliefbeding ausgeprägte Klimaunterschiede, von aridem Wüsten- und Steppenklima (Ebenen) über subtropisches bis zu alpinem Hochgebirgsklima; geringe Niederschläge, unregelmäßig und je nach Höhenlage unterschiedlich; indischer Sommermonsun nur im Osten des Landes; im Westen im Winter geringe Niederschläge.

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6. Bevölkerung und Besiedlung

  • Einwohner: 29 Millionen (2010)
  • Bevölkerungsdichte: 44 Einwohner pro Quadratkilometer (2010)
  • Bevölkerungswachstum: 2,6 Prozent (2007)
  • Ethnien (mindestens 30): 42 Prozent Paschtunen, 27 Prozent Tadschiken, 9 Prozent Usbeken, 9 Prozent Hazara, 4 Prozent Aimak, 3 Prozent Turkmenen, 1 Prozent Belutschen, 3 Prozent Sonstige (Nuristani, Kirgisen, Inder und andere)
  • Sprachen: 50 Prozent Dari (afghanisches Persisch), 35 Prozent Paschtu, 10 Prozent Turksprachen (Usbekisch, Turkmenisch), 5 Prozent Sonstige (circa 30 weitere Sprachen)
  • Religion: 99 Prozent Muslime (80 Prozent Sunniten, 19 Prozent Zwölfer-Schiiten beziehungsweise Imaniten und Siebener-Schiiten beziehungsweise Ismaeliten), ein Prozent Sonstige
  • Analphabetenrate: 64 Prozent (Schätzung 2007)
  • Städtische Bevölkerung: 20 Prozent (2007)
  • Größere Städte nach Einwohnern: Kabul (Hauptstadt) 4,5 Millionen (Agglomeration), Kandahar 347.300, Masar-i Scharif 277.300, Herat 350.200, Jalalabad 143.500, Kundus 113.700, Ghazni 50.000 (Berechnung 2008)

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7. Wirtschaft

Weitgehende Zerstörung des Landes nach über zwei Jahrzehnten kriegerischer Auseinandersetzungen, Industrie nur rudimentär vorhanden und auf Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse beschränkt; umfangreiche Hilfsaktionen der Vereinten Nationen seit Oktober 2001; marktwirtschaftlich orientierte Wirtschaft; Landwirtschaft derzeit einer der stärksten Wachstumsbereiche

Wiederherstellung wirtschaftlicher Grundbedingungen: Aufbau des Schul– und Gesundheitssystems durch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) und der Polizei (durch Deutschland), Errichtung neuer Stromerzeugungs- und Wasserbewirtschaftungseinrichtungen

  • Währung: 1 Afgani (AF) gleich 100 Pils; 1 US-Dollar gleich 49,60 AF (Januar 2007)
  • BIP: 14,5 Milliarden US-Dollar (2010)
  • BIP-Wachstum: 8,4 Prozent (Prognose 2008)
  • BIP pro Kopf: 502 US-Dollar (Schätzung 2010)
  • Inflationsrate: 7,6 Prozent (Prognose 2007)
  • Auslandsverschuldung: 11,3 Milliarden US-Dollar (2006); Umschuldungsabkommen mit wichtigsten Gläubigerstaaten (April 2007)
  • BIP-Entstehung: Landwirtschaft 38 Prozent; Industrie 25 Prozent; Dienstleistungen 37 Prozent (2005/06)
  • Arbeitslosenquote: 70 Prozent (in Kabul), auf dem Land weitaus höher (im Osten und Süden des Landes bis 90 Prozent) (2006/2007)
  • 80 Prozent der Bevölkerung (Landesbevölkerung) unterhalb der Armutsgrenze lebend (2008)
  • Außenhandel (2005/06):
    • wichtigste Handelspartner: Pakistan (circa 50 Prozent der Importe), China, Japan, Indien, Deutschland
  • Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei:
    • Nur circa zwölf Prozent der Fläche für Ackerbau nutzbar, der größte Teil auf künstliche Bewässerung angewiesen, Probleme durch Zerstörung von Bewässerungskanälen und Verminung
    • Anteil der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft: 80 Prozent (2005)
    • Ernteverluste durch anhaltene Dürreperiode
    • Anbauprodukte: Getreide (vor allem Weizen), Gemüse, Früchte (vor allem Weintrauben, Melonen, Trockenfrüchte), Baumwolle
    • Viehwirtschaft: Zucht von Karakuschafen, Ziegenhaltung
    • Bodenschätze: Kohle, Erdgas, Erdöl, Eisenerz, Marmor, Talk, Apatit, Graphit, Phosphor, Kupfer, Gold, Halbedelsteine (Lapislazuli: bedeutendste Fundstätte der Erde)
  • Pipelines: Erdgas 466 Kilometer (2007)
  • Energiewirtschaft: Versorgung durch heimische Brennstoffe (Holz, Holzkohle, Steinkohle, Erdgas), Wasserkraftwerke (63 Prozent der Stromkapazität) und eingeführte Erdölprodukte, Großteil der Wärme- und Wasserkraftwerke durch Kampfhandlungen zerstört (Instandsetzung von zwei Wasserkraftwerken durch Deutschland seit November 2002)

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8. Verkehr

  • Straßen (2007): 34.070 Kilometer insgesamt, davon 2.360 Kilometer befestigt; durch Krieg und Bürgerkrieg zerstörte Infastruktur mit Hilfe internationaler Gebergemeinschaft im Wiederaufbau (zum Teil Erneuerung des Überlandstraßensystems); extreme Minengefahr
  • Schiene (2010): Nicht vorhanden, nur zwölf Kilometer Breitspur (Verbindung zwischen Termez [Usbekistan] über kombinierte Eisenbahn-Straßenbrücke nach Hayratan am Südufer der Amudar'ya); Bemühungen für den Aufbau eines Schienennetzes sind gegeben
  • Wasser (2007): Ganzjährig auf dem Grenzfluss Amudar'ya für Schiffe bis 500 Bruttoregistertonnen und bis einen Meter Tiefgang (1.200 Kilometer Wasserstraßen); größere Häfen: Shir Khan, Tash Gozar und Containerhafen Hayratan
  • Luft (2010): Drei internationale Flughäfen Kabul, Kandahar, Herat; insgesamt gibt es 65 Flughäfen und -plätze; schwere Zerstörungen durch Luftangriffe (seit Oktober 2001)

Daten und Fakten stammen aus dem Fortschrittsbericht der Bundesregierung, dem Internetangebot des Auswärtigen Amtes sowie aus Informationen des Amtes für Geoinformationswesen der Bundeswehr.

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Stand vom: 04.02.13


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.missionen.isaf.laenderinfos