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Von der Kleiderkammer zum Servicepoint: Zehn Jahre Bekleidungsgesellschaft

Köln, 06.09.2012.
Vor zehn Jahren wurde die LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft (LHBw) mitsamt ihrer Tochtergesellschaft LH Dienstbekleidung (LHD) gegründet. In der breiten Öffentlichkeit ist die Unternehmensgruppe zwar wenig bekannt, doch sie hat eine kleine Erfolgsgeschichte geschrieben. Etwas verspätet wurde deshalb kürzlich am Kölner Firmensitz Geburtstag gefeiert.

Frau misst den Hals eines Soldaten

Damit das Uniformhemd auch passt: Maßarbeit in einer Bekleidungskammer (Quelle: Bundeswehr/Modes)Größere Abbildung anzeigen

Erna Rohrbach konzentriert sich auf den Stoff zwischen ihren Fingern: Mit routinierten Handbewegungen sticht die Schneiderin eine Nadel durch die feste Baumwolle. Wenige Augenblicke später näht sie alle Knöpfe fest. Ein letzter Check der Rangabzeichen, dann überreicht sie die dunkelblaue Uniformjacke an den wartenden Offiziersanwärter. „Alles bestens, alles perfekt, vielen Dank!

Rohrbach näht und sticht zwar im Auftag der, aber nicht bei der Bundeswehr. Seit 2003 arbeitet sie in der Änderungsschneiderei der LH Dienstbekleidungs GmbH, kurz: LHD. Und die wiederum ist eine Unternehmenstochter der zivilen Bekleidungsgesellschaft der Bundeswehr LHBw. Was kompliziert klingt, ist eine inzwischen zehn Jahre währende Erfolgsgeschichte.

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Die Truppe entlasten – und Geld sparen

Jahrzehnte lang hat die Bundeswehr Uniformen, Stiefel und Co. selbst beschafft. Sie hat Vergaben öffentlich ausgeschrieben, Bestellungen aufgegeben, die erhaltene Ware auf ihre Bekleidungskammern verteilt, alles selbst bewirtschaftet, repariert und schließlich ausgesondert. Das System funktionierte, war allerdings teuer: Alleine die jährlichen Artikelbeschaffungskosten betrugen 350 Millionen Euro. Hinzu kamen weitere Kosten, etwa für Personal, Gebäude und Transport.

Auch angesichts anstehender Etatkürzungen gibt der damalige Verteidigungsminister Rudolf Scharping 1999 eine neue Marschrichtung vor: Statt alles selbst zu machen, soll sich die Bundeswehr künftig auf ihren militärischen Kernauftrag konzentrieren. Andere Felder sollen intern optimiert oder privatisiert werden, um die Kosten zu senken und die Effizienz zu steigern.

Schneiderin in LHD-Schneiderwerkstatt

Nahezu alles lässt sich ändern: Erna Rohrbach in ihrer Schneiderwerkstatt (Quelle: David Zwadlo)Größere Abbildung anzeigen

Zunächst wird deshalb im August 2000 die bundeseigene „Gesellschaft für Entwicklung, Beschaffung und Betrieb“ (g.e.b.b.) gegründet. Sie soll die Bundeswehr bei den anstehenden Reformen unterstützen. Handlungsbedarf sehen deren Experten unter anderem beim Bekleidungsmanagement. Sie rechnen verschiedene Modelle durch, auch eine interne Optimierung. Doch letztlich empfehlen sie eine Ausgliederung und Privatisierung.

Mitte 2001 schreibt die Bundeswehr das „Projekt Bekleidungswirtschaft“ aus. Den Zuschlag erhalten schließlich zwei Partner: Lion Apparel Deutschland, ein Dienstleister mit Spezialisierung auf Schutzbekleidung, und Hellmann Worldwide Logistics aus Osnabrück. Gemeinsam mit dem Verteidigungsministerium, das 25,1 Prozent der Anteile übernimmt, gründen sie die LH Bundeswehr Bekleidungsgesellschaft (LHBw). Am 13. August 2002 werden die Verträge unterschrieben. Sie füllen zusammen mit dem Leistungsverzeichnis etliche Aktenordner.

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Bundeswehr macht Vorgaben

Die LHBw hat nur einen einzigen Kunden: Die Bundeswehr. Ihr Kernauftrag ist die Versorgung der Soldaten und zivilen Mitarbeiter mit Ausrüstung und Bekleidung – und das bei kontinuierlicher Verbesserung und Kostenreduzierung.

Nach der Vertragsunterzeichnung im August 2002 soll ein bruchfreier Wechsel stattfinden – schließlich treten bald schon die nächsten Rekruten ihren Dienst an und brauchen dafür ihre Erstausstattung. Deswegen überlässt die Bundeswehr der LHBw 3.155 Mitarbeiter und Warenbestände im Wert von 625 Millionen Euro.

Zugleich werden der LHBw aber wirtschaftliche Vorgaben gemacht: Sie muss die Anzahl der Mitarbeiter reduzieren und während der Vertragslaufzeit bei der Beschaffung 718 Millionen Euro einsparen.

An die Stelle der zahllosen militärischen Bekleidungskammern treten deshalb bei der LHBw rund 70 große Servicestationen und zahlreiche kleinere Servicepoints. In Ausnahmefällen werden die Soldaten aber auch via Paketdienst beliefert.

Entwicklungsabteilungen oder gar Fabriken hat die LHBw dagegen nicht. Sie ist quasi das Bindeglied zwischen den Forderungen der Bundeswehr und den Angeboten der Industrie. Entscheidend für die Beschaffung der Ware sind letztlich Qualität und Preis.

Uniformen im LHD-Shop

In guter Gesellschaft: Die LHD hat zahllose Großkunden (Quelle: David Zwadlo)Größere Abbildung anzeigen

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Unternehmenstochter als zweites Standbein

Eine weitere Vorgabe an die LHBw ist der Aufbau eines Drittgeschäfts. Es soll verhindern, dass die Gesellschaft bei sinkenden Ausgaben der Bundeswehr in wirtschaftliche Schieflage gerät. Daher wird – ebenfalls im August 2002 – die 100-prozentige Tochtergesellschaft LH Dienstbekleidung (LHD) gegründet. Sie soll den lukrativen Markt für Firmen- und Sicherheitsbekleidung besetzen. Außerdem bietet sie Unteroffizieren und Offizieren der Bundeswehr besonders hochwertige Uniformen an. Diese „Selbsteinkleider“ bekommen dafür einen finanziellen Obolus vom Dienstherrn.

Die LHD ist erfolgreich, beliefert Kunden aus aller Welt, darunter Banken, Chemiekonzerne und Fluggesellschaften, Feuerwehren, Polizeien und die U.S. Army. Letztere hat die LHD mit ihrem „Token of Appreciation“ geehrt, einer Auszeichnung für außergewöhnliche Unterstützer. Ohne die „fleckgetarnte“ LHBw würde es die „schnieke“ LHD aber nicht geben – und Schneiderin Erna Rohrbach würde heute vielleicht Jeans kürzen oder Damenblusen ändern statt Uniformjacken umzunähen.

Bis 2014 läuft der Vertrag zwischen LHBw und Bundeswehr noch. Der Bund kann bis 2016 oder 2018 verlängern, doch spätestens dann muss er den Bekleidungsauftrag erneut öffentlich ausschreiben. LHBw und LHD wollen auch dann ihre Erfolgsgeschichte fortsetzen.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: David Zwadlo/Frank Bötel


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