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Die Tester: Versorger mit Spezialauftrag

Merzig, 18.10.2012.
Dass Logistiker die neue Kampfbekleidung von Schweden bis Südamerika erprobt haben, mag zunächst irritieren. Doch das Luftlandeunterstützungsbataillon 262 ist ein ganz spezieller Verband zur Versorung von Fallschirmjägern.

Mungo fährt aus dem CH-53
Auch über eine Sanitätskompanie verfügt das Merziger Bataillon (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Mandt)Größere Abbildung anzeigen

Es gehört zur Division Spezielle Operationen. Unmittelbar ist es für die Versorgung der Luftlandebrigade 26 in Übung und Einsatz verantwortlich. Die Soldatinnen und Soldaten des Bataillons reparieren die Fahrzeuge und Waffen der Brigade, halten eine sanitätsdienstliche Komponente bereit und bilden nicht zuletzt Rekruten aus.

Darüber hinaus hat das Bataillon die Aufgabe, ausgebildetes und einsatzbereites Personal für militärische Evakuierungsoperationen in Kompaniestärke bereitzuhalten – um beispielsweise Fallschirmjäger bei der Rettung von Zivilpersonen aus Bürgerkriegsgebieten logistisch zu unterstützen.

Die Hälfte des Personals für die unmittelbare Versorgung von Truppen im Evakuierungseinsatz kommt aus der 3. Kompanie. Chef der Einheit ist Hauptmann Christian Stahl. Im Falle einer Alarmierung ist er zugleich Führer aller Soldaten des Bataillons, die für die Operation in Marsch gesetzt werden. Ein großer Teil der Soldaten hat zudem die Fallschirmspringer-Ausbildung absolviert.

Die Heeres-Soldaten mit den blauen Litzen tragen nicht umsonst das bordeauxrote Barett mit dem stürzenden Adler und sind voll luftbeweglich: „Um mit der gesamten Kompanie auch via Lufttransport bewegt werden zu können, sind wir nur mit leichten Fahrzeugen ausgestattet. Mein größtes Fahrzeug ist ein Zwei-Tonner-Unimog“, erläutert Hauptmann Stahl.

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Mit die Ersten im Einsatzgebiet

Auf den ersten Blick ist die Kompanie wie jede andere Versorgungskompanie des Heeres auch strukturiert. Wenn man aber genauer hinschaut, fallen schnell Besonderheiten auf: Beispielsweise verfügt die Einheit über eigene Sanitätskräfte und über Kampfmittelbeseitiger, die Explosive-Ordnance-Device-Kräfte (EOD).

Weil viele Soldaten der Einheit für Evakuierungsoperationen in kurzfristiger Bereitschaft gehalten werden, ist für laufende Operationen kaum Personal frei. Ausnahme sind die immer wieder geforderten EOD-Männer: „Der Bedarf vor allem in Afghanistan ist hoch. Daher sind von meinen Kampfmittelbeseitigern immer einige im Einsatz“, sagt der Kompaniechef. Gerade Spezialisten wie sie erlauben der Einheit ein autarkes Agieren. Denn im Fall einer militärischen Evakuierungsoperation gehört die Versorgungseinheit des Evakuierungsverbands zu den Ersten, die im Einsatzgebiet ankommen.

„Wir müssen dann das Material entgegennehmen und für die nachfolgende Infanterie bereitstellen“, erklärt Stahl. So soll garantiert werden, dass es zu keinen zeitlichen Verzögerungen kommt, dass die Evakuierung von Schutzbefohlenen schnellstmöglich erfolgen kann. „Dass wir zu den Ersten gehören, die im Einsatzgebiet ankommen, bedeutet auch, dass wir uns zunächst selbst sichern müssen – in möglicherweise völlig unüberschaubaren Szenarien. Spätestens hier kommen dann Spezialisten wie die EOD-Kräfte ins Spiel“, erklärt der Chef.

Diese besondere Aufgabe erfordert eine vielseitige Ausbildung des Personals. Außerdem müssen die Soldaten, die für diesen Spezialauftrag bereitstehen, körperlich und geistig besonders fit sein und über aktuelle Schutzimpfungen verfügen.

Manche der Soldaten der 3. Kompanie haben sogar Führerscheine für Fahrzeugklassen in der Tasche, die gar nicht in der Einheit vorhanden sind. „Wenn beispielsweise Kettenfahrzeuge eines Evakuierungsverbands aus einer Antonow gefahren werden müssen, brauchen wir ganz einfach Soldaten, die mit den Fahrzeugen umgehen können und auch dürfen“, sagt Stahl.

Porträt von Andreas Büschenfeld
„Agieren, nicht reagieren“: Bataillonskommandeur Andreas Büschenfeld (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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In 72 Stunden ans Ende der Welt

Kommandeur des Luftlandeunterstützungsbataillons 262 ist Oberstleutnant Andreas Büschenfeld. Er führt den im saarländischen Merzig beheimateten Verband seit 2012. „Unsere Evakuierungskräfte sind in der Lage, innerhalb von 72 Stunden ans andere Ende der Welt zu gelangen“, erklärt er. Dafür sind die Evakuierungskräfte grundsätzlich mit zusätzlichen Material ausgestattet, um den zeitlichen Vorlauf zu reduzieren.

„Im Falle einer Alarmierung der Evakuierungskräfte werden die Einsatzkräfte auf einem Truppenübungsplatz zusammengezogen“, sagt er. Der Verband ist aber auch in der Lage, schnelle Anfangsoperationen logistisch zu unterstützen – etwa, wenn erstmalig ein Kontingent in einen längerfristigen Auslandseinsatz verlegt.

„Die meisten Verbände der Bundeswehr werden heute auf ihre Einsätze bezogen in den Fokus genommen. Unser Bataillon stellt zwar einzelne Soldaten für laufende Einsätze, bringt aber keine kompletten Einheiten für laufende Kontingente in den Einsatz. Durch die ständige Bereitschaft für militärische Evakuierungsoperationen haben wir aber eine einsatznahe Verpflichtung“, erklärt Büschenfeld.

Und als Logistiker leisten die Angehörigen des Verbands wichtige Vorarbeit: „Die Logistik schafft – vorab - die materiellen Voraussetzungen für einen erfolgreichen Einsatz. Daher müssen wir auch vorab planen und ausbilden. Damit wir agieren und nicht erst reagieren, wenn es darauf ankommt. Das ist die Philosophie des Verbands“, betont er.

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Aufgestellt als Jägerbataillon

Insgesamt setzt sich der Verband aus der zweiten Kompanie mit Umschlagstaffeln, Transportzügen, Umschlagstaffeln für Fallschirmgerät; einem Stab, der in der ersten Kompanie zu finden ist, und der Luftlandeversorgungskompanie, der „dritten“, zusammen.

Eine weitere Einheit ist die Luftlandesanitätskompanie. Sie ist für die medizinische Versorgung der gesamten Luftlandebrigade 26 verantwortlich. Diese vierte Kompanie besteht unter anderem aus einem sogenannten Luftlandebehandlungszug, der auch über eine luftbewegliche Rettungsstation verfügt. Das Bataillon führt seine heutige Bezeichnung seit 2002.

Zahlreiche Umgliederungen, die teilweise von Standortwechseln begleitet wurden, veränderten Auftrag und Struktur des Bataillons über Jahrzehnte. Aufgestellt wurde der Verband ursprünglich als Luftlandejägerbataillon 19 im oberallgäuischen Kempten am 15. Juli 1956.

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Stand vom: 04.02.13 | Autor: Steffen Maluche


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.einsaetze.kampfbekleidung_uebung_einsatz.die_tester