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Afghanistan: Gewalttätige Demonstration in Talokan (5. Aktualisierung)

Berlin/Talokan, 18.05.2011, Einstellzeit: 11.55 Uhr.
Am 18. Mai begann gegen 8 Uhr Ortszeit (5.30 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit, MESZ) eine gewaltsame Demonstration vor dem Provincial Advisory Team (PAT) Talokan in der Stadt Talokan. Das PAT ist eine Außenstelle des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus in der Provinz Takhar.


Karte von Afghanistan
Die deutschen Feldlager im Norden Afghanistans (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Circa 100 Menschen protestierten gegen eine in der letzten Nacht durchgeführte Operation in der Provinz Takhar, bei der vier Afghanen getötet worden sein sollen. An dieser Operation waren keine deutschen Kräfte beteiligt.

Polizisten der ANP versuchten zunächst mit Warnschüssen, die Demonstration aufzulösen. Gegen 9.50 Uhr Ortszeit (7.20 Uhr MESZ) bewegte sich die Demonstration aus dem direkten Umfeld des PAT in die Innenstadt. Im Laufe der Demonstration wurden dabei unter anderem auch Geschäfte und Autos im Nahbereich zerstört.

Gegen 11.20 Uhr Ortszeit (8.50 Uhr MESZ) gelang es Demonstranten erneut zum PAT vorzudringen. Beim Wurf von Handgranaten und Molotowcocktails durch die Demonstranten wurden insgesamt sechs Menschen verwundet. Dabei handelt es sich um zwei deutsche Soldaten, von denen einer mittel und einer leicht verwundet wurde, sowie um vier afghanische Wachmänner.

Der Zustand der Soldaten ist stabil und die erste medizinische Versorgung im PAT ist gewährleistet.

Stand: 11.30 Uhr

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1. Aktualisierung – Stand: 14.40 Uhr

Die Demonstration vor dem PAT richtete sich gegen eine Operation, die Kräfte der ISAF in der Nacht durchgeführt hatten. Bei dieser Operation ohne deutsche Beteiligung sollen vier Aufständische getötet worden sein.

Zur Sicherung des PAT waren afghanische Sicherheitskräfte vor Ort und aktiv beteiligt. Gegen angreifende Demonstranten wurden im Rahmen der Eskalation auch Schusswaffen eingesetzt. Dabei wurden vier angreifende Demonstranten getötet und zehn Demonstranten verletzt.

Talokan ist die zehntgrößte Stadt Afghanistans und Hauptstadt der Provinz Takhar. Sie hat rund 200.000 Einwohner. In Talokan ist eine Außenstelle des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus stationiert. 44 deutsche Soldaten sind in diesem sogenannten Provincial Advisory Team (PAT) eingesetzt.

Einstellzeit: 15 Uhr

Ansprechpartner für die Presse: Einsatzführungskommando der Bundeswehr

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2. Aktualisierung – Stand: 16.25 Uhr

Die Demonstration, bei der Läden und Fahrzeuge zerstört wurden, hatte ihren Ausgang in der Stadt. Die lokale Polizei führte bereits in dieser Phase Zugriffe durch und machte offenbar auch von Schusswaffen Gebrauch. Nach vorliegenden Meldungen wurden zehn Demonstranten getötet und 40 weitere Demonstranten verletzt. Diese Zahlen sind noch nicht bestätigt.

Das PAT wurde mit Handgranaten und Molotowcocktails angegriffen. Nach derzeit vorliegenden Meldungen wurden nicht – wie ursprünglich gemeldet – zwei, sondern drei deutsche Soldaten verwundet.

Die Verwundeten, zwei Leicht- und ein Mittelschwerverwundeter, werden im Rettungszentrum des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus medizinisch versorgt. Alle Verwundeten haben ihre Angehörigen selbst informiert.

Afghanische Sicherheitskräfte stellen derzeit den äußeren Ring um das PAT und sichern die Stadt Talokan.

Einstellzeit: 16.35 Uhr

Ansprechpartner für die Presse: Einsatzführungskommando der Bundeswehr

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3. Aktualisierung – Stand: 19. Mai, 18 Uhr

Die Nacht vom 18. auf den 19. Mai verlief ohne weitere Zwischenfälle.
Nach vorliegenden Meldungen hat am heutigen Tag die Demonstration im Stadtgebiet von Talokan erneut begonnen. Eine Eskalation kann nicht ausgeschlossen werden.
Die Demonstration richtet sich gegen das Polizeihauptquartier sowie den Sitz des Provinzgouverneurs. Das deutsche PAT ist bislang nicht betroffen. Afghanische Sicherheitskräfte sichern die Stadt Talokan ab.

Die am gestrigen Tag verwundeten deutschen Soldaten wurden im PRT Kundus medizinisch versorgt.
Sie befinden sich wieder bei ihren Einheiten oder werden voraussichtlich im Verlaufe des Tages die Sanitätseinrichtung verlassen können.

Beim gestrigen Angriff durch Demonstranten wurden nach bisherigem Sachstand zur Abwehr der Angriffe Warnschüsse durch deutsche Soldaten abgegeben.
Nach jetziger Erkenntnis wurden dabei auch gezielte Schüsse auf die Beine von Gewalttätern abgegeben.
Im Verlauf dieser Abwehrmaßnahmen wurden vermutlich 7 bis 10 Angreifer verletzt.
Es liegen keine Erkenntnisse vor, dass Angreifer durch Schüsse deutscher Soldaten getötet worden sind.

Einstellzeit: 18.30 Uhr

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4. Aktualisierung – Stand: 20. Mai, 9 Uhr

Die Lage in der Stadt Talokan hat sich nach dem Aufruhr am 18. und 19. Mai mittlerweile beruhigt. Ziel der gestrigen Unruhen waren ausschließlich afghanische Regierungseinrichtungen. Von afghanischer Seite wurde die Einschätzung geäußert, dass die Unruhen von langer Hand geplant waren und die ISAF-Operationen am 17. Mai lediglich der willkommene Anlass für die Umsetzung der Aufruhrplanung war. Es ist nicht auszuschließen, dass es nach den heutigen Freitagsgebeten erneut zu Unruhen kommt.

Seitens afghanischer Regierungsvertreter wurden keinerlei Vorwürfe gegen die deutschen Soldaten geäußert.

Der für die Nordregion Afghanistans zuständige Polizeichef, General Daud, befindet sich mittlerweile in Talokan, um dort in Gesprächen mit Ältesten, religiösen Führern und der lokalen politischen Führung eine Entspannung der Lage zu erreichen. Der Kommandeur des Regionalkommandos Nord, Generalmajor Kneip, hat in enger Abstimmung mit dem Kommandierenden General des 209. ANA Korps, General Wesa, Planungen und Maßnahmen zum Schutz des deutschen Lagers in Talokan vorgenommen. ISAF ist darüber hinaus darauf eingestellt, die Vermittlungsbemühungen von General Daud zu unterstützen.

Die Untersuchung von deutscher Seite zu den Schüssen auf afghanische Personen am 17. Mai dauert an, wurde aber durch die gestrige zeitweise angespannte Sicherheitslage verzögert. Bislang ergaben sich keine neuen Erkenntnisse. Ein Ermittlungsteam des ISAF Joint Command ist von Generalmajor Kneip angefordert worden und hat ihre Arbeit aufgenommen. Daneben befindet sich eine Kommission, die durch den afghanischen Staatspräsidenten eingesetzt wurde, zurzeit in Talokan, um sich
ihrerseits ebenfalls ein Bild von den Vorkommnissen dort zu verschaffen.

Einstellzeit: 9.30 Uhr

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5. Aktualisierung - Stand: 20. Mai, 11.30 Uhr

Der Gouverneur der Provinz TAKHAR hat seinen Besuch im PAT angekündigt.
Die Anhörung der DEU Soldaten wurde nach Lageberuhigung gestern Abend bis heute Morgen fortgesetzt und erbrachte folgende erste Erkenntnisse:

Die Selbstverteidigungslage ist unstrittig. Alle Soldaten waren innerhalb des PAT eingesetzt.
Seitens der Deutsche Soldaten wurden die Eskalationsstufen eingehalten: Warnungen, auch durch Handzeichen, Warnschüsse steil in die Luft (in die Baumwipfel und ins Mauerwerk), gezielte Schüsse auf weiterhin gewalttätige Demonstranten im Schwerpunkt auf den Beinbereich. In drei, gegebenenfalls vier Fällen (abschließende Klärung steht aus) wurden Schüsse auf gewalttätige Angreifer (Handgranaten, Molotowcoctails) in den Rumpfbereich, beziehungsweise Arme und Hände abgegeben. In einem Fall ist nach derzeitiger Erkenntnis ein Treffer im Hals-Kopfbereich nicht auszuschließen.

Bei den deutschen Einsatzkräften wurde ein Soldat mittelschwer verwundetet, zwei Soldaten erlitten leichte Verwundungen. Darüber hinaus wurden fünf afghanische Wachen verwundet. Alle Verwundeten sind stabil.

Eine erneute Lageverschärfung nach dem Freitagsgebet ist möglich, eine unmittelbare Gefährdung des PAT ist derzeit nicht gegeben.

Weitere Untersuchungen des Vorfalls erfolgt durch das ISAF Initial Assessment Team und eine von Präsident Karzai eingesetzte Kommission.

Der Generalbundesanwalt wurde durch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr informiert.

Einstellzeit: 11.45 Uhr

Ansprechpartner für die Presse: Einsatzführungskommando der Bundeswehr

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Stand vom: 20.01.12 | Autor: Presse- und Informationsstab BMVg

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