General Drews im Interview: KFOR für Eventualitäten gerüstet
Pristina, 04.05.2012.
Die NATO hat ihr Engagement in der Krisenregion an der serbisch-kosovarischen Grenze verstärkt. Der deutsche KFOR-Befehlshaber Generalmajor Erhard Drews über die Verlegung der Operational Reserve Force (ORF) ins Kosovo.

Zumindest für Außenstehende sehr kurzfristig, haben Sie den erneuten Einsatz des deutsch-österreichischen ORF-Bataillons beantragt. Was hat Sie dazu bewogen?
Die aktuelle Entwicklung im Kosovo und meine Analyse der Lage haben dazu geführt, das ORF-Bataillon bei der NATO anzufordern, um so möglichen Änderungen der Sicherheitslage vor dem Hintergrund derzeit erhöhter Spannungen im Kosovo geeignet begegnen zu können. Der Einsatz des ORF-Bataillons ist Teil umsichtiger Planung.
Welche Aufgaben soll das ORF-Bataillon konkret übernehmen?
Das ORF-Bataillon steht mir direkt als operative Reserve zur Verfügung und gibt mir mehr Handlungsspielraum bei der Erfüllung unseres Auftrags, für ein sicheres Umfeld zu sorgen. Die konkreten Planungen besprechen wir nicht öffentlich.
Rechnen Sie dabei mit ähnlich schweren Auseinandersetzungen wie beim Räumen von Straßensperren im November?
Es gibt eine Reihe möglicher Szenarien. Die Lage entwickelt sich täglich neu, da einzelne Geschehnisse im Kosovo schnell zu Reaktionen und Gegenreaktionen führen können, die auch Gewaltakte auslösen könnten. Mit dem ORF-Bataillon als zusätzliche Reserve ist KFOR für Eventualitäten gerüstet.
Wie setzt sich das Bataillon zusammen?
Es besteht aus 550 deutschen und 150 österreichschen Soldatinnen und Soldaten. Sie waren bereits von Dezember 2011 bis März 2012 als ORF-Bataillon im Kosovo im Einsatz. Den Kameradinnen und Kameraden blieb also leider nur wenig Zeit, die sie mit ihren Familien zu Hause verbringen konnten.
Wie lange wird das Bataillon voraussichtlich im Einsatz bleiben?
Der Einsatz des Bataillons richtet sich nach der Lageentwicklung. Es ist also nicht genau abzusehen, wie lange das Bataillon im Kosovo bleiben wird. Ich hoffe jedoch, dass die Kameradinnen und Kameraden so früh wie möglich wieder nach Hause können.
Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit der Rechtsstaatlichkeitsmission der Europäischen Union (EULEX)?
Wir haben gute Beziehungen zu EULEX und tauschen uns auf allen Ebenen regelmäßig aus.


