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Flieger sprechen Englisch

München, 03.05.2012.
Mancher kennt vielleicht diesen Witz: Ein englischer Frachter gerät vor der deutschen Küste in Seenot und sendet via Funk: „We are sinking! We are sinking!“ Worauf die deutsche Küstenwache antwortet: „This is German Coast Guard. What are you thinking about?” Damit genau das nicht im Flugbetrieb passiert, müssen alle Pilotenanwärter den achtwöchigen US Qualification Course an der Offizierschule der Luftwaffe durchlaufen und bestehen.

Collage: Buch-Icon und Soldaten mit Unterrichtsmaterial am Tisch
Sprachausbildung in der Gruppe (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Modes)Größere Abbildung anzeigen

So hieß es also auch für mich: acht Wochen Schulbank drücken. Motivation wird auch durch die Tatsache geschaffen, dass dieser Lehrgang Voraussetzung für den sogenannten Academics ist, ab welchem ich dann offiziell während der gesamten Dienstzeit und nicht nur während eines Lehrgangs die Fliegerkombi tragen darf.

Zu diesem Lehrgang muss man schon gute Englischkenntnisse mitbringen. Ein 3332-SLP (Standardisiertes Leistungsprofil für Fremdsprachen in Hören, Sprechen, Lesen und Schreiben) ist Pflicht. Auf diesem Basiswissen konnte ich gut aufbauen. Durch einen auf die weitere Ausbildung abgestimmten Unterricht vermittelte mir eine amerikanische Sprachlehrerin viele neue flugspezifische Fachbegriffe. Es wurden insgesamt 15 Themen behandelt: unter anderem die Klassifikation von Luftfahrzeugen, die Systeme im Flugzeug, aber auch die Entstehung von Auftrieb und das Verhalten nach einem Absturz.

Ich durfte mich aber nicht nur von der Lehrerin mit neuen sprachlichen Wendungen berieseln lassen. Stattdessen musste ich auch Vorträge zu frei wählbaren oder vorgegebenen Themen vorbereiten und vor der Gruppe halten. Die neuen Vokabeln eines jeden Themas standen auch täglich auf der To-do-Liste. Außerdem wurden in regelmäßigen Abständen kurze Tests zum jeweils aktuellen Thema geschrieben. Das war zwar etwas lästig, aber im Nachhinein eine gute Vorbereitung auf die Abschlussprüfung.

Apropos Abschlussprüfung: Diese teilt sich in eine Hören-, Lesen- und eine mündliche Prüfung. Die ersten beiden dürften jedem bekannt vorkommen, der schon mal einen SLP-Test gemacht hat. Abweichungen gibt es nur in Anzahl und Themen der Fragen, denn diese haben hauptsächlich einen fliegerischen Hintergrund.

Die mündliche Prüfung war die, die mich am meisten beschäftigt hat. Hier wird ein kurzer englischer Vortrag zu einem Thema des Unterrichts gefordert. Das bedeutet, ich musste zu jedem Thema einen Vortrag vorbereiten. Danach wurde ich mit Fragen aus der allgemeinen Luftfahrt gelöchert. Hierbei steht natürlich weniger das Wissen als vielmehr der Umgang mit der Sprache im Vordergrund. Zur Vorbereitung haben wir uns jeden Tag nach dem Unterricht in kleinen Gruppen zusammengesetzt und uns gegenseitig diese „Speeches“ gehalten. Auch dies war eine gute Vorbereitung.

Mit Bestehen aller Prüfungen erhält man nicht nur die Voraussetzung für den Academics sondern auch einen Sprachlevel der ICAO (International Civil Aviation Organization), der seit Kurzem für alle Piloten notwendig ist, die sich in einem internationalen Luftraum bewegen. Mit einem Level 4 oder 5 muss man in drei beziehungsweise sechs Jahren nochmal zur Prüfung. Schafft man einen Level 6, dann muss man gar nicht mehr zu Prüfung, weil man als „native Speaker“ eingestuft wird.

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Stand vom: 03.05.12


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