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Im Interview: Das neue Gesicht der ISAF

Kabul, 23.07.2012, Bundeswehr aktuell.
Brigadegeneral Günter Katz hat Ende Juni die Funktion eines Sprechers im ISAF-Hauptquartier in der afghanischen Hauptstadt Kabul übernommen. Insgesamt gibt es bei ISAF drei Generale, die für die Kommunikation mit den Medien zuständig sind. Mit Katz sprach die Zeitung Bundeswehr aktuell.

Katz am Rednerpult
Günter Katz spricht für die ISAF, nicht für die Bundeswehr (Quelle: ISAF)Größere Abbildung anzeigen

Herr General, wie lief es bisher für Sie? Welche Ereignisse konnten beziehungsweise mussten Sie bereits vermelden?

Während der ersten Tage im ISAF-Hauptquartier lag mein Hauptaugenmerk darauf, mich mit den vielfältigen Themengebieten intensiv vertraut zu machen. Darüber hinaus galt es, noch vor meiner ersten Pressekonferenz möglichst viele nationale und internationale Journalisten kennenzulernen. Bereits nach kurzer Zeit, viel früher als eigentlich vorgesehen, musste ich live vor die Kamera treten, um Hintergründe zu dem tragischen Tod dreier britischer Kameraden zu erläutern.

Sie haben die Funktion für ein Jahr übernommen. Welche Herausforderungen dürften Sie in diesem Zeitraum erwarten?

Eine der wesentlichen Herausforderungen wird es sein, nachvollziehbar zu kommunizieren, dass die internationale Gemeinschaft auch nach 2014 Afghanistan zur Seite stehen wird und das afghanische Volk in seinem Streben nach einer sicheren und hoffnungsvolleren Zukunft nicht alleine gelassen wird.

Als Sprecher ISAF sollen Sie für 130.000 Soldaten verschiedener Nationen sprechen. Wie funktioniert diese Mammutaufgabe im Dienstalltag und was gilt es dabei zu beachten?

Als Sprecher der ISAF vertrete ich gegenüber der Presse ausschließlich die Position des Hauptquartiers hier in Kabul. Entscheidungen, die in einer der 50 an ISAF beteiligten Nationen fallen, bewerte ich nicht, da die ISAF nationale Entscheidungen stets respektiert. Auch wenn ich die deutsche Uniform trage, überlasse ich Presseanfragen zu rein deutschen Themen meinen Kollegen und Kameraden in Berlin und Potsdam.

Wie muss man sich Ihren Dienstalltag vorstellen. Sind Sie häufig im Land unterwegs, um beispielsweise den ISAF-Oberbefehlshaber (COM ISAF) zu begleiten oder eher im Hauptquartier selbst tätig?

Mein Schwerpunkt liegt eindeutig in der eigentlichen Medienarbeit, also der Durchführung von Pressekonferenzen und Hintergrundgesprächen sowie Fernseh- und Radiointerviews. Letztere erfolgen zum Teil im Hauptquartier, häufig jedoch bei den Medienanstalten selbst. Den COM ISAF begleite ich gelegentlich bei seinen Reisen in die verschiedenen Regionen des Landes.

Sie sind bereits der dritte deutsche Sprecher der ISAF in Folge. Ist dies gewollt, oder woher kommt diese Kontinuität?

Die Nationen zeigen der NATO jährlich an, welche ISAF-Dienstposten sie besetzen möchten. Die NATO harmonisiert daraufhin, auch mit Blick auf die Gesamtzahl der eingesetzten Soldaten einer Nation, die Besetzung der Generalsdienstposten. Bevor ein Offizier Sprecher der ISAF wird, muss er allerdings verständlicherweise im Vorfeld vom COM ISAF im Rahmen eines Vorstellungsgesprächs akzeptiert werden.

Katz sitzt Allen am Tisch gegenüber
Die Chemie muss stimmen: Katz und ISAF-Kommandeur Allen (Quelle: ISAF)Größere Abbildung anzeigen

Ihr Tagesgeschäft bei ISAF unterscheidet sich grundlegend vom Dienstalltag in Deutschland. Was können Sie dennoch aus Ihrer Zeit als Sprecher Luftwaffe im Verteidigungsministerium für Ihre jetzige Verwendung mitnehmen?

Bereits nach kurzer Zeit wurde mir deutlich, wie wertvoll meine Erfahrungen als Sprecher Luftwaffe für meinen Einsatz im ISAF-Hauptquartier sind. Die unterschiedlichen Interviewsituationen vor Kameras und Mikrofonen sind mir durchaus vertraut. Eine neue Erfahrung war für mich, dass einige Sender bei einem Interview Skype als Übertragungstechnik nutzen. Der hieraus entstehende Qualitätsverlust bei der Übertragung wird dabei oftmals zugunsten des Zeitgewinns in Kauf genommen.

Der Übergabeprozess an die afghanischen Sicherheitskräfte hat im vergangenen Jahr begonnen, die an der ISAF beteiligten Nationen treffen bereits Vorbereitungen für den Abzug ihrer Kampftruppen. Wie ist hier der Stand der Dinge und wird das Jahr 2014 zu halten sein?

Die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte (Afghan National Security Forces, ANSF) verläuft gut. 75 Prozent der Afghanen und etwa zwei Drittel der Landesfläche werden bereits heute überwiegend durch Afghanen vor den Aufständischen geschützt. Dies ist vor allem der hohen Qualität, welche die ANSF erreicht haben, zu verdanken.

Sehr viele Einsätze werden bereits heute von den afghanischen Sicherheitskräften geplant und hauptverantwortlich ausgeführt. Die ISAF-Soldaten nehmen daher immer häufiger in erster Linie eine beratende Rolle ein. Aus Sicht der ISAF gibt es keinen Zweifel, dass die komplette Übergabe der Sicherheitsverantwortung bis Ende 2014 sichergestellt werden kann.

Und was ist nach 2014?

Wie zuletzt auf dem NATO-Gipfel in Chicago deutlich unterstrichen wurde, werden auch nach 2014 Soldaten der internationalen Gemeinschaft in Afghanistan stationiert sein. Diese werden die Aufgabe haben, die ANSF in einzelnen Teilbereichen, wie möglicherweise Logistik oder medizinische Notfallversorgung, zu unterstützen.

Wie viele ausländische Soldaten noch in Afghanistan bleiben und welche konkreten unterstützenden Fähigkeiten nach 2014 gebraucht werden, muss aber noch entschieden werden. Fest steht: Die internationale Gemeinschaft wird Afghanistan auf seinem Weg in eine sichere Zukunft auch weiterhin unterstützen.

Wann wurden Sie darüber informiert, dass Sie als Sprecher der ISAF ins Hauptquartier nach Kabul gehen sollen, und wie haben Sie sich auf den Einsatz vorbereitet?

Ich wurde rund sieben Monate vor Beginn meines Einsatzes über die anstehende Verwendung informiert. Meine Ausbildung beinhaltete neben der obligatorischen infanteristischen und interkulturellen Einsatzvorbereitung Schulungen zum Thema Pressearbeit, intensive Einweisungen in mehreren Hauptquartieren der NATO sowie ein Seminar im ISAF-Hauptquartier in Kabul selbst, in dem ich bereits viel über das Hauptquartier und die dort geleistete Arbeit gelernt habe. Ergänzend habe ich noch einen Lehrgang in der afghanischen Landessprache Dari absolviert.

Sie sind verheiratet und Vater zweier Kinder. Wie gehen Sie und Ihre Familie damit um, für zwölf Monate getrennt zu sein und Sie in einem gefährlichen Einsatz zu wissen?

Ein Jahr ist zunächst einmal ein recht langer Zeitraum. Sowohl meine Frau als auch meine beiden Söhne geben mir jedoch den Rückhalt, der für solch einen Einsatz sicherlich von großer Bedeutung ist. Die Trennung wird insbesondere für meine Frau dadurch abgemildert, dass sie beruflich engagiert ist und hierdurch auch ihre Tage ausgefüllt sind.

Eine besondere Erleichterung stellen die heutigen Kommunikationsmöglichkeiten dar. Wir können uns, dank der im Einsatz zur Verfügung stehenden Technik, fast jeden Tag sehen oder miteinander sprechen.

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Stand vom: 23.07.12 | Autor: Frank Pflüger/Marthin Föst/Karen Haak


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