Afghanistan: Schrauben rund um die Uhr
Masar-i Sharif, 04.07.2012, aktuell.
Die Instandsetzer vom Camp Marmal warten alles, was Ketten oder Räder hat beziehungsweise nach Technik aussieht.

Wie jedes ISAF-Einsatzkontingent ist auch das deutsche in Afghanistan hoch technisiert. Ohne die modernen Rad- und Kettenfahrzeuge aller Art, ohne Flugzeuge und Hubschrauber, ohne sicher funktionierende Waffen und Elektronik wäre ein derartiger Einsatz wohl kaum vorstellbar.
Je moderner die Waffensysteme sind, desto effizienter ist ihr Einsatz und die Bedienung funktioneller. Ohne regelmäßige und fachkundige Pflege und Instandsetzung bleibt jedoch auch das beste Fahrzeug irgendwann mal liegen und die modernste Waffe versagt genau dann, wenn man sie am nötigsten braucht.
Im Afghanistan-Einsatz kann solch ein Versagen schnell zum Albtraum werden. Um dies zu verhindern, arbeiten die Frauen und Männer der Instandsetzung von früh bis spät – wenn es sein muss, auch rund um die Uhr. Bei der so genannten „Inst-Meile“ im Camp Marmal in Masar-i Sharif sind zwei Instandsetzungszüge eingesetzt.
Sie sind für die Fahrzeuginstandsetzung und die Wartung von etwa Waffen, Klimageräten, optischen Geräten oder Stromerzeugern zuständig. Sogar über eine Sattlerei verfügen die Instandsetzer.
Spezialisten bei den Waffenmechaniker
In der Halle der Waffenmechaniker stehen Spezialisten an einer Granatmaschinenwaffe, Kaliber 40 Millimeter. Sie prüfen die Waffe auf Herz und Nieren. „Wir schauen gerade, ob die Druckplatten der Gurtzuführung den richtigen Druck ausüben
“, erklärt Stabsunteroffizier Kai I.
In der geräumigen Halle wird überall geschraubt und zerlegt, gewartet und gepflegt. Während I. den Deckel der Granatmaschinenwaffe schließt, haben Kameraden von ihm schon die nächste Waffe „am Wickel“. Sie nehmen ein schweres 12,7-Millimeter-Maschinengewehr teilweise auseinander, überprüfen Abstände mit Hilfe von Lehren und checken den Abfeuerungszeitpunkt.
„Dieser Abfeuerungszeitpunkt muss stimmen, damit eine Patrone nicht zu früh zündet, wenn etwa der Verschluss noch nicht verriegelt ist. Wenn der Zeitpunkt nicht stimmt, kann das zu Unfällen und zum Versagen der Waffe führen
“, erklärt Stabsunteroffizier René F.
Doch nicht nur bei der Waffeninstandsetzung oder in der Sattlerei geht es rege zu. Viele der Hallen auf der „Inst-Meile“ sind voll mit Fahrzeugen aller Art, die repariert oder gewartet werden. Und auch vor den Wartungshallen sind überall Soldaten mit ihren Arbeiten beschäftigt.
Ein Transportpanzer Fuchs bekommt neue Reifen, ein paar Meter weiter bearbeitet ein Soldat den Innenraum eines Schützenpanzers Marder mit einem Hochdruckreiniger. „In den Innenraum ist Diesel gelaufen, als eine Leitung undicht wurde. Und der muss ausgewaschen werden
“, erklärt Stabsunteroffizier Jörg R.
Instandsetzungszuges besonders gefordert
Gerade, wenn Fahrzeuge der Einsatzkräfte – wie etwa der Marder – Schäden aufweisen, sind die Angehörigen des Instandsetzungszuges besonders gefordert. Lange Wartezeiten sind hierbei tabu. Den Soldaten ist bei ihrer Arbeit immer bewusst, dass die Kameraden, die beispielsweise draußen im Observation Point North bei Baghlan eingesetzt sind, besonders auf ihre gepanzerten Schwergewichte angewiesen sind. Denn dort ist einer der Brennpunkte des Einsatzes im Norden Afghanistans.

In den verschiedenen Arbeitsbereichen arbeiten besonders viele unterschiedlich spezialisierte Soldaten, die alle auf verschiedenen Systemen ausgebildet wurden. Und doch kann es sein, dass ein Leopard-Instandsetzer an einem Marder schraubt. Aber das ist kein Problem, denn „Kette ist Kette
“, sagt Stabsunteroffizier Pierre H.
Grundsätzlich sind er und seine Kameraden von 8 Uhr morgens bis 8 Uhr abends im Dienst. Wenn besondere Prüfungen oder spezielle Reparaturen anstehen, kann sich dieser Zeitraum freilich schnell ausdehnen.
Inst-Kommandos
Manchmal stellen die Soldaten auch Inst-Kommandos zusammen, die beispielsweise zu einer vorgeschobenen Operationsbasis fahren. Dann sind sie mehrere Tage oder gar Wochen unterwegs – und so kann es sein, dass sich während der Fahrten einige der Instandsetzungssoldaten sichernd am Maschinengewehr wiederfinden. Auch das gehört zum Einsatz. Denn die Instandsetzer sind eben nicht nur „Schrauber“, sondern in erster Linie Soldaten.



