Porträt: Attentätern auf der Spur
Masar-i Scharif, 18.07.2012.
„Weapons Intelligence Team Coordinator“ – die Aufgabe von Hauptmann Christian B. klingt etwas sperrig aber sehr geheimnisvoll. Im Kern trägt B. durch Ermittlungsarbeit dazu bei, die Truppe in Afghanistan besser gegen Sprengfallen zu schützen. Er ist erst der dritte deutsche Offizier, der diesen Dienstposten im Hauptquartier des Regionalkommandos Nord in Masar-i Scharif bekleidet.

Die Bedrohung der Truppe und der Zivilbevölkerung durch Sprengfallen – Improvised Explosive Devices (IED) – ist allgegenwärtig. Zwar wurde der Schutz der Einsatzfahrzeuge immer wieder verbessert und Ausrüstung und Ausbildung der Soldaten angepasst. Doch darauf reagieren auch die Bombenleger.
Wenn eine bestimmte Sprengstoffmenge zur Zerstörung eines Ziels nicht mehr ausreicht, vergrößern sie die Menge. Und um die Arbeit von Kampfmittelbeseitigern oder Rettungskräften zu verhindern, wird oftmals ein zweites IED verlegt, das erst zu einem späteren Zeitpunkt detoniert. Ein regelrechtes Wettrüsten zwischen ISAF und den Aufständischen ist seit Langem im Gange.
Eine mörderische Kreativität
„Ich bin immer wieder überrascht, mit welchen Arten von Sprengfallen und Zündmechanismen es die Truppe zu tun hat. Der Bau und die Art des Einsatzes sind nur durch die Phantasie des Bombenbauers begrenzt
“, erläutert B. „Gerade deshalb müssen wir auf jede Veränderung der Bedrohungslage schnell reagieren und unsere Erkenntnisse der Truppe schnellstens zur Verfügung stellen
“, beschreibt B. die Herausforderung.
„In meinem Job koordiniere ich die Ermittler-Teams. Nach Anschlägen untersuchen diese vor Ort die Taktiken der Aufständischen und die Bauweise der Sprengfallen. Sie sichern die Beweise. Dann fertigen die Teams einen ersten Bericht an
“, beschreibt B. die komplexe Aufgabe. „Mit allen Erkenntnissen füttern wir das sogenannte ‚IED-Gedächtnis‘, das für den gesamten ISAF-Einsatz geführt wird. Alle über IEDs gesammelten Erkenntnisse werden in dieser Datenbank zusammengefasst. So kann sich die Truppe jederzeit ein umfassendes Bild von der Bedrohungslage machen, kann sich besser auf Einsätze vorbereiten.“
Von Erfahrungen profitieren
Das Arbeitsaufkommen der Ermittler schwankt natürlich. „Wenn wir wenig zu tun haben, bedeutet das ganz einfach, dass das gut für die Truppe ist, weil weniger Anschläge passiert sind
“, sagt Christian B. Er ist dabei nicht nur Koordinator der Teams, sondern auch Bindeglied zwischen den Beweisketten. Er überwacht die Weitergabe von Daten oder Materialien ans Labor und bekommt die Auswertungen zurück.
Die Ermittler-Teams sind auch in der Lage, Empfehlungen für die Truppe und die militärische Führung zu geben. Umgekehrt hat das Regionalkommando Nord die Truppe aufgefordert, sich einzubringen.
„So können wir unmittelbar auf die Erfahrungen aus dem Truppenalltag in Afghanistan zurückgreifen. Ganz wichtig ist es dabei, der Truppe ein Feedback zu geben, was aus den eingereichten Vorschlägen geworden ist. Auch das ist ein Teil meiner Arbeit
“, betont Hauptmann Christian B.



