Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Weitere Themen > Kurs Karriere: Am Zentrum für Nachwuchsgewinnung

Kurs Karriere: Am Zentrum für Nachwuchsgewinnung

Wilhelmshaven, 06.06.2012.
Wer Zeit- oder Berufssoldat bei der Marine werden will, muss zum Zentrum für Nachwuchsgewinnung in Wilhelmshaven. Dort wartet ein dreitägiges Testverfahren auf die Bewerber – und der Besuch eines Kriegsschiffes.

Marinesoldat mit einer Gruppe Jugendlicher
Arbeitsplatz zum Anfassen: Die Bewerber auf der Brücke (Quelle: Bundeswehr/Eicker)Größere Abbildung anzeigen

Am Nachmittag dieses sonnigen und warmen Maitages reisen 15 Bewerber aus allen Teilen Deutschlands an. Unter ihnen ist auch der 20-jährige Christian Poppe. Der gelernte Industrie-Mechatroniker stammt aus Dresden.

Ich interessiere mich für eine Laufbahn als Bootsmann im technischen Bereich“, erklärt er. Nach einer kurzen Einweisung in die Unterkünfte setzt er sich mit seinen 14 Mitbewerbern in einen der vielen Räume des Zentrums für Nachwuchsgewinnung der Marine im Stützpunkt Heppenser Groden. Nicht weit entfernt vom Marinehafen und der Nordsee lauschen die jungen Frauen und Männer einem Begrüßungs- und Informationsvortrag. Im Anschluss füllen sie noch einen biografischen Fragebogen aus.

Abends sitzen Poppe und die anderen beisammen, tauschen sich über ihre Ziele aus. Schon um 22 Uhr ist allerdings Schluss. Dann geht es auf die Viererzimmer und Nachtruhe ist angesagt. Poppe ist froh; so kann er vor dem wichtigen Tag morgen ausruhen. „Wir sind alle ein bisschen aufgeregt. Morgen finden wichtige Tests statt“, sagt er.

nach oben

Früher Start, langer Tag

Der nächste Morgen beginnt um 5 Uhr in der Frühe. Der Tag wird lang. Schnell geht es noch zum Frühstück in die Truppenküche – in Reih’ und Glied und stramm marschiert. Dann fängt die ärztliche Untersuchung an: Urinprobe, Seh- und Hörtest sowie allgemeine Fitness. Hier wird die körperliche Eignung geprüft.

Mit der Urinprobe kann sich ein Hinweis auf verschiedene innere Erkrankungen ergeben, wie die Zuckerkrankheit oder Lebererkrankungen“, erklärt Helena Desch, seit acht Jahren Ärztin am Zentrum für Nachwuchsgewinnung. Gleichzeitig wird ein Drogentest auf Cannabis, Kokain oder Beruhigungsmittel veranlasst. Ein positiver Test schließt mindestens vorübergehend eine Einstellung aus. Ist dies der Fall, ist der Bewerber raus. Poppe ist gelassen, er hat nichts zu verbergen.

Es folgen der Seh- und Hörtest sowie ein Lungenfunktionstest. „Der Lungenfunktionstest ist gerade für Marinesoldaten sehr wichtig“, sagt Desch. An Bord eines Schiffes muss ein Soldat im Falle eines Brandes eine Atemschutzmaske tragen – womöglich auch über eine längere Zeit. Dazu muss er gut bei Puste sein.

Poppe hat keine Probleme. Auch Gewicht und Größe stimmen. Um borddiensttauglich zu sein, muss man mindestens 1,60 Meter und darf höchstens 1,96 Meter groß sein. Ein Gewicht von 50 Kilogramm ist die unterste Grenze für eine Tauglichkeit als Zeitsoldat. „Sonst kann es Probleme mit der Schutzweste geben, und das wäre sehr gefährlich“, erläutert die Ärztin. „Übergewicht oder Untergewicht können beispielsweise ein Ausschlusskriterium sein – natürlich auch mangelnde Fitness, starke Fehlsichtigkeit oder ein schlechter Zahnstatus.“

nach oben

Intelligenztest am Computer

Nach den Ärzten geht es zu den Psychologen: Der Computertest steht an. „Beim Computertest handelt es sich um eine Art Intelligenztest, bei dem die Fähigkeiten und Stärken des Kandidaten herausgefiltert werden“, erklärt die leitende Psychologin am Zentrum für Nachwuchsgewinnung, Susanne Bruns. „Bei den Tests geht es darum, herauszufinden, zu was man sich eignet und weniger, ob man sich überhaupt eignet.“ Allerdings müssen einige Grundparameter erfüllt werden.

Es werden technische, mathematische und sprachliche Fähigkeiten ermittelt. Gutes Deutsch ist notwendig. „Ein Soldat muss natürlich die Warnhinweise und Anweisungen auf einem Schiff lesen und auch verstehen können. Sonst kann das schnell sehr gefährlich werden“, erklärt Bruns Mitarbeiter Harald Griebel.

Interessiert sich ein Bewerber beispielsweise für eine Verwendung als Funker, wird Wert auf Englisch und eine gute Rechtschreibung gelegt. Je nach Verwendungswunsch wird der Test angepasst: Bei Poppe herrschen technische, mechanische und mathematische Fragen vor. „Ein Aspirant auf eine Stelle im kaufmännischen Bereich wird andere Schwerpunke im Test haben“, sagt Griebel. Die Testverfahren werden stetig angepasst und weiterentwickelt.

nach oben

Einblicke in eine Fregatte

Marinesoldat mit einer Gruppe Jugendlicher
Kein Seemannsgarn: Ein Marinesoldat spricht von seiner Arbeit (Quelle: Bundeswehr/Eicker)Größere Abbildung anzeigen

Auch Poppe sitzt konzentriert im Computertestraum. Die technischen und mechanischen Fragen fallen ihm leicht. Und auch der Reaktionstest, der Konzentration und Schnelligkeit abverlangt, gelingt ihm gut. Danach kann er sich auf den Besuch auf der Fregatte Augsburg freuen. Das Zentrum Nachwuchsgewinnung der Marine bietet jedem Bewerber die Möglichkeit, eine Fregatte von innen zu sehen.

So können die Bewerber einen Eindruck vom möglichen Arbeitsort bekommen. „Es ist uns sehr wichtig, dass unsere Bewerber einen Blick auf ihren künftigen Arbeitsplatz werfen können. Es ist etwas ganz anderes, ein Foto anzusehen oder die Arbeits- und Lebensbedingungen an Bord hautnah zu erleben“, erklärt Fregattenkapitän Kurt Felgenhauer, stellvertretender Leiter des Zentrums.

An Bord der Fregatte wartet bereits Kapitänleutnant Stefan Huber auf die neuen Bewerber. Er ist Marinesoldat mit Leib und Seele und sprüht vor Begeisterung für die Augsburg. Die Fregatte dient vor allen Dingen der U-Bootjagd und der Seezielbekämpfung. Poppe und seine Mitbewerber werden vom zweiten Funkmeister über und durch das Schiff geführt. Der plaudert immer wieder aus dem Nähkästchen und die Bewerber lauschen ihm gespannt – auf der Brücke, vor dem sogenannten Sea Sparrow, einem Geschütz für Luftzielbekämpfung, oder etwa in einer Zwölf-Mann-Kammer. Die Gänge sind eng, die Privatsphäre in der Koje umfasst kaum zwei Quadratmeter.

Davon lässt sich der junge Mechatroniker Poppe nicht abschrecken. Im Gegenteil: „Mich stört das alles nicht. Es ist einfach nur überwältigend auf dem Schiff“, sagt er. Für ihn steht fest: Er möchte nicht nur zur Marine, er möchte auch auf ein Schiff.

Kapitänleutnant Huber gibt den 15 Bewerbern zum Abschluss noch den Tipp: „Man braucht eine hohe Motivation und sollte leidensfähig sein. Die ersten vier Wochen an Bord waren bisher fast für jeden die Hölle. Dann macht es aber irgendwann klick und es fängt an, richtig Spaß zu machen.

nach oben

Sporttest und Vorstellungsgespräch

Am nächsten Morgen findet der Sporttest statt. Fast alle Teilnehmer haben Manschetten davor. Auch Poppe ist nervös: „Ich habe schon ein paar Bedenken“, sagt er mit einem schiefen Lächeln. Der Test besteht aus einem Pendellauf, Sit-Ups, Liegestützen, Standweitsprung und dem Fahrradergometer. „Wenn man sich vorbereitet, ist das eigentlich zu schaffen“, sagt der Prüfer, Stabsbootsmann Udo Mintken.

Die meisten schaffen die Prüfung ohne Probleme. Poppe springt locker aus dem Stand über die geforderten zwei Meter. Auch seine Anzahl an Sit-Ups und Liegestützen in einer Zeit von jeweils 40 Sekunden kann sich sehen lassen. Freudestrahlend erzählt er: „Ich habe alles solide geschafft.“

Jetzt folgt „nur“ noch das Vorstellungsgespräch. Danach weiß der Sachse, ob er genommen wird – oder nicht. Im Vorstellungsgespräch sitzen ein Prüfoffizier und ein Psychologe. „Wir achten darauf, wie die Bewerber auftreten, ob sie sich über ihren Arbeitgeber informiert haben und sich mit der angestrebten Stelle beschäftigt haben“, sagt die Psychologin Bruns.

Es werden um die zehn Prozent der Bewerber von vornherein abgelehnt. „Oftmals sind es mangelnde Qualifikationen und sprachliche Fähigkeiten oder nicht akzeptierbare Vorstrafen“, erklärt sie. Letztere sollte man auf alle Fälle auf den Tisch legen. Denn wenn das Verschweigen von Straftaten ans Licht kommt, werde das wie Betrug gewertet.

Hin und wieder sprechen die Psychologen auch einen auffälligen Kleidungsstil an. In der Regel sei das zwar für eine Einstellung nicht entscheidend, „doch wenn jemand in Gothic-Klamotten beim Vorstellungsgespräch erscheint, haken wir schon mal nach“, sagt Bruns mit einem breiten Lächeln.

Prüfling macht Sportübung in einer Sporthalle
Arbeit für die Bauchmuskeln: Sit-Ups in der Sportprüfung (Archivbild) (Quelle: Bundeswehr/Winges)Größere Abbildung anzeigen

nach oben

Alles geschafft

Poppe hatte in dieser Hinsicht nichts zu befürchten. Er kann lediglich mit einem auffälligen Piercing am Ohr aufwarten. Und entsprechend freut er sich am Ende des Testverfahrens: Er wurde angenommen. Mit einem Strahlen in den Augen kommt er aus dem Zimmer des Einplaners heraus.

Ich werde später als Obermaat in der Waffentechnik arbeiten.“ Sein größter Wunsch ist in Erfüllung gegangen. Er kommt in die Bootsmannslaufbahn mit Zusatzausbildung. Das erste Mal still gestanden wird am 2. Juli.

nach oben


Weitere Informationen

Weiterführende Links

Bundeswehr-Karriere

öffnet www.bundeswehr-karriere.de im neuen Fenster

FußFzeile

nach oben

Stand vom: 06.06.12 | Autor: Dr. Victoria Eicker


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.aktuelles.weitere_themen&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C8UXGLY413DIBR