Die Truppe erleben: Praktikum beim „Bund“
Berlin, 14.06.2012.
Praktika bei der Bundeswehr machen es möglich, unverbindlich die Truppe kennenzulernen. In Berlin beispielsweise bieten sich für einen zwei- bis dreiwöchigen Einblick in das Leben als Soldat die Feldjäger, das Wachbataillon oder der Sanitätsdienst an.

„Viele Bewerbungen für ein Praktikum bei der Bundeswehr sind einfach an die Bundeswehr Berlin oder gleich an Verteidigungsminister Thomas de Mazière gerichtet
“, erzählt der Kommandeur des Feldjägerbataillons 350 in Berlin, Oberstleutnant Holger Fritz Offenhausen mit einem Schmunzeln. Etliche davon landen dann allerdings auf seinem Schreibtisch.
Denn in Berlin gibt es für interessierte Schüler und Schülerinnen verschiedene Möglichkeiten, bei der Bundeswehr ein Praktikum zu absolvieren – unter anderem bei den Feldjägern, beim Wachbataillon oder im Sanitätsdienst der Bundeswehr. „Am besten ist es, wenn sich die Bewerber an die Dienstellen vor Ort wenden
“, sagt der Kommandeur der Feldjäger.
Insgesamt 70 Bewerbungen gingen bei den Feldjägern in diesem Jahr bis Mai ein. 200 bis 250 könnten es bis Ende des Jahres noch werden. Es sind vor allem Schüler der 9. und 11. Klasse, denen die Möglichkeit, ein Praktikum zu absolvieren, von der Schule eingeräumt wird. „Wir suchen uns natürlich die Besten heraus
“, sagt Oberstleutnant Offenhausen. Vier mal im Jahr bietet die Militärpolizei bis zu fünf Praktikumsplätze an – auch für Mädchen.
In der Regel sind von diesen fünf Praktikanten zwei bis drei angehende Abiturienten, der Rest wird die Realschule beenden. „Bei der Auswahl achten wir auf Schulnoten, Fehlzeiten, soziales Engagement und das schriftliche Bewerbungsanschreiben
“, sagt Hauptfeldwebel Madeleine Berndt, die mit der Betreuung der Praktikanten bei den Feldjägern betraut ist.
Um acht geht's los
Madlen P., gerade mal 15 Jahre alt, hat einen der begehrten Praktikumsplätze für Mai bekommen. „Ich wollte immer etwas mit Polizei machen. Die Feldjäger als Militärpolizei haben mich sehr angesprochen. Deshalb habe ich mich dafür beworben
“, sagt die Gesamtschülerin, die sich noch nicht entschieden hat, ob sie Abitur machen möchte.
Sie ist begeistert von ihrem ersten Tag. Drei Wochen wird sie nun bei den Feldjägern in der Julius-Leber-Kaserne verbringen. Um acht Uhr morgens heißt es die nächsten dreizehn Tage: „Antreten“. An ihrem ersten Tag wird sie nach der Begrüßung und Einweisung für das Praktikum erst einmal einen Kasernenrundgang machen. Zwischen 12 und 13 Uhr wird sie in der Truppenküche mit den Soldaten ein Mittagessen zu sich nehmen.
Danach hat sie noch eine Stunde Zeit, das Berichtsheft für die Schule zu schreiben oder beispielsweise einen Vortrag vorzubereiten – in dieser Zeit ist ihre Betreuerin Bernd stets ansprechbar für sie, auch um alle Eindrücke noch einmal Revue passieren zu lassen.

Viele Einblicke in die Militärpolizei
Die Feldjäger sind innerhalb der Bundeswehr unter anderem zuständig für den militärischen Ordnungs- und Verkehrsdienst, die Wahrnehmung von Sicherheitsaufgaben sowie Raum- und Objektschutz für sämtliche militärische Liegenschaften. Darüber hinaus führen sie Einsätze und Ermittlungen an Tatorten im In- und Ausland durch.
Die fünf Praktikanten bekommen während der drei Wochen Einblicke in einen Großteil dieser Tätigkeitsfelder. Auch Florian H. freut sich auf die vielen Stationen seines Praktikums. „Ich wollte schon immer zur Bundeswehr. Eigentlich möchte ich zu den Marineschutzkräften; bei den Feldjägern bekomme ich aber auch einen tollen Einblick
“, sagt der Realschüler enthusiastisch. Er ist von seinem ersten Tag restlos begeistert.
In den nächsten Tagen werden Madlen und Florian Näheres über den Eskortenzug der Feldjäger erfahren. Sie werden die Kompanie in Storkow besuchen und dort die Rauschgiftspürhundeteams sowie die Sprengstoffspürhundeteams kennen lernen, und sie werden einen kompletten Vormittag auf dem Feldjägerdienstkommando verbringen – das ist die Wache der Militärpolizei, in der alle Fäden zusammenlaufen.
Jeder Praktikant erhält zudem die Möglichkeit, einen Termin bei einem Wehrdienstberater wahrzunehmen. Dort können die jungen Schüler noch einmal alle Fragen stellen, die ihnen auf dem Herzen liegen – was sie in der Regel auch tun, denn die Termine dauern immer länger als veranschlagt.
Schießen ist tabu
Daneben werden den jungen Schülern auch die Handwaffen und die persönliche Ausrüstung eines Feldjägers sowie unterschiedliche Tätigkeitsfelder vorgestellt. Sie dürfen zudem einen Blick auf die Schießsimulatoren werfen. „Waffen dürfen sie sich anschauen, aber nicht berühren
“, sagt Hauptfeldwebel Berndt.
„Wir tragen eine große Verantwortung für die Jugendlichen und möchten ihnen einen umfassenden aber altersgerechten Einblick in das soldatische Leben geben
“, sagt Kommandeur Offenhausen. Dazu gehört auch, sie für die Gefahren und Besonderheiten des Soldatenberufes zu sensibilisieren. Der Soldatenberuf bedeutet auch das Tragen und den Umgang mit einer Waffe – und im äußersten Fall deren Gebrauch im Gefecht. „Das muss jeder wissen
“, sagt Hauptfeldwebel Madeleine Berndt.
Während des Praktikums nehmen die jungen Schüler auch am Sport teil. Ihnen werden Disziplinen des deutschen Sportabzeichens abgenommen. Jeder, der sich für die Bundeswehr interessiert, muss wissen, dass es sportliche Voraussetzungen für den Soldatenberuf gibt. „Viele Schüler gehen mit großem Respekt zum Sport
“, sagt Hauptfeldwebel Berndt. In der Regel sind die männlichen Schüler hier gelassener. „Bei meinem letzten Praktikantendurchgang war ein junger Mann dabei, der sämtliche Rekorde einer Disziplin des Bundeswehrfitnesstests gebrochen hat
“, erinnert sich Hauptfeldwebel Berndt.

Keine Zeit für Ärger
Das Feldjägerbataillon 350 in Berlin hat keine Nachwuchssorgen. Bis 2014 sind alle frei werdenden Plätze bereits eingeplant. Dennoch freut sich der Kommandeur über jeden interessierten und motivierten Schüler.
“.
„Wir möchten den Praktikanten hier die Option geben, sich den Beruf des Soldaten aus nächster Nähe anzuschauen, wobei die Feldjäger nur einen Teilausschnitt der Streitkräfte darstellen. Wenn einer begeistert nach den zwei bis drei Wochen eine Laufbahn bei der Bundeswehr anstrebt, freut uns das natürlich sehr
Allerdings sollte jeder Praktikant eine hohe Motivation und gute Qualitäten mitbringen. Unentschuldigte Fehlzeiten und Unpünktlichkeit werden nicht toleriert. „Wenn einer unentschuldigt zum Praktikum nicht erscheint, ist es sofort beendet. Für so etwas haben wir hier keine Zeit
“, sagt er.
Am Ende des Praktikums bekommt jeder Praktikant ein Zeugnis. In diesem spielen Kopfnoten wie Pünktlichkeit, Betragen und gutes Benehmen eine ebenso große Rolle wie die tägliche Mitarbeit und Motivation. „Wir beurteilen unsere Praktikanten; das Zeugnis muss dann wiederum in der Schule vorgelegt werden
“, sagt Hauptfeldwebel Berndt. Am Ende sind die meisten Jugendlichen mit ihrem Praktikum sehr zufrieden, versichert Hauptfeldwebel Berndt und beginnt mit ihren neuen Schützlingen den Kasernenrundgang.
Hinweis: Tag der offenen Tür
Wer nicht gleich ein Praktikum machen sondern einfach „nur gucken“ möchte: Am 16. Juni öffnet die Julius-Leber-Kaserne am Kurt Schumacher Damm 41 in Norden Berlins ihre Tore für die Bevölkerung. Auch die Feldjäger geben natürlich von 10 bis 17 Uhr Einblick in ihren militärischen Alltag. Bitte den Personalausweis mitbringen!

