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Dienst im Combat Outpost

Chahar Darreh, 15.03.2012.
Dieselgeruch liegt in der Luft. Soldaten legen ihre Schutzwesten an. Maschinengewehre und Granatmaschinenwaffen werden geladen. Ein typisches Bild an einem typischen Vormittag im Außenposten (Combat Outpost) im nordafghanischen Chahar Darreh.

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Der Outpost beim Distrikt-Hauptquartier der afghanischen Polizei beherbergt eine Infanteriekompanie und Unterstützungskräfte des Ausbildungsschutzbataillons Kundus. Sie machen sich fertig für einen erneuten Einsatz.

Soldat auf Patrouille
Bereit zum Abmarsch: Ein schwer bepackter Funker (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Leutnant Thomas O., Pioniermaschinen-Zugführer und Hauptfeldwebel Christoph W., Pioniermaschinen-Einsatzfeldwebel sowie Stabsunteroffizier Karsten S., Kraftfahrer und Hauptgefreiter Justin K. als Maschinengewehr-Schütze sind heute gemeinsam mit ihren Kameraden von der Infanterie unterwegs, um das Gelände für das Verlegen einer Brücke zu erkunden.

Das Bataillon will einen Flussübergang legen, um die Bewegungsfreiheit zu verbessern, da die Marschwege für schwere Fahrzeuge und auch für die Zivilbevölkerung in der Region sehr eingeschränkt sind. Zudem werden die Wege immer wieder von Aufständischen mit Sprengfallen gesperrt und müssen umständlich geräumt werden. Das kostet Zeit – und schränkt die Operationsfreiheit der Kampftruppen ein.

In mehreren Marschgruppen rollen die Soldaten „vom Hof“. Das heißt für die vierte Gruppe mit den Pionieren um Leutnant O. erst einmal warten. Die Soldaten nehmen es zunächst gelassen. Seit zehn Uhr sind die Männer nun schon einsatzbereit auf ihren „Böcken“. Nach der ersten Stunde Wartezeit werden die ersten dann doch unruhig.

„Die Männer sind das stundenlange Warten einfach nicht gewohnt“, sagt der Leutnant. „Ich muss immer wieder auf meine Soldaten eingehen und ihnen das Gesamtbild vermitteln, ihnen sagen, warum es noch nicht losgeht“, erklärt er und meint, nicht ohne Stolz: „Wenn es dann aber mal losgeht, sind sie hundertprozentig bei der Sache. Sie sind eben Macher.“ Nach fast vier Stunden rollt dann der Konvoi aus dem Lager. Der Weg ist nicht lang.

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„Fünf-Fünfundzwanzig“ gegen Sprengfallen

Die Fahrzeuge halten auf einer freien Fläche in der Nähe von Nowabad, formieren sich zu einer Wagenburg. Einzelne Soldaten steigen aus den Fahrzeugen. Sie überprüfen das Terrain zunächst im Umkreis von fünf Metern auf Sprengfallen. Sie suchen den Boden ab, achten dabei auf Drähte, auf Unregelmäßigkeiten im Boden.

Dann steigen auch die anderen Soldaten aus und überprüfen gemeinsam einen Radius von 25 Metern. Der MG-Schütze bleibt derweil an Bord und klemmt sich an die Richtoptik seiner Waffenanlage. Arbeiten und Sichern gehen immer einher beim „Fünf-Fünfundzwanzig“.

Soldaten mit Metalldetektoren
Nervensache: Die Suche nach Sprengfallen im Boden (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Leutnant O. und sein Hauptfeldwebel treffen sich zusammen mit anderen verantwortlichen Offizieren und Unteroffizieren beim Infanterie-Zugführer. Er weist die „Neuankömmlinge“ in die Lage ein. Jetzt erklärt sich auch, warum die Pioniermaschinen-Leute mit ihren Kameraden so lange im Außenposten warten mussten, bis das Startsignal kam.

Die Infanteristen – als erste im Einsatzraum angekommen – sicherten zunächst die Umgebung, während andere Soldaten die Wege nach versteckten Sprengfallen untersuchten. Und das dauerte seine Zeit. Ist den Soldaten etwas nicht geheuer, prüfen sie nahezu jeden verdächtigen Grashalm. Zu Recht, denn schon viel zu oft forderten die sogenannten Improvised Explosive Devices (IED) ihre Opfer.

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Schwer bepackt auf Patrouille

Zu Fuß – und gemeinsam mit einigen afghanischen Polizisten – bewegen sich die Soldaten weiter in Richtung Nowabad. Die Aufklärungs-Patrouille formiert sich, in der Mitte fahren einige Transportpanzer. Auch ein Beweglicher Arzttrupp (BAT) rollt mit. Die Panzerfahrzeuge dienen auch als Deckung für die Infanteristen und Pioniere, falls Aufständische das Feuer eröffnen.

Damit rechnen wird wohl insgeheim jeder der Soldaten. Aufmerksam beobachten sie die Umgebung, machen kurze Halte, spähen hinter Lehmmauern. Kaum jemand spricht miteinander. Ganz vorne sind wieder die Kampfmittelräumer, die mit ihren Sonden den Boden absuchen. Daher geht es auch jetzt wieder nur sehr langsam voran. Nur wenige Einwohner lassen sich blicken. Die Zivilisten, die die Soldaten passieren, halten Abstand. An einer Straße dann müssen einige Fahrzeuge gestoppt werden – bis die Kreuzung von den Kampfmittelräumern freigegeben wird.

Die Soldaten sind wie bei jedem Einsatz schwer bepackt. Neben ihren Waffen, Helmen und Schutzwesten schleppen sie Munition, Handgranaten und weitere Ausrüstung. Einige der Männer kommen langsam ins Schwitzen, obschon die Temperatur gerade einmal bei 10 Grad Celsius liegt. „Der Sommer kommt erst noch“, schmunzelt Hauptfeldwebel Charly H., der Infanterie-Zugführer. Überhaupt ist von schlechter Stimmung keine Spur bei den Soldaten – trotz aller Anspannung.

Prüfender Blick über eine Lehmmauer
Deutsche Soldaten und afghanische Polizisten gemeinsam auf Patrouille (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Wasser aus der Zisterne

Schlussendlich erreicht die Patrouillen-Spitze einen Polizeiposten am Fluss, nachdem sie den Ort durchquert haben. Auch Leutnant O. und Hauptfeldwebel W. sind nun am Ziel angekommen. Sie nehmen die Bodenbeschaffung in Augenschein, schießen einige Fotos mit der Digitalkamera. Sie schätzen ab, wie und mit welchem Gerät gearbeitet werden kann. Sie müssen einschätzen, welche Fahrzeuge zum Einsatz kommen können.

Derweil haben die Infanteristen und die Männer mit den Spürsonden ein wenig Ruhe. Sie sichern zwar ständig nach allen Seiten, für einen Hartkeks aus der Verpflegungsration oder für eine Zigarette ist dennoch Zeit. Dann machen sich die Soldaten wieder auf den Weg zu den Fahrzeugen. Die Wagen stehen schon in Marschformation bereit. Noch eine kurze Fahrt zurück zum Outpost, dann ist Nachbereitung angesagt.

Die militärischen Führer treffen sich im Gefechtsstand zur Besprechung, Maschinengewehr-Schützen überprüfen ihre Waffen, einzelne Männer schwingen schon den Kochlöffel in der Küche. Die Soldaten freuen sich auf eine Dusche, auf frische Wäsche, so sie noch welche haben. Zwar wechseln die Kompanien, die im Posten eingesetzt sind, alle zwei Wochen. Doch sind die Vorräte begrenzt, und nicht jeden Tag kommt der Versorgungskonvoi des Ausbildungsschutzbataillons aus dem Feldlager Kundus.

Für ausreichend Frischwasser jedoch ist gesorgt. Eine Zisterne mit einem modernen Aufbereitungssystem stellt die Versorgung sicher. Feldwebel Michael Z. von der ABC-Abwehr-Truppe erklärt: „18 Kubikmeter Wasser fasst das System. Für die Wassergewinnung nutzen wir einen Tiefbrunnen, der bei den Afghanen nebenan steht.“

Soldat am Maschinengewehr
Nachbereitung: Ein Maschinengewehrschütze an seiner Waffe (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Die Dämmerung bricht herein und manch einer fragt sich schon jetzt, wie es morgen weitergehen wird.

Die Fortsetzung der Reportage folgt am 16. März.

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Stand vom: 19.03.12 | Autor: Steffen Maluche


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