Sie sind hier: Startseite > Aktuelles > Weitere Themen > Schwarz-Rot-Gold in unterschiedlicher Form

Schwarz-Rot-Gold in unterschiedlicher Form

Berlin, 04.07.2012, aktuell.
„Schwarz-Rot-Gold“ wohin man sieht – jedenfalls war dies in Deutschland so während der Fußball-EM. Aber auch vor Bundesdienststellen, vor Kasernen und auf Schiffen der Marine sieht man diese Farben. „Schwarz-Rot-Gold“ ist jedoch nicht immer gleich.

Fußballfan im Deutschland-Outfit
Schwarz-Rot-Gold bis in die Ohrspitzen: Deutsche Fußballfans während der EM (Quelle: dpa/Jensen)Größere Abbildung anzeigen

So ist es an Autos meist nur die Flagge mit den Querstreifen, unsere Nationalflagge. Vor Bundesdienststellen und auf den Marineschiffen ist es hingegen die Bundesdienstflagge mit dem „gefiederten“ Adler, dem Bundesschild.

Eine weitere Form stellt das Wappen mit dem „strengen“ Adler dar, das sogenannte Bundes- oder Staatswappen, das es als Flagge eigentlich aber nicht gibt. Die Nutzung der Flaggen mit dem „gefiederten“ Adler im privaten Bereich ist im Prinzip verboten, sie wird aber geduldet.

nach oben

Bei der Marine ist alles anders

Doch halt – aufmerksamen Besuchern der Marinestützpunkte und Betrachtern der Bundeswehr-Schiffe in Auslandshäfen fällt auf: Einige Schiffe haben Flaggen mit einer geraden hinteren Kante, andere mit einem winkelartigen oder gezackten Einschnitt. Wer soll das verstehen? Ist bei der Marine denn alles anders?

Ja, so ist es – und das seit 1956, als Vizeadmiral Friedrich Ruge, der damalige und erste Inspekteur der Bundesmarine, dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss vorschlug, die Flagge der Seestreitkräfte so ähnlich zu gestalten wie die Marineflaggen der skandinavischen NATO-Partner Dänemark und Norwegen – also mit dem winkelartigen Einschnitt der hinteren Kante: Marinedeutsch im „Liek“.

Deutschlandflagge, davor stehen Marinesoldaten
Bei der Marine ist alles anders: Die Flagge der Seestreitkräfte als Doppelstander (Quelle: dpa/Gambarini)Größere Abbildung anzeigen

Die Marine nennt diese Flaggenform „Doppelstander“. Schiffe mit dieser Dienstflagge der Seestreitkräfte der Marine haben eine militärische Besatzung. Die Schiffe mit der Bundesdienstflagge sind hingegen zivil besetzt. Dabei handelt es sich um Tross-Schiffe zur Unterstützung der Flotte, beispielsweise als Tanker oder Schlepper mit einem großen „A“ an der Bordwand. Das „A“ steht hierbei für das englische Wort Auxiliary gleich Hilfsschiff.

Zivil besetzt sind auch kleine Boote zur Absicherung von Schießgebieten, kleine Hafenschlepper und Forschungsschiffe oder -boote. Sie alle tragen ein „Y“ an der Bordwand. Andere fast wie zivile Schiffe aussehende Marineeinheiten, nämlich die sehr großen Einsatzgruppenversorger (EGV) und auch die sogenannten Messboote tragen ebenfalls das „A“ der Hilfsschiffe an der Bordwand, fahren aber mit der Flagge der Seestreitkräfte, sind also militärisch besetzt. Und auch die Gorch Fock fährt die Flagge der Seestreitkräfte – ohne Buchstaben an der Bordwand. Da kenne sich jemand aus.

nach oben

Farbenvolle Geschichte

Mit „Schwarz-Rot-Gold“ wird übrigens an zwei geschichtliche Ereignisse angeknüpft: Erstens, stehen die Farben für die deutschen Einigungsbestrebungen des 19. Jahrhunderts. Zweitens hatte die erste deutsche Republik nach dem Ende des Kaiserreichs, die Weimarer Republik, als Reichsfarben „Schwarz-Rot-Gold“.

Allerdings hieß es in der damaligen Verfassung auch: „Die Handelsflagge ist schwarz-weiß-rot mit den Reichsfarben in der oberen inneren Ecke.“ Diese widersprüchliche Regelung war ein Kompromiss zwischen den Traditionen des Kaiserreichs und der Erinnerung an die Einigungs- und Demokratiebewegung der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts.

Bundesdienstflagge
Farbenvolle Geschichte: Die Bundesdienstflagge vor dem Bendlerblock (Quelle: dpa/Brakemeier)Größere Abbildung anzeigen

Und wie kam es damals überhaupt zu „Schwarz-Rot-Gold“? „Schwarz-rot“ war eine Fahne Jenaer Studenten, die damit 1817 zum Wartburgfest zogen. Ihren Ursprung haben die beiden Farben in den Uniformen des Lützowschen Freikorps, einem Freiwilligenverband der preußischen Armee in den Befreiungskriegen gegen Napoleon 1813 bis 1814. Später wurden sie durch die alte Reichsfarbe „Gold“ ergänzt.

nach oben


FußFzeile

nach oben

Stand vom: 05.07.12 | Autor: Dieter Hartwig


http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.aktuelles.weitere_themen&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C8VV8YZ812DIBR