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Evangelische Militärseelsorge: „Dauerbrenner“ Neuausrichtung

Rostock, 13.03.2012.
Massive Stellenstreichungen bleiben uns erspart.“ Mit dieser erfreulichen Nachricht startete am 12. März die 57. Gesamtkonferenz der evangelischen Militärseelsorge in Rostock.

Martin Dutzmann, Walter Linkmann und Matthias Heimer am Podium

Auftakt: Dutzmann, Linkmann und Heimer (von links) im Pressegespräch (Quelle: David Zwadlo)Größere Abbildung anzeigen

Matthias Heimer ist in guter Stimmung. Er lächelt, begrüßt seine Kollegen herzlich, freut sich. Den Grund dafür erklärt der Militärgeneraldekan gleich zu Beginn des Pressegesprächs: „Wir stehen unter keinem großen Druck, massiv Stellen zu streichen“, erklärt er den Journalisten in Rostock. Die vom Verteidigungsminister „im atemberaubenden Tempo“ begonnene Neuausrichtung der Bundeswehr würde zwar auch für das evangelische Kirchenamt eine „spürbare Veränderung“ bedeuten. Doch die Reduzierung um fünf Stellen – von 100 auf rund 95 – könnten er und seine Kollegen vergleichsweise gut wegstecken.

Fünf Tage dauert die 57. Gesamtkonferenz der Evangelischen Militärgeistlichen. Die Stellenplanung ist eine der wichtigsten harten Fakten, die am ersten Tag thematisiert wurden. Vieles andere sei weniger konkret. Darunter fallen mögliche Nachwuchsprobleme bei den Pfarrerinnen und Pfarrern der Bundeswehr. Noch sei nichts zu spüren, erklärt Heimer, doch natürlich wisse auch er um den Priestermangel, der sich bereits jetzt abzeichnet und sich künftig noch weiter verstärken wird.

Die größten Herausforderungen für die Pfarrerinnen und Pfarrer der Bundeswehr ergebe sich in der täglichen Arbeit, erklärt weiter Militärbischof Dr. Martin Dutzmann. Getötete Soldaten in Afghanistan würden von der Öffentlichkeit zwar zur Kenntnis genommen. Doch dass viele Soldaten aus ihrem Einsatz mit Verwundungen – körperlicher wie psychischer Natur – zurückkehrten, werde oft ausgeblendet. „In Afghanistan oder Afrika machen die Soldaten Erfahrungen, die sich von den hiesigen Problemen so sehr unterscheiden, dass sich die Rückkehrer mit ihren Angehörigen darüber kaum austauschen können.“

In diesen Momenten erfülle die Seelsorge ihre wichtigste Aufgabe: „Selbst beim Kommando Spezialkräfte wird die Militärseelsorge sehr gut angenommen“, stellte er kürzlich bei einem Besuch in Calw fest.

Klaus Grunwald, leitender Militärdekan, betont, dass Seelsorge nicht überall gleich ist. Überall stehe zwar „der Mensch im Mittelpunkt“, „aber wer in einem Dorf in Mecklenburg-Vorpommern lebt, ist mit anderen Problemen konfrontiert als jemand, der in Afghanistan hinter Sandsäcken Schutz suchen muss.“ Im Einsatz werden deutlich schneller existenzielle Fragen gestellt: „Wofür hält ein Mensch seinen Kopf hin? Und wie erklärt er es seiner Frau, seinen Kindern?“

Wer sich umhört auf der Gesamtkonferenz, kommt jedoch immer wieder auf einen Dauerbrenner: die Neuausrichtung. Sie ist das Gesprächsthema, vielleicht noch wichtiger als die Erlebnisse während der Einsätze in Afghanistan und Afrika. „Sie ist das, womit die Soldaten die meisten Probleme haben“, erklärt Pfarrhelfer Hans Hattermann aus Wesel. Die einschneidenden Auswirkungen einer Standortverlegung machen betroffenen Soldaten oft mehr Sorgen als ein erneuter Auslandseinsatz in Afghanistan oder Afrika. Schließlich hänge an vielen Soldaten auch immer eine Familie dran. „Das sind dann diejenigen, die zu uns ins Büro kommen und sich Luft verschaffen.“

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: David Zwadlo


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