Einsatzvorbereitung: Als Team nach Afghanistan (1)
Truppenübungsplatz Lehnin, 27.03.2012.
300 Soldatinnen und Soldaten des Logistikbataillons 172 aus Beelitz werden Mitte Oktober nach Afghanistan verlegen. Damit sie bestmöglich vorbereitet in den Einsatz gehen können, absolvieren sie die Einsatzvorbereitende Ausbildung zur Konfliktverhütung und Krisenbewältigung (EAKK). Kürzlich waren sie deshalb auf dem Truppenübungsplatz Lehnin.

Der Himmel ist verhangen und grau. Ein eisiger Wind weht über das unwirtliche Gelände. Aus einem alten VW-Bus dröhnt orientalische Musik. Zwischen Mauerresten und Schutthaufen sieht man ein kleines Feuer, an dem sich Männer in zerfetzten bunten Kaftanen wärmen. Nicht lange allerdings. Als deutsche Soldaten sich nähern, fliehen sie in Richtung eines VN-Gebäudes.
Die deutsche Patrouille sichert das Gelände, erkundet die Lage. Dann kommt es zum ersten Feindkontakt. Die Soldaten suchen Deckung; an eine Mauer gelehnt beobachtet die Patrouillenführerin, Oberleutnant Manja W., die Feindbewegung. Sie gibt Befehle an ihre Soldaten und übermittelt einen Lagebericht an die Kommandozentrale. Man hört Schüsse, dann wieder Stille.
Beginn schon in der Grundausbildung
Seit über einer Woche üben die Soldatinnen und Soldaten auf dem Truppenübungsplatz in Lehnin in der Nähe von Berlin verschiedene Gefechtssituationen mit scharfer Munition, Patrouillen oder das Fahren im Konvoi. Es ist der zweite Teil der umfassenden Einsatzvorbereitenden Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung (EAKK).
Zwei Wochen lang dauert diese Spezialausbildung. Die Soldaten bekommen eine erweiterte Erste-Hilfe-Ausbildung, trainieren den Dienst an Kontrollpunkten (Check Points) oder erhalten Einblicke in den Umgang mit Minen und Sprengfallen. Sie werden am Funkgerät ausgebildet und schießen bei Dunkelheit mit Nachtsichtgeräten.
Der erste Teil der EAKK fand bereits während der allgemeinen Grundausbildung statt. Im Sommer folgen zwei weitere Abschnitte, in denen die Soldaten auf das Einsatzland Afghanistan vorbereitet werden. Dann werden politische Bildung und Landeskunde auf dem Lehrplan stehen sowie rechtliche Grundlagen geklärt, wie beispielsweise die „Rules of Engagement“. Diese einsatzbezogenen Regeln zur Anwendung militärischer Gewalt sollen den Soldaten Handlungssicherheit geben.
Der letzte Teil der Ausbildung findet im Vereinte-Nationen-Ausbildungszentrum in Wildflecken statt: Dort werden hochkomplexe und brisante Situationen durchgespielt, auf welche die Soldaten im Einsatzland treffen könnten. „Dann sind die Soldaten bestmöglich auf ihren Einsatz vorbereitet“
, erklärt Hauptmann Kai Domack. Er ist derzeit Gesamtleitender für die EAKK in Lehnin.

Übung mit scharfer Munition
Doch bis dahin haben die Soldaten und Soldatinnen des Logistikbataillons noch einen langen Weg vor sich. Zurück nach Lehnin: Die erste Übung ist beendet. Oberleutnant W. führt ihren Zug zum Sammelpunkt. Da mit scharfer Munition geschossen wird, sind die Sicherheitsanforderungen sehr hoch. Jeder Soldat hat einen Sicherheitsgehilfen mit einer Flagge an der Seite. Weht die Flagge rot, ist die Waffe geladen, bei grün ist sie entladen. Weiteres Sicherheitspersonal behält so den Überblick und leitet das Schießen.„Wir üben heute das Schießen mit scharfer Munition und beobachten das Verhalten der Gruppe unter realen Gefechtsbedingungen“
, erklärt der leitende Ausbilder für das Gruppengefechtsschießen an diesem Morgen. Ein simulierter VN-Stützpunkt bildet den Ausgangspunkt für die Patrouille, die das Dorf erkunden und für Sicherheit sorgen soll. Am Dorfrand kommt es laut „Drehbuch“ zum Feindkontakt. „Beobachtet und bewertet werden das Führungsverhalten sowie das Verhalten der Gruppe“
; sagt der Ausbildungsleiter. Er legt besonderen Wert auf taktisch richtiges Verhalten und die Kommunikation im Zug sowie zur übergeordneten Führung.
Taktik und Kommunikation
Dass das rund läuft, ist die Aufgabe von Patrouillenführerin W. Schon ihr Vater war Soldat; ihr Bruder dient ebenfalls in der Bundeswehr. So wollte auch sie sich dieser Herausforderungen stellen. Und nun steht sie vor der größten Aufgabe eines Soldaten: dem ersten Auslandseinsatz. Sie hat die Verantwortung für den Zug. Das Leben jedes Einzelnen hängt von ihren Entscheidungen ab. „Hier lerne ich Führung und Verantwortung zu übernehmen und auch situationsgerecht zu reagieren und meine Soldaten richtig einzusetzen“
, sagt W.
Indes bewertet der Ausbildungsleiter das Verhalten des Zuges während der Übung. Er hat in diesem Durchgang nicht viel zu kritisieren – das taktische Verhalten war angemessen. Alle Soldaten haben bei Feindbeschuss Deckung gesucht und sind in Stellung gegangen. Auch die Kommunikation funktionierte. „Die Verbindung zur übergeordneten Führungsstelle ist extrem wichtig. Die ist ja nicht vor Ort und kann sich so kein Bild der Lage machen. Daher sind die exakten Meldungen des Zugführers wirklich wichtig“
, erklärt der Offizier.

