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Baumholder: Naturschutz, wo die Truppe übt

Baumholder, 18.08.2009.
Truppenübungsplätze als wertvolle Naturreservate? Was klingt wie ein offenkundiger Widerspruch, ist bei sorgfältiger Betrachtung nahezu logische Konsequenz. Ideales Beispiel hierfür: der Truppenübungsplatz Baumholder.

Ein entkernter Tornado liegt auf der Wiese des Truppenübungsplatzes
Relikt auf dem Übungsplatz (Quelle: Christoph Maiworm)Größere Abbildung anzeigen

Das circa 12.000 Hektar große Gelände ist nicht nur Übungsgelände für die auftragsorientierte Ausbildung und die Artillerieschießausbildung, sondern zugleich ausgewiesenes Fauna-Flora-Habitat sowie Vogelschutzgebiet. In seiner Gesamtfläche ist es Teil des europäischen Verbundsystems wertvoller Naturschutzflächen Natura 2000.

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Stacheldraht vor einer Wiese
Natur-Schutz (Quelle: Christoph Maiworm)Größere Abbildung anzeigen

„Gütesiegel“ vom Land

Truppenübungsplätze haben sich in der ganzen Bundesrepublik zu wichtigen Rückzugsarealen, Regenerationsflächen und Biotopen für gefährdete Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Dies aber nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer militärischen Nutzung.

Auf den Übungsplätzen gab es keine wirtschaftliche Nutzung, bei der durch Flurbereinigungen Hecken und Feldraine verschwanden. Keine Bäche, die begradigt wurden und keine Nutzlandflächen mit Einsatz von „Pflanzenschutzgiften“. Die intensive Nutzung durch Freizeit und Erholung blieb den Übungsplätzen außerdem erspart.

Auf dem Truppenübungsplatz Baumholder gibt es heute eine Vielzahl bedeutsamer Biotopstrukturen. „Viele Gebiete auf dem Übungsplatz sind vom Land Rheinland-Pfalz vom ökologischen Zustand her als hervorragend eingestuft worden“, betont Regierungsdirektor Winfried Grooten vom Amt für Geoinformationswesen der Bundeswehr. „Das Höchste, was das Land zu bieten hat“.

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Ein Wasser-Biotop auf dem Truppenübungsplatz Baumholder
Rückzugsraum für seltene Spezies (Quelle: Christoph Maiworm)Größere Abbildung anzeigen

Raubwürger und Neuntöter

Der Truppenübungsplatz ist ein erstklassiges Refugium für Tierarten des offenen und halboffenen Landes. Viele seltene Vögel leben in großen Populationen in Baumholder. Einige von ihnen sind vom Aussterben bedroht – darunter der Große Raubwürger und der Neuntöter.

Beim Neuntöter handelt es sich sogar um die größte Population in Rheinland-Pfalz“, so Grooten. Auffällig ist auf dem Übungsplatz das Artenreichtum an Insekten und Lurchen. Öffentlichkeitswirksam sind dagegen vor allem die größeren Tiere, die in Baumholder ein Rückzugsgebiet gefunden haben. Darunter sind Tiere wie Luchs, Wildkatze oder der seltene Schwarzstorch.

Auch seltene Pflanzen konnten sich – fernab von Industrie und Landwirtschaft – hervorragend entwickeln. Weit über 700 Farn- und Blütenpflanzen konnten bislang in Baumholder nachgewiesen werden. 27 Arten von ihnen stehen auf der Roten Liste des Bundes.

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Ein Geländewagen steht in der Landschaft
Unterwegs zwecks Bestandsaufnahme (Quelle: Christoph Maiworm)Größere Abbildung anzeigen

Wissen schafft Schutz

Um den Schutz von Natur und Landschaft in Baumholder auch für die Zukunft zu sichern, haben die Bundeswehr und das Land Rheinland-Pfalz 2006 eine Vereinbarung über den Schutz der auf dem Übungsplatz befindlichen Biotope geschlossen.

In Umsetzung europarechtlicher Richtlinien erfolgt daran anknüpfend eine flächendeckende naturwissenschaftliche Erhebung der einzelnen Biotope, der Lebensraumtypen und der Tier- und Pflanzenarten – Voraussetzung für ein erfolgreiches Geländemanagement.

Für den Truppenübungsplatz Baumholder werden diese Arbeiten im kommenden Jahr abgeschlossen sein. Schon jetzt sei Baumholder das am besten untersuchte Naturschutzgebiet der Region, erklärt Grooten.


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Schafe auf einer Wiese des Truppenübungsplatzes
Wollige Landschaftspfleger im Einsatz (Quelle: Christoph Maiworm)Größere Abbildung anzeigen

Naturschutz hat Tradition

Rücksicht auf Natur und Umwelt wird auf dem Truppenübungsplatz Baumholder aber schon lange genommen. Bei Benutzung des Platzes ist die Bundeswehr an die Richtlinien zur nachhaltigen Nutzung von Übungsplätzen in Deutschland gebunden.

In einem „Benutzungs- und Bodenbedeckungsplan“ ist festgelegt, wie die Bundeswehr auf dem Gelände operieren darf. Europarechtliche Vorgaben zum Naturschutz werden in den Plan mit eingearbeitet.

Damit die Umsetzung in Sachen Naturschutz funktioniert, greifen gleich mehrere Stellen ineinander: die Bundesforstverwaltung, die Standortverwaltung und die Geländebetreuung. Das sich der Einsatz lohnt, zeigt der Erfolg. „Durch viel Engagement ist hier etwas Einzigartiges entstanden“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister der Verteidigung, Thomas Kossendey, kürzlich bei einem Besuch in Baumholder.

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Stand vom: 18.01.12 | Autor: 

http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.verwaltung.umweltschutz&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C7UZFTD509INFO