Afghanistan: Gemeinsam einsam
Baghlan, 02.07.2012, Süddeutsche Zeitung.
Baghlan ist der gefährlichste Ort für die Bundeswehr in Afghanistan. 500 deutsche Soldaten sind noch dort, und ihr letzter Auftrag lautet: einheimischen Polizisten helfen. Die aber haben ihre eigenen Vorstellungen.

In Momenten wie diesen denkt Hauptmann Patrick Baumann, dass sich vielleicht doch alles gelohnt hat. All die Mühen; die Sorge um seine Männer; die vielen Tage draußen, bedroht von Sprengfallen und Heckenschützen. Jetzt steht dieser ältere Mann vor ihm, Ahmad aus dem Dorf Ana Kehl, mit weißen Bart und Turban. Er zeigt auf die Staubpiste: „Hier haben sie die Bombe vergraben.“
Ahmad bewohnt eines der Gehöfte aus Lehm, die die Flussebene des Baghlan-Tals prägen; außen abweisend, innen schattig und freundlich, daneben ein Garten, in dem Bäume und ein paar Esel stehen. Ahmad hat ein paar Gestalten in der Nacht graben sehen, direkt vor seinem Hof. Und er hat etwas getan, was ein Staatsbürger tun sollte, nur dass der Staat hier so vielen fern und feindlich erscheint: Er rief die Polizei. Die afghanischen Polizisten funkten einen Räumtrupp der NATO-Schutztruppe ISAF herbei.
Und der holte einen Sprengsatz aus dem Boden, eine simple, aber tödliche Falle. Ein Kabeldraht führte an Ahmads Garten vorbei bis zu einer Baumgruppe, dort sollte ein Mann die Bombe auslösen. Als die Polizei kam, floh er.
Baumann dankt dem Bauern: „Es ist gut, dass sie die Polizisten geholt haben. Die Bombe könnte jeden treffen, Soldaten und die Menschen aus den Dörfern.“
Ahmad nickt. Er ist es leid, sagt er, den Krieg, die Toten, und ein guter Muslim verbuddelt nicht nachts Splitterbomben vor dem Haus eines anderen Muslims. Baumann nickt, später sagt er: „Es tut sich etwas. Die Zivilbevölkerung hat genug vom Kampf und vom Töten.“
Fortschritte in Baghlan hart erkämpft
Baumann ist Chef einer Infanteriekompanie, Soldaten mit viel Erfahrung, eine verschworene Truppe, unterwegs im gefährlichsten Operationsgebiet der Bundeswehr in Afghanistan. Ihre Stellung, der OP North, ragt hoch über das grüne Baghlan-Tal, wie eine Felsenfestung aus alter Zeit, ein unwirtlicher Ort aus Zelten, Sandsäcken und Stacheldraht, es gibt viel Staub, Skorpione und bissige Spinnen, größer als eine Hand. Jenseits des Flusses schimmern die Berge, glutheiß und feindlich, ohne Baum und Strauch.
Durch die von vielen Ethnien bewohnte Ebene, Tadschiken, Usbeken, Paschtunen, läuft die „Pluto“ hoch nach Tadschikistan, sie ist eine von zwei Straßen, über die die Deutschen bis 2014 abziehen wollen, die Lebensader der Provinz. Die Bundeswehr soll sie offenhalten und für Sicherheit sorgen – und damit beginnen, diese Aufgaben an die afghanischen Partner zu übertragen. 500 Deutsche sind noch hier.
Vor vier, fünf Jahren, als Taliban-Kämpfer den bis dahin ruhigen Norden Afghanistans, in dem die Bundeswehr das Kommando hat, infiltriert hatten, da war die „Pluto“ eine Straße des Todes; die Insurgenten beherrschten die Dörfer umher, legten Bomben und Hinterhalte. Die Bundeswehr hat sie dann 2010 und 2011, mit Hilfe der afghanischen Armee und der US Army, stark geschwächt. Sie hat einen hohen Preis dafür gezahlt. Neun deutsche Soldaten fielen in und um Baghlan, drei von ihnen, als ein afghanischer Soldat im OP North auf seine deutschen Kameraden feuerte.
Jetzt halten die Aufständischen keine „befreiten“ Gebiete mehr. Sie können sich nicht mehr offen zeigen. US-Kommandos jagen nachts ihre Anführer. Aber die Taliban sind immer noch da, ein paar hundert noch. Der Nordwesten der Ebene, bis hoch zu den schroffen Qanda-Hari-Bergen auf der anderen Seite des Flusses, ist feindliches Terrain. Dies sind die Khel-Dörfer, bewohnt von Paschtunen, jenem Stamm, bei denen die Taliban groß wurden und von je her den stärksten Rückhalt hatten.
Baumann sieht sie nicht als Feinde. Sein Job ist, mit afghanischen Führungspersönlichkeiten zu verhandeln. Er trägt ein G-36-Sturmgewehr und eine Pistole, seine eigentlichen Waffen sind Freundlichkeit und Respekt. Das Misstrauen, mit dem viele Soldaten die Afghanen betrachten, auch ihre nominellen Verbündeten von Polizei und Armee, ist ihm fremd. Als im Juni ein Erdbeben die Region heimsuchte, predigte ein Mullah, dies sei Allahs Strafe für die Anwesenheit der Gottlosen. Aber Baumann bemüht sich, die Leute zu verstehen.
Sie stehen unter Druck, die Taliban sind brutal, ermorden Polizisten, legen Bomben, terrorisieren die Dörfer. In Baumanns Zug ist Mirko Schneider, ein Feldwebel aus Ostdeutschland. Gleich bei seiner ersten Patrouille, im Februar, fand er in einem Graben einen Toten, einen Mullah, der den Insurgenten zu versöhnlich war. Sie bargen die Leiche und trugen sie zu dem Hof, wo der Mann gelebt hatte, die Schreie der Frau, sagt Schneider, „die vergesse ich nie“.
Dann, sagt Baumann, ist da das „Pashtun vali
“, das Gastgesetz der Paschtunen. Es verpflichtet sie, einen Gast gut aufzunehmen, auch wenn er kommt, um Krieg zu führen. Die Aufständischen wissen das. Aber die Polizisten, die nicht aus den Dörfern hier stammen, sehen in den Menschen Terroristenfreunde.
Michael Lentner ist Leutnant der Cimic, der zivil-militärischen Zusammenarbeit, und wird anderntags die Schule ansehen, die sie den Khel-Dörfern für viel Geld hergerichtet haben. Er sieht kleine Schritte nach vorn: „Es gibt in den Dörfern neuerdings Leute, die mit uns zusammenarbeiten. Man braucht hier viel Geduld und viel Zeit.“
Aber die ISAF hat nicht mehr viel Zeit.

Sie sind am Vorabend in einer Burg aus Sandsackwällen angekommen, dem Cop Ana Khel, sieben Panzerfahrzeuge der Bundeswehr, 30 Infanteristen. Cop steht für Combat Outpost, damit hat die NATO die Khel-Dörfer wie mit einem Netz überzogen. Das gehört zur Strategie der Aufstandsbekämpfung: Clear, hold, build, nennt das die ISAF, die Siedlungen von den Islamisten befreien, sie halten, Aufbauprojekte beginnen, ein mühseliger Prozess, der in den Khel-Dörfern noch längst nicht abgeschlossen ist.
„Indianerland
“ nennen die Soldaten das Gebiet, die Außenposten sehen aus wie Forts der US-Kavallerie aus dem Wilden Westen, an jeder Ecke ein Turm, drinnen Blechhütten und bemerkenswert rudimentäre Sanitäranlagen. Bis vor Kurzem saß die Bundeswehr selbst noch in etlichen Forts. Cop Ana Khel, an der Piste zur Taliban-Hochburg Ana Khel, wird nun von einem Dutzend afghanischer Polizeisoldaten gehalten, verwegenen Gestalten, die Baumann mit großer Herzlichkeit begrüßt. Nach der Einweisung sagt er mit maliziösem Lächeln zu seinen Zugführern: „Die Afghanen haben mich zum Abendessen eingeladen. Möchte mich einer der Herren begleiten?“
Nein, die Herren möchten nicht. Dann wird es Nacht. Im Innenhof sitzt Baumann auf einem Teppich, zusammen mit den Polizisten. Nadschib, den Kommandanten, nennt er „meinen Freund
“. Baumann trägt weder Helm noch Schutzweste. Er ist zu Gast bei Freunden, das will er vermitteln. Herzen und Köpfe zu gewinnen, das ist Teil der Coin genannten neuen Strategie zur Aufstandsbekämpfung, eine Strategie freilich, die der NATO sehr spät einfiel.
Ungewisse Zukunft
„Wir haben keine Nachtsichtgeräte
“, klagt er, „keine guten Waffen. Aber wir werden niemals freiwillig weichen.“
Polizei und Armee Afghanistans machen Fortschritte, sie sind besser bezahlt und trainiert als vor ein paar Jahren. Aber es fehlt noch an vielem, Disziplin, schweren Waffen, High-Tech aller Art. Im Cop gibt es Reis mit gegrilltem Fleisch, alle essen mit den Händen aus demselben Topf.
Ein paar Kilometer südlich sind plötzlich Schüsse zu hören, dann blitzt ein kurzer, greller Feuerschein. Eine Leuchtpatrone vielleicht, oder ein Geschoss aus einem RPG-7-Raketenwerfer. Das regt niemanden auf. Drüben ist das kleine Reich von Husseini, einem düsteren Milizenführer, der kürzlich auf die Seite der NATO getreten ist, seine Truppe gilt jetzt als lokale Polizei. Husseinis Leute ballern öfter ins Gelände.
Was wird, wenn die NATO 2014 geht? Nadschib glaubt: „Wir werden diesen Posten nicht halten können.“
Afghanistan drohe der Zerfall, entlang der Stammeslinien, der Reiche der Warlords. Baumann redet ihm zu: Die Polizei dürfe sich nicht verschanzen, sie müsse hinaus aus ihrer Burg, Beziehungen zur Bevölkerung aufnehmen. Machen wir doch, sagt Nadschib. Die Polizisten sind nicht von hier. Neulich, sagt ein Deutscher, hätten sie nicht mal ihr Fort verlassen, als tagsüber ein Mopedfahrer mit einer Kalaschnikow auf dem Rücken vorbeigebrettert sei.
„Wir sind in einem Krieg, den man nicht sieht
“, sagt anderntags ein junger Infanterist. Er steht vor einem Gehöft, im Morgendunst ist das Dorf zu ahnen, Ana Khel. Dunkelgrün gurgelt Wasser durch die Felder, über die Kanäle huschen blaue Vögel. Die Soldaten gehen Patrouille. Sie sehen den Feind nicht. Aber er sieht sie. Es ist die Taktik der Taliban, die Fremden zu beobachten, ihre Wege, ihre Routine. Auf den Feldern sind Hirten zu sehen, Bauern an den Bewässerungsgräben. Jeder könnte ein Späher sein.
Baumann sieht ein Dutzend magerer Rinder, bewacht von drei Jugendlichen und einem großen Mann in weißem Gewand. Die Kinder winken, der Mann steht seltsam starr da, ein Stück hinter den Tieren. Und er hält etwas in der Hand. Eine Kamera. „Der filmt uns
“, sagt der Soldat neben Baumann. Der Hauptmann springt über den Kanal und geht gelassen voran, als wolle er nur nach dem Befinden fragen, wie er es an diesem Morgen mehrmals getan hat. Er ruft einen Gruß auf Dari, aber der Afghane wendet sich ab, er beginnt zu rennen.
Baumann kann nicht hinterher. Die kugelsichere Weste, Helm, Gewehr, die ganze Ausrüstung, keine Chance, den Mann einzuholen. Und überhaupt. Er ist dazu da, die Afghanen zu unterstützen, nicht die Afghanen ihn. Das sind die neuen Regeln der ISAF. Sie müssen lernen, Verantwortung zu tragen. Baumann ruft die Polizisten, die den Zug begleiten; sie könnten jetzt den Verdächtigen verfolgen.

Der Anführer ruft etwas, eine Aufforderung, stehen zu bleiben. Der Mann läuft weiter. Die Polizisten bewegen sich keinen Schritt. Sie reißen die Kalaschnikows von der Schulter und feuern, ein Stakkato Schüsse. Links und rechts von dem Flüchtenden schlagen die Geschosse ein, wirbeln Staubfähnchen hoch, und er läuft weiter wie in einem Hollywood-Reißer, im Kugelhagel, immer geradeaus, den Oberkörper grotesk gerade gehalten.
Der kleinste Hirtenjunge weint, die Kühe stieben davon. Noch zwei Schüsse peitschen, dann verschwindet der Mann hinter einer Baumgruppe. Die deutschen Soldaten hatten ihn im Visier, die ganze Zeit, die Laserpointer der Zieloptik auf die forthastende Gestalt gerichtet. Sie hätten getroffen, bestimmt. Wenn es ihnen Baumann erlaubt, wenn er den Befehl zum Feuern erteilt hätte.
Doch Baumann tat nichts dergleichen. Die Soldaten hätten geschossen. Nicht aus Lust zu töten. Es ist eher so, dass der unsichtbare Krieg auf einmal ein Gesicht bekommt. Da ist der Feind, er läuft, und wenn er davonkommt, wird er vielleicht eine neue Sprengfalle legen. Man wüsste gern, was auf dieser Kamera noch zu sehen ist. Ihn entkommen zu sehen, stößt den Infanteristen bitter auf. Doch Baumann hat andere Vorstellungen, wie dieser Krieg, vielleicht und auf lange Sicht, noch zu wenden ist.
Und dazu gehört nicht, einem laufenden Mann in den Rücken zu schießen. Baumann will Vertrauen gewinnen. Das ist seine Mission, und er sieht viele Fortschritte, die Schule, mehr offene Türen, den Bauern, der die Bombe meldete. „Vielleicht
“, sagt er, „war der Mann nur ein Hirte, der es mit der Angst bekam. Ich weiß es nicht, und er hat uns ja nicht bedroht.
“
Generationenaufgabe
Baumann ist später in diesen Einsatz gegangen, weil seine Tochter geboren wurde; aber nur sieben Tage, mehr gönnte er sich nicht. Das Baby, seine Frau, den kleinen Sohn sieht er monatelang nicht. Er hat seinen Auftrag, den will er erfüllen, ohne zu viel an zu Hause zu denken. Das klappt manchmal, und manchmal nicht. Er kommt aus einer alten Soldatenfamilie, sein Urgroßvater kämpfte 1915 bei Verdun.
Aber Soldatsein heute, denkt Baumann, ist mehr als den Auftrag so professionell wie möglich zu erfüllen: „Die Bundeswehr ist immer ins Ausland gegangen, um dort etwas zu verbessern.“
Er war schon mal in Kundus und hat afghanische Soldaten trainiert, begonnen, ihre Sprache zu lernen und den Respekt vor diesen Menschen. Er findet, der Westen hätte sich viel mehr Zeit in Afghanistan lassen müssen: „Das ist eine Generationenaufgabe.“
Am Nachmittag trifft er sich mit Husseini, dem Warlord von nebenan, und begrüßt ihn, als habe er seit langer Zeit keinen lieberen Freund mehr getroffen. Baumann liebt das Verhandeln bei Tee und Komplimenten, bei dem man langsam zur Sache kommt. Husseinis Leute haben letzte Nacht geschossen, tatsächlich. Verdächtige Bewegungen, murmelt Husseini.
Er ist ein alter Mudschahed, als Knabe kämpfte er gegen die Russen, er wechselte Fronten und Lager, wie es das Beste war für ihn und seinen Clan. Einst focht er für den berüchtigten Kriegsherrn Hekmatyar, aber der hat hier den Kürzeren gezogen gegen die Taliban. Special Forces der Amerikaner haben Husseini zum Polizeichef ausgebildet. Er ist ein dubioser Verbündeter, aber ein wichtiger. Wenn er zur Regierung hält, wirkt das in den Dörfern mehr als fünf Polizeiposten.
„Ich kann nicht mal ausschließen“
, sagt Baumann, „ob er vielleicht irgendwann am Tod von Deutschen beteiligt war. Aber ich frage ihn auch nicht.“
Vor wenigen Monaten überfielen Taliban-Kämpfer die kleine Dorfmoschee, in der Husseini betet. Sein Bruder starb im Kugelhagel, er überlebte, wieder einmal. Und schwor Rache.
Ein weiterer Abend im Cop. Das Funkgerät des Chefs krächzt, eine Warnung. 20 bis 30 Aufständische sollen bei Ana Khel den Fluss überquert haben, um die Cops anzugreifen, auch diesen. „Endlich mal Besuch“
, sagt einer der Infanteristen, aber diese Coolness hat nicht jeder seiner Kameraden. Die Wachen auf den Türmen werden verstärkt, ein Scharfschütze bezieht Stellung. Der afghanische Posten schläft. Auf dem Südturm starren drei nervöse deutsche Soldaten mit Nachtsichtgeräten ins Gelände. Woher die Informationen stammen? Ungewiss.
Auch Leutnant Lentner, der bewaffnete Entwicklungshelfer, hat Wache. Er sitzt in einem hohen Dingo-Panzerwagen, das schwere Maschinengewehr und die Optik des Wärmebildgeräts auf dem Dach schauen genau über die Sandsackmauer hinaus.
Jeder, der sich dem Fort nähert, muss Hunderte Meter über offenes Gelände zurücklegen. Der Angreifer würde die Hand vor Augen nicht sehen, aber von High-Tech-Optik verfolgt werden, auf denen die Nacht zum Tage wird. Auf dem Display im Inneren des Dingo ist per Wärmebild ein Esel zu sehen, gestochen scharf, doch weit entfernt. Hinter einem Hof blitzt eine Taschenlampe auf. Eine Stunde lang bewegt sich nichts.
Feldwebel Bernd Richter, der Schütze, streckt sich und stöhnt. „Falscher Alarm, war ja klar.“
– „Wäre es dir lieber, da kämen jetzt dreißig weiße Umrisse in Gefechtsformation?
“, fragt Lentner mit freundlichem Spott. Menschen wären weiß auf dem Display. „Ja, das wäre mir lieber
“, sagt Richter. „Was würdest du dann machen?“
„Das hier
“, antwortet Richter und legt einen Schalter um: Auf dem Bildschirm erscheint die Zieloptik für das MG auf dem Dach. Aber der Feind kommt nicht, nicht in dieser Nacht.
Baumann wird bald heimkehren zu seiner Familie. Er hofft, etwas hinterlassen zu haben, einen Mosaikstein im Aufbauwerk: Vertrauen, Kooperation, Vernunft. Er hat für den Fall seines Todes in Afghanistan verfügt, dass kein Politiker die Trauerrede halten dürfe. Soldaten posthum zu danken, dass sie ihr Leben ließen in einem Einsatz, hinter dem die Politik nicht mehr steht – nicht mit ihm.
Nach Sonnenaufgang rücken die Deutschen ab aus Ana Khel. Nadschib, der Chef des Postens, steht müde im Hof, als die Fahrzeuge davonrumpeln. Da fahren sie, die deutschen Soldaten mit ihren Laservisieren, Infrarotgeräten, Granatmaschinenwaffen, die fremden Freunde, die Männer aus dem Westen, dessen Regierungen nichts lieber möchten als die afghanischen Händel sobald wie möglich loszuwerden. Nadschib wird bleiben. Er winkt kurz, wie beiläufig, und sieht plötzlich sehr klein und einsam aus, bis die Staubfahnen der Kolonne ihn verschlucken.



