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Waffen und Windeln – Reaktionen

Berlin, 19.12.2011.
Soldatin und Mutter beziehungsweise Soldat und Vater: Nicht immer ist dieser Spagat ohne Probleme zu meistern und manches ist verbesserungswürdig. Reaktionen unserer Leser auf den Artikel „Waffen und Windeln“.

Bundeswehrsoldat mit seinem Sohn am Klettergerüst

Vereinbarkeit Familie und Dienst (Quelle: Bundeswehr/Eisner)Größere Abbildung anzeigen

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Familienbetreuungszentren nutzen

„Bundesweit sind 31 Familienbetreuungszentren eingerichtet, die konkrete Unterstützung für die Familien von Einsatzsoldaten leisten. Warum kann man nicht über diese Zentren ein Netz zur Kinderbetreuung aufbauen? Es könnten sich darüber Soldatenfamilien melden, die gern ein Kind lang– oder kurzfristig aufnehmen würden.“

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Wir brauchen Firmen-Kindergärten

„Um die Bundeswehr attraktiver zu gestalten und zu verbessern, ist der Schritt zu ‚Firmen-Kindergärten‘ unvermeidbar. Wir haben viele Mütter und Väter, die diese sofort in Anspruch nehmen würden. Alleine ich kenne an meinem Standort genügend Eltern, dass sich tatsächlich eine Ganztagsbetreuung lohnen würde.

Der Dienstherr bekäme dann auch mehr Leistung von seinen Soldaten, da diese nicht mehr Teilzeit arbeiten müssten. Kind und Familie hätten nicht mehr diesen ganzen Stress: Bekomme ich einen Krippenplatz oder nicht? Wie weit weg ist er vom Standort? Das wäre ein großer Schritt zur Verbesserung der Bundeswehr.“

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Noch viel zu tun

„Ich schließe mich den vielen Vorrednern an: Kleine und mittlere Standorte werden vergessen. Es gibt ein paar ‚Leuchtturmprojekte‘, es wird von den Müttern geredet nicht von den Vätern.

Was benötigt wird, ist so etwas wie ein Betriebskindergarten, der dann auch den Dienstzeiten angepasste Betreuungszeiten hat. Oder eben die Möglichkeit, die Dienstzeiten den der Kitas anzupassen. Was ist zum Beispiel mit Nachtdiensten, während denen Betreuung gebraucht wird. Es gibt noch viele Handlungsfelder, über die berichtet und geredet werden muss.“

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Mehr davon

„Bringt bitte mehr über Mütter in der Bundeswehr, denn das ist noch ein Thema, das nicht wirklich ausgereift ist! Wir sind immer noch ziemliche Exoten in der Armee. Ein Bericht über Mütter im Auslandseinsatz wäre auch sehr interessant und aufschlussreich, denn davon gibt es bestimmt manche. Ich bin nächstes Jahr selber davon betroffen und ein Erfahrungsbericht wäre deshalb super!“


Soldatin mit Kind

Heile Welt? – eine Soldatin mit Kind (Quelle: Bundeswehr/WBK IV)Größere Abbildung anzeigen

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Nicht erst fallen müssen

„Schon bei den üblichen Dienstreisen sehe und empfinde ich echten Unterstützungsbedarf. Was sind da manchmal für Krampflösungen nötig. Davon machen Sie sich keine Vorstellungen! ...

In den größeren Liegenschaften gibt es dann schon Büros, in denen man das Kind mitnehmen kann, wenn es mal nicht anders geht. Das gilt jedoch nicht für kleine Liegenschaften. Ich halte den ‚social-support‘ der Bundeswehr für ‚verbesserungs-nötig’, da das zu einer viel höheren Zufriedenheit der Beschäftigten führen würde. Finanziell wird eine Investition an dieser Stelle einen Wirkungsgrad zeigen, der eklatant ist.

Aktivität in diesem Bereich zeigt dem Soldaten oder dem zivilen Mitarbeiter, dass der Dienstherr Interesse daran hat, dass es ihm gut geht. Man fühlt sich aufgehoben, noch bevor man fällt ...“

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Krippenstress und Versetzungssorgen

„Nach der Elternzeit von einem Jahr will ich auf jeden Fall wieder voll arbeiten gehen. Das wird nur leider nicht so einfach, da die Krippenbetreuung in unserem Landkreis nur bis 14 Uhr stattfindet. Auf eine Vollzeitbetreuung, die stolze 500 Euro pro Monat in einem städtischen Kindergarten kosten würde, haben wir keinen Anspruch, da wir nicht in der Stadt sondern auf dem Land wohnen.

Das nächste Problem, das uns ereilt, wird sein, dass mein Mann und ich aufgrund der Umstrukturierung noch nicht wissen, in welchem Standort wir uns wiederfinden werden. Wenn wir Pech haben, jeder woanders, da wir unterschiedlichen Truppengattungen angehören.

Ich persönlich finde es nicht leicht, Kind und Dienst unter einen Hut zu bekommen, wenn man keine Familie in greifbarer Nähe hat. Wir können leider nicht einfach sagen, ‚Oma hol mal bitte das Kind vom Kindergarten ab‘. Es ist leider nicht bei allen so einfach wie bei Oberfeldwebel Konitzer. Schön wär’s.“

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Beide Eltern im Einsatz

„Meine Tochter und ihr Mann gehen beide 2013 wieder einmal gemeinsam in den Einsatz nach Afghanistan. Ihre Tochter ist dann circa zwei Jahre alt. Das Kind bleibt für sechs Monate bei uns, den Großeltern. Die Belastung ist um ein Vielfaches höher, als die der Soldatin in ihrem Bericht.

Die Bundeswehr sollte sich Gedanken drüber machen, was passiert, wenn beide Eltern zusammen in den Einsatz müssen und das Kind im schlimmsten Fall allein zurückbleibt. Wie ist dann die Absicherung eines so kleinen Kindes gewährleistet?“

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Sackgasse Teilzeitarbeit

„Wer wie ich als Teilzeitkraft bei der Bundeswehr beschäftigt ist, hat die allergrößten Probleme, wieder in eine Vollzeitbeschäftigung zu kommen. Meine zu erwartende Rente ist nach über 20 Jahren Teilzeitarbeit wirklich nicht hoch.

Leider hatte man mich nicht darüber aufgeklärt, dass mein ursprünglicher Antrag auf die von mir gewünschte Teilzeitbeschäftigung hätte befristet sein müssen. Die Loblieder auf die Vereinbarkeit von Karriere und Beruf sind eine Einbahnstraße, und für mich die Sackgasse in Vollendung!“

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Zu Lasten der Kinderlosen

„Beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist zu berücksichtigen, dass in der Regel auf kinderlose Paare und Ledige keinerlei Rücksicht genommen wird. Begründung: ‚Sie haben doch keine Kinder.‘

Unterstützung für Familien wird wichtiger als zuvor werden, allerdings frage ich mich, warum dies immer zu Lasten derjenigen passieren muss, die sich gegen Kinder entscheiden. Sind diese Soldaten weniger wert für die Bundeswehr oder die Gesellschaft?“

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Die Bundeswehr braucht Kindergärten

„Allein die Anzahl von Dienstposten, auf denen das Mitbringen des Kindes nicht möglich ist, steht doch in keinen Verhältnis zum Artikel. Man muss sich einmal vorstellen, in einem Zug von 30 Soldaten wollen das alle Eltern machen.

Und natürlich finden alle ganz schnell einen Kindergartenplatz, der einen Dienst von 7 bis 17 Uhr ermöglicht. Wenn dem so ist, habe ich in den letzten zwölf Jahren immer in den falschen Standorten gedient.

Warum werden von der Bundeswehr keine Kindergartenplätze angeboten, also Firmen-Kindergärten. Der Bedarf ist da und die Soldaten sind bereit zu zahlen (ich zahle monatlich 575 Euro für Ganztagesbetreuung). Das sollte sich in Standorten mit bis zu 2.000 Soldaten doch rechnen.“

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Belegte Belegplätze

„Laut Kinderbetreuungsportal der gebb existieren in Stuttgart Belegplätze für die Bundeswehr. Nach langem Suchen unter Einschaltung von Personalvertretung, Sozialdienst und Militärpfarramt stand fest: Eine bestimmte Kirchengemeinde in Stuttgart hat circa in den 70er-Jahren eine erhebliche Summe von der Bundeswehr kassiert, um Kindergartenplätze für die Sprösslinge des Militärs zu schaffen oder vorzuhalten.

Unser katholischer Militärdekan bemühte sich höchstpersönlich vor Ort darum, einen dieser Belegplätze für ein Kleinkind zu erhalten. Aber: Fehlanzeige! Das Geld ist weg, und wenn jemand Kinderbetreuung benötigt, kann man sich gefälligst alleine drum kümmern! Und wenn man sich dann so bundeswehrweit umhört, sind wir hier repräsentativ, zumindest, was die Belegplätze angeht.

Als Personalrat würde ich mir wünschen, dass sich irgendjemand mit Einfluss des Themas annimmt, um die Situation zu verändern.“

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Es hängt an den Vorgesetzen

„Das System Bundeswehr hilft nur wenig. Die Vorgesetzten sind meist sehr verständig und machen alles möglich. Hilft das System Bundeswehr bei der Suche nach einer Tagesmutter? Gibt es finanzielle Hilfen? Habe ich ein Recht auf gleitende Arbeitszeit? Gibt es Kinderbetreuung in den Ferien? An diesen Themen muss deutlich mehr gearbeitet werden.“

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Und die Väter?

„Liebe Redaktion, es ist schön, dass das Thema Familie und Beruf immer wieder thematisiert wird. Leider scheint der allgemeine Glaube in Ihrer Redaktion am Althergebrachten zu hängen: ‚Die Mutter erzieht die Kinder!‘ In der modernen Familie erziehen beide Elternteile das Kind zu gleichen Teilen. Die Belastung kann also auf beide Schultern verteilt werden. So wäre es ja auch mal interessant, welche Erfahrungen ein junger Vater so macht, wenn er sich um das Kind kümmert, da seine Frau im Job ist.

Anmerkung der Redaktion: Nur zu! Wir freuen uns auf weitere Zuschriften.

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Anmerkung der Redaktion

Vielen Dank für die vielen Zuschriften. Wir konnten leider nur einen Teil der Einsendungen veröffentlichen. Aber wir bleiben im neuen Jahr am Thema „Familie und Dienst“ dran.

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Stand vom: 03.12.13


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