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Das Ausbildungsschutzbataillon Kundus (Teil 1)

Kundus/Chahar Darreh, 12.10.2011.
Das Ausbildungsschutzbataillon Kundus gehört zu den Verbänden, die mit Kampf- und Kampfunterstützungstruppen aktiv und mit allen denkbaren Konsequenzen die Sicherheit in der Region verbessern. Die Soldaten des Verbands nehmen und sichern wichtige Objekte und Geländeabschnitte, bekämpfen Aufständische und verteidigen gewonnenes Gelände.

Ein Soldat steht in der Luke eines Schützenpanzers

Sicherung aus einem Schützenpanzer Marder (Quelle: Bundeswehr/Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Sie nehmen dauerhaft die so genannte Raumverantwortung wahr, gehen also über Tage und Wochen in Stellung, um aus den Combat Outpost (COP) heraus in den umliegenden Gegenden Präsenz zu zeigen und zu sichern. Die COPs sind aber auch Objekte, die als Basis für Operationen dienen. „Diese Posten sind nötig, um den Raum zu halten. Sie binden aber natürlich auch Kräfte“, erklärt Oberstleutnant Lutz Kuhn, Kommandeur des Ausbildungsschutzbataillon Kundus.

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Dienst im Außenposten: Immer in Bereitschaft

Der Dienst in den Außenposten ist fordernd. Die Soldaten sind feldmäßig untergebracht, versorgen sich selbst. Sogar das Kochen übernehmen die Kameraden selbst. Und manchmal bleibt dann trotzdem die Küche kalt. EPA -Rationen sind dann angesagt.

Im Posten herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Und zwischendurch wird technischer Dienst betrieben; die Waffen werden gereinigt, Fahrzeuge gecheckt. Vor dem Eingang zum Gefechtsstand und den Unterkünften reihen sich die Einsatzfahrzeuge, die gerade nicht draußen sind. Auf ihnen sind die schweren Waffen ständig installiert. Maschinengewehre MG3 und auch schwere MG, Kaliber 12,7mm sowie 40mm-Granatmaschinenwaffen ragen in den Himmel.

Soldat an einem schweren Maschinengewehr auf einem gepanzerten Fahrzeug

Einen Großteil ihrer Zeit im Einsatz sind die Soldaten außerhalb des Feldlagers (Quelle: Bundeswehr/Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Zehn bis zwölf Tage draußen

Im Polizeihauptquartier (PHQ) Chahar Darreh ist dauerhaft eine Infanteriekompanie eingesetzt. Eine Kompanie bleibt durchschnittlich zehn bis zwölf Tage dort, bevor sie durch eine andere abgelöst wird. Die Sicherung des COP übernimmt die Einheit selbst. Die Soldaten sind also abwechselnd in der Raumverantwortung draußen, besetzen das Maschinengewehr auf dem Wachturm oder nehmen an Operationen in der Region teil.

Regelmäßig finden Versorgungsfahrten zwischen dem Feldlager des Regionalen Wiederaufbauteams (PRT) Kundus – dem Stationierungsort des AusbSchtzBtl – und dem Polizeihauptquartier statt. Die Konvois werden dabei auch von Schützenpanzern eskortiert. Die Beanspruchung der Fahrzeuge ist enorm. Die Kettenpolster der Schützenpanzer müssen ständig gewechselt werden.

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Den Norden von Chahar Darreh im Visier

Die Höhe 432, eine strategisch wichtige befestigte Anhöhe im südlichen Chahar Darreh ist ebenfalls ein solcher Außenposten. Im September übergab das AusbSchtzBtl diese Stellung an die Afghan National Army (ANA). Der symbolische Akt – das Niederholen der deutschen und das Hissen der afghanischen Flagge – war zugleich die Übergabe der Verantwortung für das südliche Chahar Darreh an die afghanischen Sicherheitskräfte.

„Die ANA wird zunehmend selbstbewusster und auch das Partnering macht in letzter Zeit große Fortschritte. Selbstverständlich werden die afghanischen Truppen auch in dieser Region weiterhin von uns unterstützt, wenn sie uns brauchen. Das hat erste Priorität“, stellt der Kommandeur des Ausbildungsschutzbataillon Oberstleutnant Kuhn fest.

Derzeit arbeiten die Soldaten des Ausbildungsschutzbataillons zusammen mit den Afghanen daran, Aufständische aus dem nördlichen Chahar Darreh herauszudrängen. Eine Prognose über den Erfolg scheint schwierig. „Dafür sind mehrere Variablen zu bewerten“, sagt Kuhn. „Wie verhält sich der Feind und wie entwickelt sich die ANA hinsichtlich Quantität und Qualität?“, sind Fragen, die sich der Kommandeur stellt.

Zwei afghanischen Soldaten hissen die afghanische Flagge. Zwei deutsche Soldaten salutieren.

Übergabe in Verantwortung: Die afghanischen Sicherheitskräfte übernehmen immer mehr Aufgaben (Quelle: Bundeswehr/Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Besondere Herausforderung: Identifizierung des Feindes

Während der Operationen gehen die Angehörigen des Ausbildungsschutzbataillons äußerst umsichtig und behutsam vor. Die Aufständischen kämpfen kaum noch offen, setzen verstärkt auf den Einsatz von Sprengfallen. „Gerade das macht es für uns manchmal so schwer, den Feind zu identifizieren“, erklärt Kuhn.

„Wir gehen nach dem Grundsatz vor: Identifizieren, den Feind separieren und erst dann bekämpfen. Das ist eine große Herausforderung“, so der Kommandeur und erklärt weiter: „Ein anderes und weniger umsichtigeres Handeln würde tote Zivilisten bedeuten. Das würde nicht nur unseren Wertevorstellungen widersprechen, mehr Feinde würde das auch produzieren. Wir müssen einhundert Prozent sicher sein, mit wem wir es zu tun haben, bevor wir den Feind bekämpfen.“

Außerdem sollen Operationen nachhaltig sein. Gewonnenes Gelände muss gesichert, unter Kontrolle gehalten werden. „All das, was wir tun, findet in der afghanischen Zivilgesellschaft statt. Wir müssen für die Zivilbevölkerung die bessere Alternative sein als es die Aufständischen sind“, betont Kuhn.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Steffen Maluche


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