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Im Feuerkampf – Feindberührung in der nordafghanischen Wüste (Teil 2)

Kundus, 26.09.2011.
Die Soldaten stellen Nachtkampffähigkeit her. Die aus dem Fahrzeug geretteten Verwundeten sind inzwischen im Sanitätsfahrzeug und in anderen gepanzerten Fahrzeugen. Bis die Verstärkungskräfte eingetroffen sind, müssen sie an Ort und Stelle bleiben. Der Feind scheint bereits ausgewichen zu sein, doch die Nacht kann alle möglichen Überraschungen bereithalten.

Ein Soldat blickt durch einen Sucher
Der Richtschütze sichert mit dem Maschinengewehr (Quelle: Bundeswehr/Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Die Soldaten stellen ihre Nachtkampffähigkeit her. Sie befestigen ihre Nachtsichtgeräte auf Waffen und Helmen. Die aus dem Fahrzeug geretteten Verwundeten sind inzwischen im Sanitätsfahrzeug und in anderen gepanzerten Fahrzeugen untergekommen. Zunächst von ihren Kameraden in eine flache Mulde in Deckung gebracht, sicherten sich die Leichtverwundeten selbst.

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Die Dunkelheit bricht herein

Jetzt, da sich die Lage ein wenig beruhigt hat, nähern sich Einheimische dem Ort des Geschehens. Eine Frau geht mit ihrem Kind über die Straße. Personen, die den Patrouillenfahrzeugen zu nahe kommen, werden durch die Soldaten abgewiesen. Links neben der Straße zeichnet sich derweil ein ganz anderes Bild: Zwei Kamele stehen in der Wüste. Ein friedliches und ruhiges Bild mitten im Krieg. Dann bricht die Dunkelheit herein. Hauptfeldwebel S. macht sich so seine Gedanken: „Wir müssen zusehen, dass wir hier bald wegkommen. Ich habe keine Lust, dass die uns in der Nacht noch packen“, sagt er.

Bis die Verstärkungskräfte eingetroffen sind, um die Soldaten aus der Sicherung zu lösen, müssen wir an Ort und Stelle bleiben. Der Feind scheint bereits ausgewichen zu sein; dennoch kann die Nacht alle möglichen Überraschungen bereithalten.

Der Patrouillenführer entscheidet sich, die Feuerüberlegenheit unbedingt aufrechtzuerhalten und mit allen Kräften zu warten, bis die Verstärkungskräfte aus dem PRT(Provincial Reconstruction Team) eingetroffen sind. Da der mittelschwer Verwundete als stabil eingestuft wurde, muss kein weiteres Risiko eingegangen werden, um den verletzten Kameraden schnellstmöglich mit Teilen der Patrouille voraus ins PRT zu schicken. Noch ein weiter Weg ist es bis nach Kundus. Ein weiterer Hinterhalt auf dem Rückweg ist jederzeit möglich. Die Aufständischen haben unsere Situation mit Sicherheit weitergemeldet.

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Der Bravo-Zug übernimmt

Es ist soweit: Der Bravo-Zug übernimmt. Zugleich rücken Bergekräfte an. Sie werden auch den angesprengten Wolf bergen. Jetzt wird nach und nach jedes Fahrzeug aus seinem Sicherungsbereich herausgelöst. Der Patrouillenführer legt die Reihenfolge fest. Er befiehlt, wann welches Fahrzeug zu einem befohlenen Sammelraum fährt. Vor allem die hinteren Wagen haben es da nicht leicht. Die Straße ist durch den Sprengtrichter – er ist zwischen drei und vier Meter breit – nicht mehr passierbar.

Die letzten beiden Fahrzeuge, die herausgelöst werden, sind unser Dingo und der Transportpanzer hinter uns. Der Fahrzeugkommandant weist den Führer des Fahrzeugs vom Bravo-Zug, das nun neben uns steht, in Lage und Sicherungsbereich ein und befiehlt den Abmarsch. Stabsgefreiter B., unser Dingo-Fahrer, fährt zunächst mit Hilfe seines Nachtsichtgeräts.

Wir müssen einen Weg finden, über das freie Gelände den Sprengkrater zu umfahren. Auf der rechten Seite findet sich kein Weg, es heißt umdrehen. Wieder geht es zurück in Richtung Straße. Wir überwinden einen Graben und gewinnen schließlich Boden links der Straße. Weiter geht es zum Sammelraum. Alle anderen Fahrzeuge der Kolonne stehen schon im Marschband auf der Straße. Wir hängen uns dran, die Patrouille nimmt Fahrt auf.

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Warten auf den Bergepanzer

Wir fahren ein Stück durch freies offenes Land, dann verläuft der Weg durch hügeliges Gelände. Hauptfeldwebel B. ist die Gegend nicht geheuer. „Der ideale Platz für einen weiteren Hinterhalt“, findet er. „Aufpassen!“, ermahnt er seine Besatzung. Die Soldaten sind trotz aller Belastungen hellwach. Adrenalin ist eben das beste Aufputschmittel.

Dann stockt die Kolonne. Per Funk erfahren wir, dass ein Transportpanzer an einer Wegeüberführung zur Seite weggesackt ist. „Absitzen! Rauf auf die Hügel! Sichern!“, ruft der Dingo-Kommandant dem Oberfeldwebel und dem Hauptgefreiten zu. Die beiden greifen ihre Gewehre, springen von den Fahrzeugen und gehen auf den umliegenden Hügeln in Stellung.

Derweil versuchen die Kameraden weiter vorn, den verunfallten Transportpanzer wieder flott zu bekommen. Schnell stellt sich heraus, dass das mit eigenen Mitteln nicht zu machen ist. Wir müssen auf den Bravo-Zug mit dem Bergepanzer warten, der die Sprengstelle räumt.

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„Ein Sound, der echt beruhigend ist“

Oberfeldwebel B. bekommt jetzt den Auftrag, den bald anrückenden Konvoi einzuweisen. Er steht jetzt am Ende unserer Kolonne. Ich steige aus dem Dingo, gehe zu ihm und rauche eine Zigarette. Noch immer dröhnt ein F15-Kampfjet über uns, um uns den Rücken frei zu halten und aufzuklären. „Ein Sound, der echt beruhigend ist“, finden wir beide.

Bis der Konvoi mit dem Bergepanzer eintrifft, vergehen noch einige Minuten. Die Gedanken des Oberfeldwebels kehren kurz zurück zum Angriff. Kehren zurück zu dem Augenblick, als er mit seinem Kameraden zum angesprengten Fahrzeug ging, um die Lage zu klären. „Ich habe mit dem Schlimmsten gerechnet, als ich nach vorne ging. Das sah echt übel aus; der Motorblock lag so an die 50 Meter vom Sprengtrichter entfernt“, sagt er.

Die Lichter des Bravo-Zuges tauchen auf. Zunächst sind die Fahrzeuge nur schemenhaft zu erkennen. Die Luft ist noch immer voller Staub. Wir schmecken ihn auf der Zunge. Der Bergepanzer walzt vorbei. Der Boden vibriert unter unseren Füßen. Er nimmt den beschädigten Transportpanzer „an den Haken“. Mittels Kreuzschere hängt er am Panzer. Der Patrouillenführer fackelt nicht lange. Unsere Kolonne nimmt wieder Fahrt auf. Wir erreichen bald eine befestige Straße.

Die ruppige Fahrt über die Wüstenpiste gibt dem beschädigten Transportpanzer schließlich den Rest. Reifenteile lösen sich, Kleinteile poltern vorbei. Dann schlägt es Funken. Offenbar schleift das Getriebe schon auf der Straße. Dann schlingert das ganze Fahrzeug hinter dem Bergepanzer nach links und nach rechts über die Straße. Wir halten. Den Transporter weiter mitzuschleifen, ist aussichtslos. Der Patrouillenführer fordert weitere Bergekräfte aus dem PRT an. Während wir mit dem Verwundeten weiterfahren, wird der Bravo-Zug ausharren, bis das Fahrzeug geborgen ist.

Geschützt durch zwei Transportpanzer befreien Soldaten ihre verwundeten Kameraden aus einem umgestürzten Fahrzeug
Die Verwundeten werden aus dem angesprengten Fahrzeug gerettet (Quelle: Bundeswehr/Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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18 Stunden Einsatz-Power

Wir legen die letzten Kilometer zurück. Die Verwundeten sind längst im Feldlazarett und werden medizinisch versorgt. Im sicheren Hafen des Feldlagers angekommen, entladen die Soldaten des Charlie-Zuges ihre Waffen, parken ihre Fahrzeuge. Der Spieß der Schutzkompanie hält noch ein warmes Essen und – für den, der mag – auch ein Bier bereit.

Noch ein letztes Gespräch über den ereignisreichen Tag, dann wird es Zeit, zur Ruhe zu kommen. Es ist jetzt nach Mitternacht. Um 6 Uhr morgens startete die Patrouille. Mehr als 18 Stunden stecken den Soldaten in den Knochen. 18 Stunden, gespickt mit dem gesamten Anforderungsspektrum an Soldaten im Afghanistan-Einsatz. 18 Stunden Einsatz-Power.

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Stand vom: 14.08.12 | Autor: Steffen Maluche


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