Reportage in vier Teilen: Vom Kriege

Exponiert aber alles im Blick (Quelle: Ryan Tabios)
Mitten im Unruhedistrikt Chahar Darreh hat die Bundeswehr eine Polizeistation und zwei Höhen besetzt. Scharmützel mit den Rebellen gehören hier zum Alltag. Der permanente Abnutzungskampf hat in ein Patt geführt, das in diesem Herbst durch eine Offensive aufgelöst werden soll. Unterwegs mit einer Fallschirmjägerkompanie.
Am Abend nach der Patrouille durch Khalazai Khurd, das Mondlicht leuchtet milchig gelb über der Polizeistation in Chahar Darreh, trocknen die durchschwitzten Uniformen der Fallschirmjäger in den Unterkünften. Einige Soldaten treten aus ihrer Unterkunft, in der Hand tragen sie Scharfschützengewehre und im Gesicht Tarnfarbe.
Ein Weißbärtiger kommt ihnen entgegen und stellt sich als Dorfältester vor. Der Hauptmann nimmt erfreut Helm und Brille ab, zieht die Handschuhe aus. Er hofft auf mehr Antworten, wenn er weniger martialisch auftritt.
Es tobt ein Guerillakrieg in Chahar Darreh, in dem die Fallschirmjäger aus dem niedersächsischen Seedorf bislang weniger die feindlichen Kugeln, sondern mehr die Möglichkeit fürchten, mit ihren Fahrzeugen in die Luft gesprengt zu werden.
Als die Nacht hereinbricht, startet Hauptmann Michael L.* einen neuen Schachzug im Krieg gegen die Aufständischen. „Diesmal sollen sie kein Glück haben, diesmal nicht“
, sagt er bei der Befehlsausgabe nach dem Abendessen. Die Männer am Tisch vor ihm nicken. Sie vertrauen dem „Chef“, der mit seinen 31 Jahren eine gewaltige Verantwortung zu tragen hat.