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Bundeswehr in Talokan schließt ihre Tore

Talokan (Nordafghanistan), 22.02.2012.
Auftrag ausgeführt: Die Bundeswehr räumt ihr Lager im nordafghanischen Talokan – ein sichtbarer Ausdruck der Übergabe der Veranwortung an afghanische Kräfte.

Soldaten überprüfen Ladung

Millimeterarbeit: Der Container muss auf die Ladefläche passen. (Quelle: Bundeswehr/Thomas S.)Größere Abbildung anzeigen

Um 5.30 Uhr ruft der Muezzin zum Morgengebet. Durch Lautsprecher verstärkt, ist sein Ruf weit über der Stadt Talokan zu hören. Auch im Lager des Provincial Advisory Teams (PAT) Talokan ist er deutlich zu vernehmen, befindet es sich doch im östlichen Teil der 200.000-Einwohner-Stadt im Nordosten Afghanistans, in unmittelbarer Nähe einer Moschee.

Unter den Rufen beginnt auch hier die tägliche Betriebsamkeit. Circa 60 deutsche Soldaten verrichten in dem 100 mal 90 Meter großen Lager noch ihren Dienst. Aber nicht mehr lange: Die Sicherheitslage und der Aufwuchs der afghanischen Sicherheitskräfte machten es möglich, dass das PAT zum 15. Februar von seinem Auftrag entbunden wurde. Das Lager wird geräumt. Seine Auflösung ist ein deutliches Zeichen der voranschreitenden Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Behörden.

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Ein gemeinsamer Auftrag

Fast genau vier Jahre zuvor, am 23. Februar 2008, fand die ressortgemeinsame Eröffnung des PAT mit Vertretern der Bundeswehr, der deutschen Botschaft und Repräsentanten aus dem politischen und gesellschaftlichen Umfeld der Provinz Takhar statt. Mit Hilfe des PAT sollte die Präsenz der Bundeswehr von Kundus aus in der Provinz ausgebaut werden. Dementsprechend war auch der Auftrag der hier stationierten Soldaten formuliert: Unterstützung des Wiederaufbaus und der Entwicklung in der Provinz Takhar durch Schaffung eines sicheren Umfeldes.

Dafür wurden circa 50 deutsche Soldaten, bestehend aus der militärischen Führung, einer Sicherungskomponente und Verbindungselementen nach Talokan verlegt. Dazu kamen die Vertreter des Auswärtigen Amtes und des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Der Führer des PAT war für die Beratung des Provinzgouverneurs, des Provinzrates und der lokalen Würdenträger wie dem Bürgermeister und den Chefs der afghanischen Sicherheitsorgane verantwortlich, während sich seine Verbindungsoffiziere ständig mit den örtlichen afghanischen Sicherheitskräften und Departments austauschen. Der CIMIC-Trupp (Civil Military Cooperation, Zivil-Militärische Zusammenarbeit), gesichert durch Kräfte des Schutzzuges, unterstützte den Aufbau in einem Teil der Distrikte der Provinz Takhar. Der Schwerpunkt lag hierbei auf „Hilfe zur Selbsthilfe“.

Durch Ausbildung und Beratung der lokalen afghanischen Entscheidungsträger, durch Aufzeigen von Lösungsansätzen bei auftretenden Problemen und durch die ständige Unterstützung bei kleineren und größeren Schwierigkeiten erarbeiteten sich die Soldaten des PAT schnell den Respekt und die Anerkennung der afghanischen Sicherheitskräfte, aber auch der Zivilbevölkerung.

Container am Haken

Die ersten Seecontainer werden auf LKW verladen (Quelle: Bundeswehr/Thomas S.)Größere Abbildung anzeigen

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Übergabe und Ausblick

Trotz einiger Rückschläge konnte durch die intensive Zusammenarbeit mit den afghanischen Sicherheitskräften die Sicherheitslage in der Provinz ständig verbessert werden. Die afghanische Armee und Polizei haben die Verantwortung für die Sicherheit der Menschen ihrer Provinz nun fest in den Händen, sodass die Auflösung des PAT Taloqan eine logische Konsequenz ist.

In enger Abstimmung mit dem Provincial Reconstruction Team (PRT) Kundus ist der zeitliche Ablauf für die Räumung der Einsatzliegenschaft festgelegt. Die ersten Materialcontainer wurden schon aus dem Bereich des PAT-Lagers transportiert. Das in ihnen enthaltene Material wurde nach Kundus gebracht, wo es entweder direkt weitergenutzt oder von wo aus es an andere Bundeswehrstandorte in Afghanistan verteilt wird. In den nächsten Wochen werden diesen Containern noch viele weitere folgen, bis dann Mitte März auch die letzten Soldaten aus Talokan wieder deutschen Boden unter ihren Füßen haben.

Die auf afghanischer Seite aufkommende Befürchtung, man ließe sie von nun an allein, konnte schnell zerstreut werden. Das Auswärtige Amt und das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit betreuen die Provinzregierung durch Büros direkt in der Stadt. Die Beratung und Unterstützung der örtlichen Sicherheitskräfte wird nach der Auflösung des PAT durch Kräfte aus dem PRT Kundus wahrgenommen.

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Update: Entwicklung in Talokan am 23. Februar

In Talokan demonstrierten rund 300 Personen unmittelbar vor dem bereits am 15. Februar vom Auftrag entbundenen deutschen Provincial Advisory Team (PAT). Die mit der Räumung beschäftigten Kräfte verlegten daraufhin auf Weisung des Kommandeurs der Nordregion in das PRT Kundus.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Thomas S.


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