Die Ausbildung zum Schießausbilder
Mayen, 05.09.2012.
Montagmorgen 6.50 Uhr in Mayen. Ich packe meinen Rucksack und versuche mir vorzustellen, wie die nächsten vier Wochen wohl ablaufen werden. Das Ziel ist klar, wir alle sollen Schießausbilder werden.
Das bedeutet, dass jeder von uns nach dem Lehrgang in der Lage sein soll, die Schießausbildung von Soldaten zu übernehmen. Der Weg dahin liegt für mich zunächst noch im Dunkel. Doch das ändert sich in drei Schritten.

1.Schritt: Das Erlernen neuer Bewegungsabläufe
Nach einem kurzen Einführungsunterricht und dem Einstellen der Trageriemen und Haltegestelle der Waffen geht es direkt los. Entgegen aller Erwartungen aber nicht auf der Schießbahn, sondern in der Kaserne auf der Wiese. Das Ganze geht nicht nur einen Tag lang, sondern mindestens drei – je nachdem wie es läuft. Ich bin skeptisch: Wir haben doch insgesamt nur vier Wochen Zeit, um das Lehrgangsziel zu erreichen.
In den nächsten vier Tagen lernen wir, mit unseren Waffen umzugehen. Wir bekommen Bewegungsabläufe beigebracht, die anschließend durch unzählige Wiederholungen gefestigt werden. Jede Tätigkeit, jeder Handgriff soll unbewusst und automatisch ablaufen. Am Ende der ersten Woche bin ich geschafft. Es war doch anstrengender als ich dachte.
2. Schritt: Neu Erlerntes umsetzen
Der erste Tag auf der Schießbahn. Nach einer kurzen Wiederholung der Inhalte schießen wir mit dem Gewehr G36 und der Pistole P8. Ich versuche alles umzusetzen und tatsächlich: Bereits nach kurzer Zeit und mit der Hilfe des Ausbilders treffe ich besser.
Während der anschließenden zwei Wochen fahren wir jeden Tag auf die Schießbahn. Täglich gilt es, vorgegebene Schießübungen zu bestehen. Leider gelingt mir das bei einer Übung nicht. Damit ist klar: Ich kann das Lehrgangsziel nicht mehr erreichen – ich kann kein Schießausbilder mehr werden.
3. Schritt: Kopf hoch – weiter geht’s
Ich bin enttäuscht und traurig. Etwas nicht zu schaffen ist ein eigenartiges Gefühl. Die gute Nachricht ist: Ich darf weiter am Lehrgang teilnehmen. Nachdem die Enttäuschung vergangen ist, fange ich wieder an, die Ausbildung durch die erfahrenen Schießausbilder zu genießen. Vor allem am Ende des Lehrgangs orientiert sich die Ausbildung stark am aktuellen Einsatzgeschehen. Das gefällt mir sehr gut.
Nach vier Wochen ist auch dieser Lehrgang vorbei. Ich habe das Lehrgangsziel zwar nicht erreicht, konnte aber jeden Tag in vollen Zügen genießen, viel Wissen aufnehmen und mitnehmen. Eigentlich bin ich zufrieden. Da mein Trefferbild am Ende so gut war, hoffe ich, bald eine zweite Chance zu bekommen.


