Führen unter Stress und Belastung
Munster, 07.05.2012.
Es ist Sonntag. Ich sitze auf meinem Sofa und lasse den Lehrgang „Überleben im Einsatz“ Revue passieren. In den letzten drei Wochen haben wir gemeinsam viel erlebt und zumindest für meine Gruppe kann ich mit gutem Gewissen behaupten: Der Lehrgang hat uns alle ein gutes Stück näher zusammengebracht.

Bisher hatte ich von diesem Lehrgang lediglich viel gehört. Die Spanne der Aussagen reichte von „fast nicht zu schaffen
“ bis „eigentlich kein Problem
“, und so hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet. Nach der Anreise in Munster verdeutlichte uns bereits der erste Blick auf den Dienstplan, dass die erste Woche körperlich sehr fordernd werden würde.
Gepäckläufe, das Überqueren der Hindernisbahn, ein Orientierungsmarsch im Gruppenrahmen und Märsche unter besonderer körperlicher Belastung (zum Beispiel mit „Verwundeten“, die transportiert werden mussten) fielen mir dabei ganz besonders ins Auge. Am Sonntagabend schlief ich ein wenig aufgeregt, aber auch gespannt auf das, was uns die nächsten drei Wochen erwarten würde, ein.
Auf Trab gebracht
Der Montag startete dann mit einer Begrüßung durch die Zugführer und den Kompaniechef. Danach noch ein Unterricht zum Thema „Führen unter Belastung und Stress“ und dann ging es auch schon los. Wir wurden ordentlich auf Trab gebracht. Theoretische und praktische Unterrichte durch Zugführer und Gruppenführer verschafften uns dabei zumindest körperlich die eine oder andere Verschnaufpause.
Außerdem war das Wetter auf unserer Seite. Jeden Tag Sonnenschein – besser konnte es gar nicht werden. Alle meine Kameraden aus Mayen waren in einem Zug. Wir hielten zusammen und bestanden die erste Woche, zumindest meiner Meinung nach, ziemlich gut. Am Freitag fuhren wir schließlich gut gelaunt und auch ein wenig stolz nach Hause.
„Das Führen einer kleinen Kampfgemeinschaft unter körperlicher Belastung
“ sollte vor allem in den nächsten zwei Wochen im Fokus der Ausbildung stehen. Natürlich kann dieses umfangreiche und sehr, sehr anspruchsvolle Gebiet in drei Wochen nicht in Gänze ausgebildet und geübt werden. Dennoch sollten erste Einblicke geboten und von jedem der Lehrgangsteilnehmer erste Erfahrungen als Gruppenführer in Gefechtssituationen gesammelt werden.
Durchatmen, Kopf hoch und weitermachen
Nun folgten viele Gefechtsschießen in den unterschiedlichsten Lagen. Schnell wurde mir klar, dass es gar nicht so einfach ist, den Überblick in so einer extremen Situation zu behalten. Die an uns gestellten Aufgaben wurden während des Lehrgangs immer komplexer, und auch wir wurden immer besser.
Natürlich habe ich, besonders in Führungsverantwortung, viele Fehler gemacht. Zudem fiel es mir manchmal sehr schwer, mit der in der Auswertung folgenden Kritik umzugehen. Dabei ist es wichtig, das Wissen der weitaus erfahreneren Gruppenführer aufzunehmen und umzusetzen. Oft musste ich mich zwingen, einfach tief durchzuatmen, den Kopf wieder hochzunehmen und weiterzumachen.
Heute bin ich der Meinung, dass der Umgang mit Kritik, also Erfahrungen anzunehmen, aber auch auszusortieren, um damit seinen eigenen Stil zu finden, für mich zur schwierigsten Aufgabe des Lehrgangs gehörte.
Ich sitze immer noch auf meinem Sofa. Es ist erst 21 Uhr und ich bin todmüde. Man merkt doch, dass der Schlaf in den letzten drei Wochen des Öfteren zu kurz kam. Morgen fängt der nächste Lehrgang an, mit dem Ziel, Schießausbilder nach dem neuen Schießausbildungskonzept zu werden. Ich bin gespannt, was da auf mich zukommt!
Anmerkung der Redaktion: Weil Oberleutnant Franziska Eisel am Lehrgang nicht teilnehmen konnte, hat Co-Autorin Karolin Böhme für diesen Beitrag in die Tasten gegriffen. Danke!

