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Aus Eriwan nach Afghanistan (Sprechertext)

Am Haupttor des deutschen Feldlagers in Masar-i Scharif geht es immer sehr international zu. In dieser Schleuse werden die Militär- und Zivilfahrzeuge der unter deutschem Kommando arbeitenden ISAF-Nationen kontrolliert. Ein Soldat in deutscher Uniform überprüft den Unterboden sorgfältig auf versteckte Sprengsätze.

Kein anderes Bild bei der Personenkontrolle gleich nebenan: Soldaten mit deutschen Waffen und Splitterschutzwesten gehen mit afghanischen Arbeitern aus dem Feldlager auf Tuchfühlung. Doch die Sprache mit der sich die Soldaten untereinander verständigen, ist nicht etwa Deutsch sondern Armenisch. Und das ist das eigentlich Neue im internationalen Mischmasch in Afghanistan.

Armenische Soldaten übernehmen Aufgaben des Objektschutzes. Deutschland und Armenien haben vereinbart, dass die armenischen Soldaten mit deutschem Material und Uniformen ausgestattet werden. An den Hoheitszeichen sind sie allerdings noch erkennbar. Das Training erhalten sie bei der Bundeswehr.

Uns hat die Ausbildung sehr geholfen“, erklärt uns der Kommandeur. „Alle Schwierigkeiten, die wir vorausgesehen haben, sind während des Trainings beseitigt worden. Wir haben dort erfahren, welcher genaue Auftrag uns in Afghanistan erwartet. Wie unser täglicher Dienst abläuft.

Ortswechsel in die armenische Hauptstadt Eriwan. Zu der Brigade, wo die Friedenssoldaten herkommen. Ausgebildet wird hier am russischen Sturmgewehr Kalaschnikow. Anders geht es auch nicht, denn Armenien unterliegt einem Waffenembargo. Westliche Waffen dürfen nicht eingeführt werden. Grund ist der schwelende Grenzkonflikt mit dem Nachbarland Aserbaidschan. Die armenischen Streitkräfte befinden sich in ständiger Alarmbereitschaft.

Eine Spezialeinheit zeigt uns einige Trainingsabschnitte. Graben- und Häuserkampf, das sind Fähigkeiten, die bei Gefechten an der Grenze benötigt werden. Für die Zusammenarbeit mit der NATO müssen die Soldaten erst fit gemacht werden.

Armenischer Offizier: „Das sind andere Länder, andere Kulturen. Andere Taktik, kann man sagen, und andere Waffen und Waffensysteme. Diese Fähigkeiten der Waffen sind auch anders. Deswegen ist die Taktik auch anders.

Armenische Offiziere, die bei der Bundeswehr ausgebildet werden, versuchen zwar ihre Kenntnisse hier in Eriwan zu vermitteln, doch solange Menschen im Grenzkonflikt mit Aserbaidschan sterben, steht die Landesverteidigung für die Armenier im Vordergrund. Und auch ihre Waffenbruderschaft mit der Schutzmacht Russland. Gleichzeitig möchte man sich auch nicht isolieren. Deshalb will das Land an internationalen Einsätzen teilnehmen.

Die Soldaten haben jeden Tag Englischunterricht, der meistens morgens stattfindet“, erklärt uns eine der Englischlehrerinnen der Brigade. „Je nachdem wie das tägliche militärische Ausbildungsprogramm für die Soldaten aussieht gibt es auch für sie zusätzlichen Unterricht in den Pausen und am Nachmittag. Die Leute versuchen ihr Bestes zu geben, um die Sprache zu lernen.

Was in Eriwan für internationale Einsätze noch nicht vermittelt werden kann, das lernen die Armenier in Deutschland bei der Bundeswehr. Ausbildungszentrum der Luftwaffe bei Germersheim. Schießübungen mit dem G36. Vor ihrem Afghanistaneinsatz trainieren hier zwei armenische Infanteriezüge mit etwa 80 Soldaten.

Umgang mit den Waffen, Fahrzeug- und Personenkontrollen – deutsche Objektschutzkräfte konfrontieren die Armenier hier immer wieder mit Situationen, wie sie auch am Haupttor des Feldlagers in Masar-i Scharif passieren können.

Rollenspieler in Uniformen der afghanischen Polizei verlangen die Einfahrt ins Feldlager. Sie haben keine Ausweispapiere bei sich. Die armenischen Soldaten, die wir einen Monat später in Masar-i Scharif wiedertreffen werden, überprüfen zwar, doch bei der Personenkontrolle wird ein Sprengsatz übersehen. Die freundlichen Polizisten entpuppen sich als Selbstmordattentäter.

Ausbilder: „Ein Kardinalfehler ist, dass man mit dem ersten Erfolg aufhört zu suchen. Das heißt beispielsweise: Wenn man an einem Fahrzeug irgendetwas Verdächtiges gefunden hat, dass man das Suchen einstellt oder sich darüber entsprechend so freut, dass man vergisst, andere Bereiche entsprechend nachhaltig weiter zu durchsuchen.

Ihre Lektionen haben die armenischen Soldaten in Deutschland gelernt. Hier am Haupttor in Masar-i Scharif ist es ihr erster scharfer NATO-Einsatz. Jeder Fehler kann tödlich enden. Doch das wissen die Soldaten. Aber sie wollen mit dazugehören, damit sie für sich nicht nur hier in Afghanistan, sondern für ganz Armenien wieder internationale Tore öffnen.

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Stand vom: 30.04.12


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