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Im Einsatz in Kosovo: Die Operational Reserve Force

Pristina/Nord-Kosovo, 28.11.2011.
Seit zwölf Jahren sind Soldatinnen und Soldaten der NATO und befreundeter Streitkräfte in Kosovo im Einsatz. Die Kosovo Force (KFOR) umfasste im 1. Kontingent im Jahre 1999 rund 50.000 Mann. Bis heute ist die Anzahl der Soldaten auf beinahe ein Zehntel der ursprünglichen Truppenstärke zusammengeschmolzen. Doch es gibt schnell verfügbare Reserven.

Silhouette zweier deutscher Soldaten vor Stacheldraht

Am Stacheldraht: Die Spannung ist zu spüren (Quelle: dpa/Xhemaj)Größere Abbildung anzeigen

Generell hat sich die Sicherheitsarchitektur im Land drastisch gewandelt. In erster Linie sind für die Sicherheit der 2008 gegründeten Republik Kosovo die Polizeieinheiten des Landes verantwortlich. Ihnen stehen die Beamten der Europäischen Polizeimission EULEX (EU-Mission zum Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen) zur Seite. Nur wenn die Kapazitäten dieser Behörden bei einer Eskalation von Gewalt nicht mehr ausreichen, greift die KFOR ein.

Und auch die KFOR hat ihre eigenen Reserven. Die NATO unterhält ausgebildete Reservetruppen, die auf Antrag des KFOR-Befehlshabers und nach Freigabe durch die NATO in kürzester Zeit ins Einsatzgebiet verlegt werden können.

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Schnell verfügbare Reserve

Ein Bataillon dieser Operational Reserve Force (ORF) ist seit August 2011 im Einsatz, nachdem die Spannungen an den Nordgrenzen und bald auch in weiten Teilen der Nordregion des Kosovo ab Juli 2011 eskalierten. Grenzbeamte der kosovarischen Regierung und Angehörige von EULEX wurden von Serben attackiert. Ein Grenzübergang stand in Flammen, ein kosovarischer Beamter starb.

Die KFOR griff ein, doch die Gewalt hielt an. Anfängliche Gespräche scheiterten bald wieder. Die serbischen Einwohner des Nordkosovo errichteten Blockaden, man igelte sich ein. Die Einsatzkräfte der KFOR standen im Dauereinsatz. Der Befehlshaber KFOR forderte bei der NATO die Reservetruppen an.

Beladene LKW und Busse stehen quer auf einer Straße. Deutsche Soldaten sichern die Sperre

Dicht an dicht: KFOR-Truppen an einer Straßensperre (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Einsatz an den Straßensperren

Wenige Tage nach dem Einsatzbefehl durch die NATO flogen die ersten Kräfte des ORF-Bataillons ins Kosovo. Der aus etwa 550 deutschen und 150 österreichischen Soldaten bestehende Verband verlegte in der Folge in mehreren Lufttransporten ins Einsatzgebiet. Die Soldatinnen und Soldaten übernahmen vor Ort Fahrzeuge und Bewaffnung des Bataillons. Nach Herstellung der Einsatzbereitschaft kam der Verband auch unmittelbar zum Einsatz.

Stationiert sind die Soldatinnen und Soldaten des ORF-Bataillons vor allem im zurzeit kritischen, serbisch geprägten Norden des Landes. Teile des Stabes befinden sich im Süden – im Feldlager Prizren – der eigentliche Bataillonsgefechtsstand im nördlichen Feldlager Novo Selo. Die meisten der Soldaten der Einsatzkompanien jedoch sind an den Schwerpunkten eingesetzt. Sie stehen den serbischen Demonstranten an den Straßensperren zum Teil unmittelbar gegenüber.

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Gut organisierter Widerstand

Die Bewegungsfreiheit der kosovarischen Bevölkerung – sie zu garantieren ist einer der wesentlichen Aufträge von KFOR überhaupt – ist durch die Straßensperren, die große Teile im Norden des Landes blockieren, stark eingeschränkt. Und damit auch die Bewegungsfreiheit der kosovarischen Behörden, von EULEX und von KFOR selbst.

Die Demonstranten an den Sperren sind gut organisiert. Die Blockaden bestehen aus zusammengeschobenen Fahrzeugen, Baumstämmen oder Baumaterial. Hinter den Blockaden sind oftmals Zelte aufgestellt, die den Demonstranten zum Aufwärmen oder sogar zum Übernachten dienen. Die Sperren sind ständig von Menschen gesichert, die verhindern sollen, dass die KFOR sie ohne Widerstand räumen kann.

Deutsche Soldaten sitzen neben einem Räumpanzer

In Bereitschaft: KFOR-Soldaten mit schwerem Gerät (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Bereit auch für den Räumbefehl

Dennoch wurden von den Soldaten des ORF-Bataillons schon einige Blockaden geräumt – jedoch nur aus taktischen Gründen, um etwa die eigene Bewegungsfreiheit herzustellen. Die Straßen dagegen dauerhaft freizuhalten, erwies sich als schwierig. Die Demonstranten leisteten teilweise erbitterten Widerstand, auch sogenannte nichttödliche Waffen, wie etwa Reizstoffe oder Gummigeschosse, kamen deshalb durch die KFOR bereits zum Einsatz.

Die Soldaten wissen, dass die Demonstranten Straßensperren an anderer Stelle fast zeitgleich wieder aufbauen können – in beinahe der gleichen Geschwindigkeit, wie die KFOR die vorhergehende beseitigen kann. Das Material, um eine geräumte Sperre ein paar Meter weiter wieder aufzubauen, liegt oftmals schon am Straßenrand bereit.

Jeder der Soldaten weiß, dass diese Situation weder polizeilich noch militärisch zu lösen ist, dass der Konflikt vielmehr einer politischen Lösung bedarf. Dennoch halten sie die Stellung und sichern die Umgebung. Und sie halten sich bereit: im Zweifel auch zur Umsetzung eines Räumbefehls.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Steffen Maluche


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