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Nahaufnahme: Die 3. Einsatzkompanie des ORF-Bataillons

Novo Selo/Mitrovica, 30.11.2011.
Die 3. Einsatzkompanie des ORF-Bataillons ist vor allem zur Sicherung von Sperren und des Grenzübergangs Dog 31 in Nordkosovo eingesetzt. Das Aufgabenspektrum der Kompanie ist umfassend.

Soldaten tragen Ausrüstungsgegenstände

Bepackt und müde: Soldaten kehren vom Grenzübergang zurück (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Bisher haben wir so ziemlich alles mitgemacht, was das Aufgabenspektrum hergibt“, sagt Major Tilmann R., Chef der 3. Kompanie. „Das umfasst Patrouillen im Raum, die Absicherung von Mitrovica; vor allem sind ständig zwei Züge zur Absicherung eines Grenzübergangs eingesetzt“, erklärt er.

Die deutschen ORF-Soldaten unterstützen französiche KFOR-Soldaten, die den Grenzübergang Dog 31 sichern. „Anfangs hatte das für die Kameraden dort sogar fast einen Hauch von Abenteuer“, findet Oberstabsfeldwebel Michael M., Kompaniefeldwebel. Die ersten Tage verbrachten die an der Grenze eingesetzten Soldaten unter anderem mit Schanzarbeiten. Schützenmulden wurden ausgehoben, die eigene Sicherung hatte oberste Priorität.

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Mitrovica: Eine Brücke als Symbol

Mitrovica ist noch immer einer der ständigen Unruheherde in Kosovo. Der überwiegend durch serbische Kosovaren bevölkerte Nordteil ist vom albanischen Süden durch den Fluss Ibar getrennt. Die Austerlitz-Brücke, eigentlich Sinnbild für Einheit und Verbindung, überspannt den Fluss. An der Brücke waren noch bis 2008 dauerhaft Sperranlagen angelegt. KFOR kontrollierte den Verkehr und Passanten, die den Stadtteil wechseln wollten.

Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Frühjahr 2008 wurden die Sperren nach und nach zurückgebaut; die Sicherungssoldaten der KFOR abgezogen. Primär übernahm die kosovarische Polizei die Verantwortung. Heute ist die Brücke wieder gesperrt, gesperrt durch die serbischen Bewohner der Stadt, die eine Barrikade auf der Nordseite errichteten.

Aufgeschüttete Erde mitten auf einer Brücke

Blockiert: Die einst verbindende Austerlitzbrücke (Quelle: dpa/Xhemaj)Größere Abbildung anzeigen

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Realistische Vorbereitung im Übungszentrum

Die Ausbildung für die Angehörigen des ORF-Bataillons ist umfassend. Auch im Gefechtsübungszentrum des Heeres, „GÜZ“ genannt, mussten die Angehörigen des Verbandes ihr Können unter Beweis stellen. „Der Einsatz verläuft tatsächlich so, wie wir ihn dort in Szenarien geübt haben“, erklärt Major R. „Anfangs konnte ich mir das gar nicht so recht vorstellen, werden doch viele Szenarien durchgespielt, die zunächst recht unwahrscheinlich erscheinen“, meint er.

Und doch haben sich die geübten Situationen in vollem Umfang im wahren Leben in Nordkosovo abgespielt. „Bis hin zum Einsatz von nichtletalen Waffen“, sagt R.

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Unterstützung der EU-Mission EULEX

Zum Aufgabenkatalog des ORF-Bataillons gehört auch die indirekte Unterstützung von EULEX (Anmerkung: EU-Mission zum Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen). Zwar dürfen die ORF-Soldaten selbst keine Festnahmen von verdächtigen oder gesuchten Personen durchführen – Festnahme-Aktionen von EULEX unterstützen sie dennoch.

Wir leisten hierfür die Absicherung. Das heißt, wir stellen den äußeren und inneren Ring bei einer solchen Aktion. Personen dürfen wir im Übrigen zeitlich befristet festhalten. Dann müssen wir sie an die zuständigen Behörden übergeben“, erklärt der Major.

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Das Feldlager ist voll

Das Feldlager Novo Selo, zwischen der Hauptstadt Pristina und Mitrovica gelegen, ist die eigentliche Operationsbasis des ORF-Bataillons. Das Feldlager ist Heimat hauptsächlich für französische und marokkanische KFOR-Soldaten und beherbergt seit 2010 auch die deutsche Einsatzkompanie KFOR. Große Teile des ORF-Bataillons sind seit Einsatzbeginn gleichfalls dort stationiert.

Die Unterkunftskapazitäten des Camps sind erschöpft. So sind die meisten Angehörigen des Verbands im Feldlager Novo Selo in einer Zeltstadt untergebracht. Die Soldaten wohnen auf engstem Raum; Material, Ausrüstung und Kompaniegefechtsstände sind ebenfalls in den Zelten untergebracht.

Ein Hubschrauber startet neben zwei Soldaten, die inmitten von Rucksäcken sitzen

Luftransport „Made in Russia“: Ein Mi-8-Hubschrauber landet. (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

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Versorgung aus der Luft

Die Versorgung des Personals und auch der Austausch der Soldaten, die zur Sicherung an den Grenzübergängen eingesetzt sind, muss aufgrund der Straßensperren größtenteils aus der Luft erfolgen. Als ein Mi-8-Hubschrauber der KFOR im Feldlager landet, wird gehörig Staub aufgewirbelt. Am Hubschrauber-Landeplatz halten sich französiche KFOR-Soldaten bereit, die zum Grenzübergang Dog 31 fliegen werden.

Nach der Landung verlassen zunächst deutsche Soldaten des ORF-Bataillons den Hubschrauber. Sie sind mit Ausrüstung und ihren Waffen bepackt, schleppen Kisten voll Material aus dem Bauch der wartenden Maschine. Nur wenige Minuten später hebt der Heli mit den französischen Kameraden wieder ab, die Deutschen sammeln sich und beladen die bereitstehenden Fahrzeuge.

Sieben Tage waren wir jetzt am Dog 31 eingesetzt. Zwei Wochen werden wir jetzt im Feldlager Novo Selo sein, werden unsere Ausrüstung überprüfen und andere Aufträge bekommen. Dann geht's wieder raus“, sagt Hauptfeldwebel Manuel W., Führer des soeben „heimgekommenen“ Bravo-Zugs der 3. Kompanie.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Steffen Maluche


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