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Ein harter Weg zurück ins Leben

Seedorf, 27.10.2010, aktuell – Zeitung für die Bundeswehr.
Nach einem Anschlag war für Ralf Rönckendorf nichts mehr wie es war – das Bundeswehrsozialwerk half.

Rönckendorf sitzt mit seiner Frau und seinem Sohn am Tisch
Gemeinsamer Neustart: Röckendorf mit Frau und Sohn (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Als Hauptfeldwebel Ralf Rönckendorf bei der Trauerfeier für einen gefallenen Soldaten in der kleinen Kirche in Selsingen sitzt, kommen ihm die Erinnerungen an das Ereignis, das sein Leben veränderte, unweigerlich ins Gedächnis. Auch er ist wie der Gefallene ein Soldat des Fallschirmjägerbataillons in Seedorf. Und auch er wurde Opfer eines Sprengstoffanschlags in Afghanistan. Doch Rönckendorf überlebte, knapp.

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Dunkle Erinnerungen

Es war am Karfreitag dieses Jahres, in Isa Khel, fünf Kilometer westlich des Feldlagers in Kundus. An viele Details kann sich der Sanitätszugführer haargenau erinnern: Wie die Patrouille losfuhr, an die Gesprächsaufklärung, an das Feuergefecht. Ein dumpfer Knall zerreißt plötzlich den Himmel.

Dann wird es dunkel vor seinen Augen. „Ich habe plötzlich nichts mehr gesehen und wusste, irgendwas ist mit meinen Augen“, sagt der Sanitätsfeldwebel heute. Drei Kameraden sterben, zwei werden schwer verwundet. Rönckendorf ist einer von ihnen.

Er hat schwere Gesichtsverletzungen, kann nichts mehr sehen, kaum atmen. Es gelingt ihm noch seinen Arm abzubinden und einem Kameraden zu helfen. „Ich habe gemerkt, wie ich im Hubschrauber abtransportiert wurde und wir dabei beschossen worden sind.“ Dann fällt er ins Koma.

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Ich bin blind

Heute, ein halbes Jahr später, geht Rönckendorf wieder seiner Arbeit als Berufssoldat in Seedorf nach. Jeden Dienstag, Donnerstag und Freitag ist er im Dienst. „Ich arbeite weiterhin bei der Sanitätsausbildung mit, mache Organisatorisches und treibe viel Sport.“ Doch nichts ist so, wie es einmal war. Davon zeugt schon die dunkle Sonnenbrille, die der Hauptfeldwebel trägt. „Ich bin komplett blind“, erklärt Rönckendorf, „habe viele Narben und Wahrnehmungsstörungen. Ansonsten geht es mir einigermaßen gut.“

Doch es war ein harter Weg zurück ins Leben. Tagelang lag der Soldat im Wachkoma, seine Familie immer an seiner Seite. Die Ärzte hatten die Hoffnung fast schon aufgegeben, als Rönckendorf doch wieder erwacht. Eine Sozialarbeiterin im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz vermittelt schließlich den Kontakt zum Bundeswehrsozialwerk (BwSW). Der Hauptfeldwebel stellt Anträge auf finanzielle Unterstützung, die ihm auch gewährt wird.

Außerdem erhält er einen Gutschein für zwei Wochen Urlaub. Im Juli fährt er mit seiner Familie an die Ostsee. „Die Mitarbeiter beim Bundeswehrsozialwerk haben sich wirklich für mich eingesetzt und standen mir zur Seite“, sagt Rönckendorf. „Dafür bin ich sehr dankbar.“

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Musik als Ausgleich

Rönckendorf am Keyboard
Mehr als ein Hobby: Der Soldat am Keyboard (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Mit im Urlaubsgepäck ist auch ein neuer Synthesizer – ebenfalls ein Geschenk des Sozialwerkes. Denn Musik ist eines seiner Hobbys. Sie hilft ihm, über das Geschehene hinwegzukommen und es zu verarbeiten.

Vor dem Anschlag spielte der Berufssoldat mit einem Freund in einer Band. Ihre Songs entwarf er am Computer. Doch jetzt ist er blind, ein Computer nutzlos für ihn. Mit dem neuen Synthesizer kann er nun wieder Musik machen. „Am Anfang war es schlimm für mich. Da beide Trommelfelle geplatzt waren, hatte ich auch kein Gehör mehr“, erinnert sich Rönckendorf. „Jetzt, wo sie wieder ganz sind, höre ich umso feiner, weil meine Sinne sich anstatt auf die Augen mehr auf das Gehör konzentrieren.“

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Eine neue Perspektive

Der Urlaub schweißt die kleine Familie noch enger zusammen. Ganz langsam kehrt die Normalität zurück. Von seiner Kraft will er auch anderen Menschen etwas abgeben, anderen, ebenfalls verwundeten Soldaten, Mut machen. „Ich stehe für viele Kameraden als Gesprächs- und Ansprechpartner zur Verfügung und merke, wie es ihnen hilft, wenn sie mit einem Beteiligten sprechen können.“

Rönckendorf geht mit seiner Geschichte offen um. Sie ist ein Teil seines Lebens. Deshalb nimmt er auch Einladungen zu Veranstaltungen gern an und erzählt von seinen Erlebnissen am Karfreitag und der schweren Zeit danach. „Ich bin sehr froh, dass es solche Einrichtungen wie das Bundeswehrsozialwerk gibt“, sagt der Hauptfeldwebel. „Ich habe ihnen auch den Kontakt zu dem anderen damals schwer verwundeten Kameraden hergestellt und würde mich freuen, wenn sie auch ihm helfen können.“

Im Frühjahr soll er eine neue Reha-Maßnahme beginnen. Dann will er die Blindenschrift lernen, später sogar einen Blindenhund führen. „Es warten neue Aufgaben auf mich“, sagt er voller Elan und kann kaum erwarten, dass es los geht.

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Weitere Informationen

Weiterführende Links

Stand vom: 18.01.12 | Autor: Katalin Birta

http://www.bundeswehr.de/portal/poc/bwde?uri=ci%3Abw.bwde.soziales&de.conet.contentintegrator.portlet.current.id=01DB170000000001%7C8AKKYD979INFO