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Einsatz an den Straßensperren

Zupce/Cabra/Nord-Kosovo, 05.12.2011.
Noch kurz vor den Auseinandersetzungen in Nordkosovo, bei denen 30 KFOR-Soldaten verwundet wurden, war unser Autor Steffen Maluche am späteren Brennpunkt. Sein Bericht zeigt, wie schnell Stimmungen umschlagen können.

Ein deutscher Soldat blickt auf eine Straßensperre aus beladenen LKWs und Bussen

Ein deutscher ORF-Soldat beobachtet eine serbische Straßensperre vor Zupce (Quelle: Steffen Maluche)Größere Abbildung anzeigen

Unweit Mitrovica, auf dem Weg zum kosovo-serbischen Ort Zupce, geht es nicht weiter. Eine Sperre blockiert die Straße. Es ist eine von mehreren Sperren, die Zupce abriegeln. Vor der Ortseinfahrt stehen deutsche ORF-Soldaten mit ihren Fahrzeugen an der Straße. Eine verstärkte Gruppe der 2. Kompanie sichert hier. Gleichzeitig schützen die Soldaten eine Zufahrtsstraße, die in die albanische Enklave Cabra führt. Dieser Observation Point (OP) – gesichert auch durch einen Transportpanzer Fuchs – liegt acht Kilometer westlich von Zubin Potok, das im Norden des Landes zu den größten kosovo-serbischen Städten zählt.

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Zusammenarbeit mit örtlicher Polizei

Aus Zubin Potok stammen auch die kosovo-serbischen Kosovo Police-Beamten, die die KFOR-Soldaten unterstützen. „Die Zusammenarbeit mit den Polizisten ist gut“, versichert Hauptmann Marcel W., Kompaniechef der „Zweiten“. Auf die Kooperation mit den Beamten sind die KFOR-Soldaten dringend angewiesen. Denn die Überprüfung oder Durchsuchung von Fahrzeugen nehmen in erster Linie die Polizisten wahr. „Die Leute haben sich an unsere Anwesenheit gewöhnt. Die Stimmung ist okay“, so Zugführer Hauptfeldwebel Udo M. noch vor wenigen Tagen.

Derweil durchfahren Fahrzeuge die Sperre, doch nur Autos mit serbischen oder gleich ganz ohne Kennzeichen dürfen die serbische Barrikade vor dem OP passieren. Kosovarische Kennzeichen sind für die Blockierer tabu. Serbische Flaggen und Symbole gehören auch hier zum Straßenbild. Gleich neben der Sperre steht ein Zelt zum Übernachten; Feuertonnen erhellen nachts die Szenerie, man richtet sich ein.

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Auf Tuchfühlung an der Sperre

Nur durch die albanische Enklave Cabra können die KFOR-Kräfte den zweiten Observation Point erreichen. Er grenzt unmittelbar an eine kosovo-serbische Barrikade. Noch vor wenigen Tagen gratulierten deutsche Soldaten dem Bürgermeister von Zupce zum 50. Geburtstag. Sein Wohnhaus steht nur wenige Meter hinter der Sperre. Hier flogen am 28. November Steine und Brandflaschen auf die Soldaten. Diese antworteten mit Reizstoffen und Gummigeschossen.

Nur Zentimeter stehen sich Blockierer und Soldaten gegenüber - auch in „ruhigen“ Zeiten. Rund 50 Soldaten sind am zweiten OP dauerhaft eingesetzt. In Schichten wachen sie an der Sperre oder schlafen in den beiden mit 16 und 18 Betten bestückten Unterkunftszelten, die nur wenige Meter hinter der Sperre aufgebaut sind. Während der Tage am OP ist für eine großangelegte Morgentoilette kaum Gelegenheit. Duschen sind schlichtweg nicht vorhanden, und nur wenige Dixi-Toiletten stehen bereit. Leben im Felde

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Die Basis „Cabra Hill“

Die Soldaten werden regelmäßig abgelöst, um sich und ihre Ausrüstung zu reorganisieren. Eine vorgeschobene Operationsbasis, am anderen Ende von Cabra gelegen, nimmt die Soldaten auf. Hier stehen elf Unterkunftszelte und Duschcontainer. Und auch ein beweglicher Arzttrupp steht zur Verfügung, der in nur wenigen Minuten am OP sein kann, sollte er von den Rettungssanitätern, die ständig an der Sperre vor Ort sind, benötigt werden.

In der Basis – „Cabra Hill“ genannt – sind zudem logistische Komponenten und Sicherungskräfte sowie eine Pioniergruppe untergebracht. Die Sicherungskräfte haben feste Posten eingerichtet, bestreifen regelmäßig das Gelände um die Basis herum und halten Verbindung zu den beiden Observation Points.

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Stand vom: 03.12.13 | Autor: Steffen Maluche


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