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„Überleben Land“ – Durchschlageübung und ein langer Weg

Schongau, 30.07.2010.
Im Ausbildungsabschnitt „Überleben Land“ befindet sich meine Gruppe gerade an einem Beobachtungsposten und absolviert die Durchschlageübung. Dabei sind wir über 24 Stunden auf uns allein gestellt und müssen verschiedene Aufgaben erfüllen. Derzeit ist es die Observierung einer T-Kreuzung.

Drei Soldaten überqueren ein Feld bei Nacht
Herausforderung: Durchschlageübung (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Lange Zeit passiert nichts und so kann ein Großteil der Gruppe ruhen und Kräfte sammeln. Doch plötzlich wird es taghell. Vom Wald aus werden die Kreuzung und teilweise auch unsere Stellung ausgeleuchtet.

Wir gehen in Stellung und beobachten das Vorfeld. Etliche Schüsse sind zu hören. Da wir uns kein genaues Bild von dem Vorfall machen können, befehle ich ruhig zu bleiben und weiterhin unentdeckt den Auftrag fortzusetzen. Im Hinterkopf denke ich daran, dass wir keine Patronen haben und so für ein eventuelles Feuergefecht nicht ausgerüstet wären. Der Vorfall wird notiert und gemeldet.

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Treffen mit einem V-Mann

Schließlich erhalten wir den Auftrag den Beobachtungsposten aufzugeben und einen V-Mann zu treffen. Mein Navigator liest die Koordinaten für den Treffpunkt in das GPS-Gerät ein und schon marschieren wir los. Nach einiger Zeit ist die Formation völlig aufgelöst und einige Kameraden traben nur noch hinterher. Höchste Zeit also um für etwas Motivation zu sorgen.

Wir legen eine kurze Pause ein, und ich verteile einen Energieriegel an jeden. Zugleich kann ich mit meinem Navigator noch einmal die Route besprechen und so – hoffentlich – eventuelle Umwege vermeiden. Wir liegen gut in der Zeit, doch ich möchte vor dem Treffen mit dem V-Mann noch einen Halt einlegen.

Doch was ist mit den letzten 500 Metern los? Irgendwas stimmt nicht, da sich die Distanz nicht verringert und der Richtungspfeil wüst ausschlägt. Die Zeit verstreicht und plötzlich sind wir in arger Bedrängnis und müssen im Laufschritt weiter. Dies geht bei jedem an die Substanz, da wir schon stundenlang mit dem Gepäck auf dem Rücken marschieren.

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Weiter trotz Enttäuschungen

Alle Mühe hilft nichts, und wir kommen zwei Minuten zu spät zum Treffpunkt. Wir erhalten die Information, dass sich nun alle Gruppen in der Isolation befinden. Alle sind niedergeschlagen und erschöpft. Auch ich bin enttäuscht, doch irgendwie muss es weiter gehen.

Die neuen Koordinaten zeigen uns den Weg zum Abholpunkt. Zügig begeben wir uns in diese Richtung und treffen auf eine weitere Gruppe. Schnell werden wichtige Informationen ausgetauscht. Auf der Strecke fahren also die vier gestohlenen Geländewagen vom Typ Wolf Patrouille – gut zu wissen. Dann geht es auch schon weiter. Der Boden ist matschig und man versickert schnell im Schlamm, was den Weg für uns noch anstrengender macht.

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Unerkannt bleiben

Soldaten laufen über eine Freifläche
Im Sprung wird die Freifläche überquert (Quelle: Bundeswehr)Größere Abbildung anzeigen

Nach einer halben Stunde hören wir Motorgeräusche. Das sind bestimmt die Wölfe, und deswegen befehle ich meiner Gruppe, direkt im Wald Deckung zu suchen. Angespannt warten wir, denn eins haben uns die Ausbilder vorher gesagt: Wenn sie uns während einer Patrouillenfahrt fassen, müssen wir noch einmal von ganz vorne anfangen. Doch es kommt niemand und so marschieren wir weiter.

Das Ganze wiederholt sich zwei Mal, bis die Wölfe dann wirklich auftauchen. Mehr schlecht als recht liegen wir da und glauben entdeckt worden zu sein. Doch es ist gut gegangen, und wir können weiter. Kurz vor dem vereinbarten Punkt treffen wir auf eine große Freifläche. Diesen Weg zu benutzen, wäre sehr riskant. Außerdem sind wir mittlerweile so paranoid, dass wir überall einen Hinterhalt vermuten.

Ich prüfe mit meinem Navigator andere Optionen und lasse währenddessen zwei Soldaten das Vorfeld beobachten. Doch die Alternative würde mindestens eine Stunde Umweg bedeuten. Nach Abwägen der Risiken und da mir meine Beobachter keine Auffälligkeiten melden, entscheide ich mich für den direkten Weg. Die Freifläche soll gleich im Sprung überquert werden. Nach einer kurzen Pause und den letzten Energieriegeln geht es los, und wir sprinten über die immer länger werdenden 300 Meter. Am Ende haben wir es jedoch gemeinsam ohne Probleme geschafft.

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Warten auf den Hubschrauber

Abschließend errichten wir unser Lager im Wald mit einem verdeckten Feuer und warten. Um 22 Uhr soll uns schließlich ein Hubschrauber abholen. Vorher wird der Funkverkehr verstärkt. Zum Authentisieren fragt mich der Melder aus der Basis nach persönlichen Dingen, die nur ich wissen kann, und so ist sicher, dass wirklich ich mit ihm kommuniziere. Dann hört man schon von weitem Motorengeräusche und den einzigartigen Schlag des Hubschraubers Bell UH-1D.

Mein Melder und ich warten am Landeplatz. Über meinem Kopf halte ich ein Signalgerät, was mit kurzen Blitzen den Landeplatz markiert. Der Hubschrauber landet, und wir knien auf dem Boden und halten die Hände über dem Kopf zusammen. Dann geht alles ganz schnell. Wir werden zu Boden gerissen und einer der Kameraden schreit immer wieder: „Color of the Day“. Doch ich verstehe nichts und kann ihm so nicht antworten. Zum Glück ist mein Melder noch auf der Höhe und antwortet: „Brown.“ Der „Pick-Up“ beginnt und nach wenigen Sekunden ist die gesamte Gruppe im Hubschrauber.

Wir werden wieder zurück zum Sauwaldhof geflogen und sind völlig euphorisiert. Was für ein tolles Erlebnis, mit einem Hubschrauber der Luftwaffe zu fliegen. Am Ende werden die Leistungen ausgewertet, und wir sind froh, diesen Abschnitt hinter uns zu haben. Ich hatte ein tolles Team und merke, dass die Gesamtleistung, trotz kleinerer Pannen gut war. Erschöpft aber glücklich geht es weiter.

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Stand vom: 06.09.2010 | Autor: Dominique Mosen

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