Berliner Schüler auf Entdeckungstour im Verteidigungsministerium
Berlin, 23.01.2009.
Rund 20 Schülerinnen und Schüler der Nelson-Mandela-Schule aus Berlin-Charlottenburg haben den Deutsch-Französischen Entdeckungstag genutzt, für einen Ausflug in den Berliner Dienstsitz des Bundesministeriums der Verteidigung. Sie erfuhren viel über die Bundeswehr, die Sicherheits- und Verteidigungspolitik und über multinationale Bündnisse und Beziehungen – auch die deutsch-französischen.

„Als ich damals als Stabsoffizier in Paris eingesetzt war, konnte ich nicht einmal eine Kugel Eis bestellen
“, erinnert sich Oberstleutnant Dr. Stephan Döring und lacht. Er gehört heute zum Arbeitsbereich Öffentlichkeitsarbeit des Ministeriums, der die Schüler offiziell eingeladen hat. Zur Begrüßung erzählt er kurz und anekdotenreich von seinen „deutsch-französischen Erfahrungen“.
Auch der französische Verbindungsoffizier im Verteidigungsministerium, Oberstleutnant (französisch: Lieutenant-Colonel) Richard Coleman tut das – aus französischer Sicht. Er berichtet von den verschiedenen Stationen seiner militärischen Laufbahn und gibt den Schülern ganz persönliche Einblicke in das Berufsleben eines Offiziers.
Beide machen deutlich, dass ebenso wie in großen Unternehmen auch in Politik und Militär Internationalität eine wichtige Rolle spielen. „Wir alle stehen vor vielen neuen Herausforderungen und es ist klar, dass wir sie nicht alleine lösen können.
“

Die Bundeswehr entdecken
Der Deutsch-Französische Entdeckungstag ist für die Schülerinnen und Schüler in vielerlei Hinsicht interessant. Sie erfahren, wie eng die deutsch-französischen Beziehungen sind und welche Rolle sie in der internationalen Sicherheits- und Verteidigungspolitik spielen. Sie lernen die Bundeswehr als eine Armee mit vielfältigen und interessanten Aufgaben kennen, und sie erkennen, dass diese Aufgaben meist in multinationalen Stäben oder Truppenverbänden erfüllt werden. Wissen um die Geschichte, die Kultur und die Sprache der anderen ist immer gefragt.
„Wie viele Frauen sind eigentlich bei der Bundeswehr?
“, „Was genau macht der Wehrbeauftragte?
“ und „Wer ist der Generalinspekteur?
“ Für Schülerfragen wie diese stehen die Jugendoffiziere der Bundeswehr Rede und Antwort. Kapitänleutnant Mario Sejnowsky ist einer von ihnen und er erklärt den Schülern anschaulich alles über Aufgaben und Strukturen der Bundeswehr und über Sicherheitspolitik im Allgemeinen. Der Besuch im historischen Bendlerblock ist auch Gelegenheit, auf die Geschichte des deutschen Widerstandes einzugehen.
Aufmerksame und interessierte Besucher
„Man denkt immer, dass man sich schon gut auskennt. Aber in Wirklichkeit gibt es ja noch viel mehr zu erfahren
“, sagt Andreas Jooß (16). Gerade haben er und seine Mitschüler einen Film über den Aufbau der Bundeswehr und das Verteidigungsministerium gesehen.
Unter anderem wurden die Leitungsebenen und die Führungsstäbe vorgestellt: Wer arbeitet dem Minister zu, und wer gehört zum Stab des Generalinspekteurs. „Das ist ganz schön komplex, aber trotzdem übersichtlich
“, sagt er und man hört ein leises Staunen aus seinen Worten. Für die meisten Schülerinnen und Schüler ist es der erste direkte Kontakt zur Bundeswehr.

Einblicke in eine mögliche Berufswelt
Sie sind zwischen 16 und 19 Jahre alt und steuern auf das Abitur zu. Bald müssen sie sich entscheiden, welchen Beruf sie erlernen oder welches Studium sie absolvieren möchten. Dass sie auf einer internationalen Schule, wie der Nelson-Mandela-Schule sind, ist kein Zufall.
Viele stammen aus Diplomatenfamilien, haben zwei Staatsbürgerschaften und sind bereits viel in der Welt herum gekommen. Ihre gemeinsame Sprache ist Englisch, erst an zweiter Stelle steht Deutsch. Französisch ist die dritte Pflichtsprache – und nicht bei allen das Lieblingsfach.
Dass sie den Deutsch-Französischen Entdeckungstag für einen Besuch im Verteidigungsministerium nutzen, ist vor allem dem Engagement ihrer Lehrer zu verdanken. Sie wollen nicht nur das Interesse an Frankreich und der Sprache wecken, sie wollen den Schülern vor allem auch Orientierungshilfe bei Ausbildungs- und Berufsplanung bieten.
„Es gibt einige, die sich für eine Offizierslaufbahn bei der Bundeswehr interessieren
“, weiß Lutz Mannes. Der Lehrer für Politik und Geschichte ist überzeugt, dass die Bundeswehr für Schüler der Nelson-Mandela-Schule ein interessanter Arbeitgeber ist. „Sie ist vielfältig, multinational und bietet eine gute Ausbildung inklusive Studium.
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„Das war sehr aufschlussreich
“, sagt Niklas Anspach. Er interessiert sich schon länger für eine Offizierlaufbahn bei der Bundeswehr. „Ich würde dann gerne zur Luftwaffe gehen
“, sagt er und fügt hinzu, dass sein Vater bei der Marine ist. „Aber er ist damit einverstanden.
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Eine Mitschülerin aus der 13. Klasse räumt ein, dass sie ein „eher festgefahrenes Bild
“ von der Bundeswehr hatte. „Ich habe nun gesehen, dass es ja auch viele Frauen in Uniform gibt.
“ Das sei ihr nicht klar gewesen. Auch dies zählt zu den Entdeckungen des Deutsch-Französischen Entdeckungstages.
Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen in der Kantine im Bendlerblock sorgen diese und weitere Erkenntnisse für angeregte Gespräche zwischen den Schülern, Lehrern und Bundeswehroffizieren.
