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Neues digitales Führungssystem vorgestellt

Neues digitales Führungssystem vorgestellt

  • Digitalisierung
  • Heer
Datum:
Ort:
Frankenberg
Lesedauer:
3 MIN

Mit dem neuen Gefechtsführungssystem der Landstreitkräfte erhält die Truppe ein digitales Werkzeug zum präzisen Führen militärischer Operationen. Im sächsischen Frankenberg stellt die Truppe jetzt vor, wie das System funktioniert und wie es aktuell in die Fahrzeuge eingebaut wird.

Ein Soldat arbeitet unter Rotlicht im Kampfraum eines Gefechtsfahrzeuges am Computer.

Mit dem neuen digitalen Führungssystem erhalten die Soldaten jetzt ein nutzbares Werkzeug, um den Herausforderungen auf dem Gefechtsfeld von morgen zu begegnen.

Bundeswehr/Marco Dorow

Gemeinsam mit der Streitkräftebasis und dem Kommando Cyber- und Informationsraum stellt das Heer in Frankenberg sein neues digitales Führungssystem der Landstreitkräfte vor. Das Battle Management System (BMS) soll die Gefechtsteilnehmer und die Führungsstäbe untereinander vernetzen und damit ein präzises, aktuelles Lagebild auf einen Blick für jeden Nutzer erzeugen. Führungsentscheidungen können dank des neuen intuitiven Systems schneller, präziser und einfacher getroffen werden. Die Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“ wird als erste Brigade der Bundeswehr mit der neuen Technologie ausgestattet. In drei Jahren soll sie die Führung der Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ), der Schnellen Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization, übernehmen. Bis dahin müssen Bildschirme, Server, Router und weitere Gegenstände in sämtliche Fahrzeuge eingebaut, die frische Software aufgespielt und das Personal daran ausgebildet sein. 

Schnell abrufbares Lagebild

Ein Soldat sitzt in einem Fahrzeug vor einem Bildschirm und spricht mit einem Soldaten, der in der offenen Seitentür steht.

Bei der Einführungsveranstaltung macht sich der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais (l.), ein Bild von den Einbauarbeiten und der Funktionsweise des neuen Systems im Führungs- und Funktionsfahrzeug Eagle.

Bundeswehr/Marco Dorow

Das BMS basiert auf der bewährten Softwarefamilie Sitaware, die bereits andere NATONorth Atlantic Treaty Organization-Mitgliedsstaaten nutzen. Die gemeinsame, einsatzbewährte Technologie soll das Zusammenspiel mit den internationalen Partnern massiv verbessern. Gegenseitig profitieren die Streitkräfte von gemeinsamen Aufklärungsergebnissen und Lagemeldungen, die auf den digitalen Geräten übersichtlich und einheitlich in Form von militärischen Symbolen dargestellt werden.

So hat das Führungspersonal, vom Fahrzeugkommandanten eines Kampfpanzers bis hin zu den Kommandeuren im Führungsstab, ein klar definiertes und schnell abrufbares Lagebild. „Unsere internationalen Verpflichtungen verdeutlichen, dass Deutschland in seiner Rolle als Anlehnungspartner im multinationalen Umfeld anschlussfähig sein muss. Es geht darum, Führungsfähigkeit im multinationalen Kontext herzustellen. Das Gefechtsfeld entwickelt sich außerdem zunehmend dynamisch, die Abläufe werden schneller. Das sind die Herausforderungen, denen wir mit dem Battle Management System begegnen“, verdeutlicht der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais, bei der gemeinsamen Einführungsveranstaltung am 26. Mai in Frankenberg. 

So funktioniert das System

Für die VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 wird das System erstmalig im Zusammenhang mit Bündnispartnern eingesetzt.

So geht Beschaffung

Ein Soldat arbeitet in einem Zelt an einem Laptop.

Die Benutzeroberfläche des neuen Führungssystems ist für Soldaten intuitiv bedienbar. Die genaue Position der Gefechtsteilnehmer erscheint auf einer Karte nahezu in Echtzeit.

Bundeswehr/Marco Dorow

Um das richtige System für die Landstreitkräfte zu finden, wurde ein eigener Test- und Versuchsverband am Standort Munster aufgestellt. Er verbaute die benötigten Systeme in den Fahrzeugen. Dafür hatten verschiedene Hersteller ihre Produkte, im Fall des BMS eine Softwarelösung, zur Verfügung gestellt. Die Systeme testete dann die Truppe selbst unter taktischen Kriterien nach einem normierten und justiziablen Verfahren auf Herz und Nieren.

Die User Experience, also wie die Soldaten letztendlich mit dem Produkt umgehen, stand im Vordergrund der wissenschaftlichen Testverfahren. Nach den Tests sprach die Truppe ihre Empfehlung für eine Softwarelösung aus. Für die Beschaffung selbst ist jedoch das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr in Koblenz zuständig. Die Soldaten profitieren von der engen Kooperation, denn schließlich müssen sie künftig mit ihrem Material arbeiten und sich auf die Qualität und Funktion ihrer Ausstattung verlassen können. 

Erste Erfahrungen in den Bataillonen

Drei Soldaten mit Mundschutz stehen vor Gefechtsfahrzeugen und sprechen miteinander.

Auch andere Bereiche der Bundeswehr erhalten die neue Technologie für ihren Auftrag als Schnelle Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization in drei Jahren. Davon überzeugt sich der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Alfons Mais (2. v. r.), in Frankenberg.

Bundeswehr/Marco Dorow

Der Einbau und die Nutzung des neuen Systems werden die Führungsfähigkeit der VJTFVery High Readiness Joint Task Force -Brigade maßgeblich verbessern. Die Brigade führt sieben Bataillone mit insgesamt knapp 5.000 Soldatinnen und Soldaten. In den folgenden Jahren wird sich die Brigade neben den Einsätzen hauptsächlich auf ihren Auftrag als Schnelle Eingreiftruppe der NATONorth Atlantic Treaty Organization vorbereiten. Neben der Brigade aus Frankenberg leisten aber auch weitere Kräfte aus anderen Bereichen der Bundeswehr ihren Beitrag bei der VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023. Sie werden daher ebenfalls mit der neuen Technologie ausgestattet.

VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023: „Wir sind voll auf Kurs“

So hat beispielsweise das ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehrbataillon 750 aus dem baden-württembergischen Bruchsal erste Erfahrungen beim Einbau des Systems gesammelt. Das Bataillon zeigt, dass es der Truppe selbst gelingt, die Fahrzeuge umzurüsten. Damit begannen die Soldaten in den vergangenen Wochen. Der Aufwand variiert zwischen den Fahrzeugmodellen. „Im Schnitt dauert die Umrüstung eines Fahrzeugs zwei Stunden und ist auch durch nicht spezialisiertes Personal unter fachlicher Aufsicht möglich“, erklärt Projektoffizier, Oberstleutnant Bodo Bock, aus dem Bereich der Streitkräftebasis, der gemeinsam mit den Soldaten das Projekt mit viel Engagement vorantreibt. Die einfache Technik soll die Truppe beim Umbauprozess künftig entlasten.

von Peter Müller
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