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Lernen auf Abstand

Lernen auf Abstand

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Datum:
Ort:
Dresden
Lesedauer:
3 MIN

Seit dem 20. April hat die Offizierschule des Heeres in Dresden (OSHOffizierschule des Heeres) den Ausbildungsbetrieb wiederaufgenommen, nachdem unter anderem der Offizierlehrgang militärfachlicher Dienst für mehrere Wochen unterbrochen war.

Im Hörsaal sitzen drei Soldaten im Abstand von mindestens zwei Metern und verfolgen den Unterricht.

Während der Ausbilder mit den Anwesenden im Hörsaal direkt kommuniziert, können weitere Soldaten via Livestream das Geschehen im Nachbarhörsaal oder in ihrer Einzelunterkunft mitverfolgen.

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Bedingt durch die Coronakrise wurde der Lehrgangsbetrieb an der OSHOffizierschule des Heeres zwischenzeitlich ausgesetzt. Sehr viele Lehrgänge sowie Weiterbildungen wurden abgesagt. Seit Mitte April wird der für die weitere militärische Laufbahn wichtige Ausbildungsbetrieb nach und nach wieder hochgefahren. Nichts ist jedoch so wie vor der Corona-Pandemie. Es gelten strikte Hygienevorschriften, Abstandsregeln müssen eingehalten werden, Lehrpläne wurden grundlegend überarbeitet und Bewegungsmuster verändert. Die Ausbildungsbedingungen in Zeiten von Corona wurden stark verändert und angepasst.

Abschlussappell der Absolventen

Vogelperspektive auf einen Appellplatz umgeben von Bäumen: Soldaten sind angetreten und stehen in weitem Abstand voneinander.

Auflockerung im Ehrenhain der Graf-Stauffenberg-Kaserne: Beim Schlussantreten des 64. Offizierlehrgangs des militärfachlichen Dienstes nehmen 58 Absolventen Aufstellung.

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Laufbahnrelevante Lehrgänge, wie die des Offizierlehrgangs militärfachlicher Dienst, haben in der Bundeswehr eine besondere Bedeutung für die Soldatinnen und Soldaten. „Um Nachteile für Lehrgangsteilnehmende durch weggefallene Lehrgänge zu vermeiden, werden im Heer und insbesondere hier an der OSHOffizierschule des Heeres maximale Anstrengungen unternommen, um eine den Coronabedingungen entsprechende verantwortungsvolle Durchführung der Lehrgänge zu gewährleisten. Deshalb bin ich stolz, die Teilnehmer des 64. Offizierlehrgangs militärfachlicher Dienst nach erfolgreichem Abschluss in gebührender Form verabschieden zu können“, sagt Brigadegeneral Martin Hein beim Schlussappell.

E-Learning auf der Stube

Fünf Soldaten sitzen nebeneinander in einem Unterrichtsraum, jeder an einem einzelnen Tisch.

Im Hörsaal der Offizierschule sitzen die Auszubildenden im Abstand von mindestens 1,5 Meter.

Bundeswehr/Sebastian Kelm

Das IT-gestützte Lernen an der Dresdner OSHOffizierschule des Heeres erlebt gerade seine Bewährungsprobe, genauso wie die IT-Manager im Bereich E-Learning. Sie müssen die Hard- und Software für die Unterrichtseinheiten während dieser Zeit fithalten. Durch das E-Learning-Portal der OSHOffizierschule des Heeres können die Offizieranwärter auch auf ihren Einzelstuben lernen, Arbeitsergebnisse dokumentieren und sich mit Hörsaalkameraden austauschen. Geleitet werden die unterschiedlichen Kurse auch online durch die Ausbilder, beispielsweise durch Hörsaalleiter oder Rechtslehrer.

Oberstleutnant Sebastian Nieder, Abteilungsleiter technologiegestützte Ausbildung, hat dabei alle Hände voll zu tun. Nicht nur eine kontaktlose Ausgabe der Laptops an jeden Lehrgangsteilnehmer, sondern auch die durchgängige Bewältigung der Livestream-Anteile der verschiedenen Unterrichtsfächer und die Überwachung der Auslastung der IT-Netze will organisiert sein. „Seit sich durch Corona unsere Lehrgangsteilnehmenden mehr Wissen im Selbststudium erarbeiten, stößt unsere IT-Infrastruktur zuweilen an ihre Grenzen. Improvisation und Ressourcenmanagement sind die Gebote der Stunde“, erläutert er.

Von diesen und anderen Maßnahmen überzeugte sich Generalleutnant Stephan Thomas, der Kommandeur Deutscher Anteil Multinationale Korps und Militärische Grundorganisation, Anfang Mai bei der Dienstaufsicht an der OSHOffizierschule des Heeres.

Eine von vier Truppenärzten

Eine Truppenärztin in Schutzkleidung entnimmt einem Patienten eine Rachenprobe mit einem Teststäbchen.

Die persönliche Schutzausrüstung, die Oberstabsarzt Simone Klinner hier trägt, ist vorgeschriebene Bekleidung. „Wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind, entnehmen wir für den Coronatest einen Abstrich aus dem Rachen.“

Bundeswehr/Anne Weinrich

Oberstabsärztin Simone Klinner ist eine von vier Truppenärzten im Sanitätsversorgungszentrum in Dresden. Auch während der Corona-Pandemie sorgt sie dafür, dass alle Soldaten diagnostiziert und behandelt werden. Das Personal des Sanitätszentrums wird täglich auf Krankheitssymptome geprüft. Dazu gehört unter anderem die Körpertemperaturmessung. „Für uns als Angehörige des Sanitätsdienstes ist es jetzt besonders wichtig, besonnen mit der Situation umzugehen, um höchstmögliche Hygiene auf unserer Station zu bieten und unsere Patienten auch unter den aktuellen Bedingungen so gut wie möglich behandeln zu können.“

Durchschnittlich drei Coronatests werden täglich am Sanitätszentrum der Bundeswehr in Dresden vorgenommen: Mit einem Fragebogen wird zuerst geprüft, ob der Patient Kontakt zu Infizierten hatte und welche Symptome er zeigt. Nur Akutpatienten und chronisch Kranke werden in diesen Tagen vom Sanitätszentrum behandelt und nur relevante Begutachtungen durchgeführt. „Wir arbeiten in Schichten und haben unseren Dienst so aufgeteilt, dass wir auch Infizierte behandeln könnten“, erzählt Simone Klinner. Am Standort Dresden mit derzeitig ungefähr 600 Lehrgangsteilnehmenden wurde noch kein bestätigter Coronafall diagnostiziert.

Waschcontainer extra aufgestellt

Zwei Soldaten mit Atemschutzmasken waschen sich in einem Hygienecontainer die Hände.

Neue Routinen: Händeschütteln ver-, Händewaschen geboten. Unteroffizier Moritz Flach und Obergefreiter Nick Anders, Soldaten in der Heimbetriebsgesellschaft der Offizierschule des Heeres, desinfizieren ihre Hände im Waschcontainer.

Bundeswehr/Anne Weinrich

Seit wenigen Wochen ist er in Betrieb, der zusätzliche Waschcontainer vor der Truppenküche der Graf-Stauffenberg-Kaserne. Schritt für Schritt startet an der OSHOffizierschule des Heeres  der Lehrbetrieb wieder und damit die Auslastung der Truppenküche. Mitarbeiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Dresden haben die Aufstellung des Containers als Ergänzung vorhandener Infrastruktur begleitet und überwacht.

Ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Mit den verschärften Abstandsregeln und Hygienekonzepten wurde es zunehmend schwieriger die Verköstigung der zahlreichen Lehrgangsteilnehmer zu gewährleisten. Aus diesem Grund liefert die Truppenküche das Mittagsessen seit Kurzem außer Haus. Die Kompaniefeldwebel der OSHOffizierschule des Heeres, von den Soldaten Spieße genannt, holen die Portionen an der Küche ab. Das Essen findet dezentral auch im Hörsaalgebäude statt, um Menschenansammlungen im Speisesaal zu vermeiden. Außerdem kann man den neu eingeführten Lieferservice der Heimbetriebsgesellschaft für Pizza, Salate und Burger nutzen. Auch dadurch wird ein Andrang in der Truppenküche deutlich reduziert.

Ein Soldat schöpft Nudeln aus einem Wärmebehälter, eine Soldatin steht davor und wartet auf ihr Essen.

Abstand halten beim Essen: Der Inspektionsfeldwebel verteilt das Essen an die Teilnehmenden des Offizierlehrgangs 1.

Bundeswehr/Sebastian Kelm


von  Marcus Kornek, Cornelia Riedel

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