Mongolischer Kommandeur

„Ich bin den Deutschen dankbar“

„Ich bin den Deutschen dankbar“

  • Multinationalität
  • Heer
Ort:
Ulaanbaatar
Lesedauer:
5 MIN

„Übungsunterbrechung!“, ruft der deutsche Ausbilder seinen mongolischen Auszubildenden an der Station Hinterhalt zu. Wir sind mitten in der Steppe 40 Kilometer westlich Ulaanbaatars. Auf der Spitze eines steinigen Felsvorsprungs sitzt rauchend Oberstleutnant Khorolgarav Zoljargal. Er ist der Kommandeur des mongolischen Gebirgsjägerbataillons 331 und hat gerade aus sicherer Entfernung einen Übungsdurchgang seiner Soldaten beobachtet.

Gestern erst hatte er dem Generalstab in der mongolischen Hauptstadt die Übernahme seines Bataillons gemeldet. Heute ist er draußen bei seiner Truppe. Wir interviewen ihn auf einem Felsvorsprung. 

Ein Stabsoffizier steht lächeln in der mongolischen Steppe.

Oberstleutnant Khorolgarav Zoljargal ist der Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 331 aus Sagsai im Westen der Mongolei

Bundeswehr/Marco Dorow

Seit vier Jahren bilden deutsche Gebirgsjäger die Soldatinnen und Soldaten Ihres Verbandes aus. Wie bewerten Sie die Unterstützung?

Oberstleutnant Zoljargal: Dass die deutschen Kameraden meine Soldaten ausbilden, bringt uns unglaublich viel. Dabei möchte ich insbesondere die taktische Gebirgsausbildung durch die Heeresbergführer in den mongolischen Gebirgen und die Verfahren zum alpinen Bergsteigen hervorheben. Das war für uns alles komplett neu. Deswegen bin ich sehr dankbar für die deutsche Unterstützung. Besonders dankbar bin ich Oberstleutnant Johannes Schwegler, der deutsche Ausbildungsleiter dieser Mission. Er steckt so viel Herz in diese Mission. Vor ein paar Jahren ist er sogar persönlich an unseren Heimatstandort gekommen und hat dort ganz allein innerhalb von neun Tagen einen Klettergarten im Gebirge für unser Bataillon eingerichtet. Damals war ich noch Chef des Stabes in meinem Verband und ich fragte ihn, ob er denn keine Angst hätte, schließlich gibt es dort eine Menge wilder Wölfe. Darauf antwortete er nur: „Ich habe doch meinen Hammer dabei. Ich kann kämpfen.“ Was ich damit sagen will: Ohne ihn wäre diese Ausbildungsunterstützung nicht die gleiche. Er macht alles möglich für uns. Einfach ein klasse Kamerad.

Seit nun 2019 sind Ihre Soldatinnen und Soldaten Teil der Ausbildungsunterstützung des Mobilen Trainingsteams Mongolei. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung Ihrer Frauen und Männer?

Ich bin stolz darauf, was wir in den letzten Jahren erreicht haben. Die positive Entwicklung meiner Soldaten ist deutlich zu erkennen. Insgesamt ist die aufeinander aufbauende Ausbildung sehr gut geplant. Jedes Jahr werden die Themen umfassender und komplexer. Von einer einfachen Schießausbildung im ersten Jahr, über Angriff und Verteidigung bis zum heutigen Tag, wo wir schwierige Szenarien im Jagdkampf üben. Und was ich auch gut finde ist, dass in diesem Jahr nur Soldaten aus meinem Bataillon hier ausgebildet werden. In den letzten Jahren waren ja auch immer mal wieder Fallschirmjäger mit dabei. So können wir uns optimal darauf fokussieren, die Ausbildung auf das Niveau meines Verbandes und die 70 teilnehmenden Soldaten anzupassen. In diesem Jahr bin ich besonders gespannt auf die Ausbildungsabschnitte. Dazu gehören, Angriff, Verteidigung, Jagdkampf bei Tag und Nacht sowie viele spezielle Trainings im Gebirge. Da wird meine Truppe in kurzer Zeit viel lernen. Für den Gebirgskampf sind ja ganz andere Taktiken nötig, als wir es im Kampf im urbanen Gelände kennen. Deswegen brauchen wir die Expertise der Deutschen.

Besonders erfreut bin ich auch über die Kaderausbildung meiner zwölf Ausbilder im Terelj-Gebirge. Sie erhalten ein gesondertes Sechs-Wochen-Training im militärischen Bergsteigen und Gebirgskampf. Ein sehr hohes Niveau. Das ist für unsere Zukunft als Gebirgsjäger besonders wichtig, denn diese Kameraden sollen später die eigene Gebirgsausbildung im Heimatstandort in Sagsai übernehmen.

Deutsch-mongolische Kooperation vertiefen

Ein mongolischer und ein deutscher Stabsoffizier sprechen miteinander im Gelände..

Die deutsch-mongolische Führung hinter der Ausbildungsunterstützung Mongolei: Oberstleutnant Khorolgarav Zoljargal, Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 331 (l.) und der Kontingentführer, Oberstleutnant Johannes Schwegler

Bundeswehr/Marco Dorow

Die Ausbildungsunterstützung soll noch bis 2024 laufen. Wie gestalten sich die letzten beiden Jahre?

Wenn alles wie geplant verläuft, soll ab nächstem Jahr die Ausbildung nicht mehr in Ulaanbaatar stattfinden, sondern bei uns im Altaigebirge an unserem Heimatstandort Sagsai, wo unser Gebirgsjägerbataillon 331 stationiert ist. Dort werden dann die letzten beiden Module ausgebildet, also das jetzt Erlernte wird dann in einem schwierigeren Terrain umgesetzt, zum Beispiel an einem Gletscher. Leider gibt es hier noch einige Schwierigkeiten, die überwunden werden müssen. Unser örtliches Krankenhaus entspricht nicht den Standards, die für deutsche Soldaten vorgegeben werden. Hier sind wir derzeit in der Planung einer Rettungskette, um bei möglichen Unfällen die Soldaten schnell via Lufttransport nach Ulaanbaatar bringen zu können. Dieser Plan muss aber zunächst von offizieller Seite beider Länder abgesegnet werden. Erst dann können wir die Ausbildung dort im Hochgebirge realisieren. 

Darüber hinaus würden wir uns wünschen, dass wir 2024 unsere Gebirgsjäger nach Deutschland für ein Gebirgstraining Alpen schicken können. Vor allem unsere Ausbilder würden dann mal sehen, wie die deutschen Gebirgsjäger in ihrer Heimat ausbilden. Das würde ihnen sicherlich nochmal viel für die eigene Ausbildung in Sagsai mitgeben. Auch wünsche ich mir, dass die deutsch-mongolische Kooperation über 2024 hinaus bestehen bleibt. Zum Beispiel könnten deutsche Soldaten zur Gebirgsausbildung nach Sagsai kommen. Wir haben dort Berge, die höher als 4.000 Meter sind und Gletscher für richtige Extremausbildung. Das würde sich definitiv lohnen.

Welchen Auftrag wird Ihr Bataillon übernehmen, sobald Sie als Gebirgsjägertruppe einsatzbereit sind?

Der Schwerpunkt unseres Verbandes ist die Unterstützung der Grenzsoldaten bei der Grenzsicherung im Westen des Landes. Wir haben gemeinsame Grenzen mit Russland und China. Und auch Kasachstan ist nur 38 Kilometer von unserem westlichsten Punkt entfernt. Im Nordwesten Chinas gibt es immer mal wieder Probleme mit der Minderheit der Uiguren aus der Provinz Xinjiang, aber auch mit muslimischen Kasachen. Das schließt vor allem den unerlaubten Grenzschmuggel mit ein. Und da dort überall Gebirge ist, brauchen wir dort Soldaten, die für dieses Terrain perfekt ausgebildet sind. Neben der Grenzsicherung versuchen wir dort zu helfen, wo in den Bergen Hilfe benötigt wird, wie beispielsweise im Fall von Bergrettung. Und natürlich stehen wir im Ernstfall für die Landesverteidigung bereit. Noch wachsen wir, aber, wenn wir auf unsere planmäßige Größe von 750 Soldaten kommen, können wir mehr Aufträge ausführen.

Made in Germany

Mongolische Soldatinnen und Soldaten stehen als Gruppe vor einem deutschen Soldaten.

Die Soldatinnen und Soldaten des Gebirgsjägerbataillons 331 aus Sagsai wollen 2024 als Gebirgsjägertruppe einsatzbereit sein

Bundeswehr/Marco Dorow

Was denken Sie, nehmen die deutschen Soldaten aus der Mongolei mit?

Durch die Ausbildung hier vor Ort lernen auch die deutschen Kameraden viel. Sie lernen ein völlig neues Land kennen sowie dessen Tradition und Kultur. Das ist besonders wichtig, wenn sie zukünftig in Einsätze oder anderen internationalen Zusammenkünften mit den Mongolen zusammenarbeiten müssen. Aber auch allein die Erfahrung, einen ausländischen Kameraden in einem fernen und unbekannten Land auszubilden, ist viel wert. Das kommt den deutschen Soldaten in ihrer beruflichen, aber auch persönlichen Entwicklung zugute. Das formt den Charakter. 

Sie sprechen fast fehlerfrei Deutsch? Wo haben Sie das gelernt?

Ich selbst war häufig und auch länger in Deutschland unter anderem an der Führungsakademie und habe Sprachunterricht durch das Bundessprachenamt erhalten. Ich bin von der Ausbildung in Deutschland begeistert. Das ist Top-Qualität: Made in Germany. Auch in Afghanistan habe ich 2019 mit deutschen Soldaten zusammengearbeitet. Und natürlich habe ich jetzt viel mit Oberstleutnant Schwegler zu tun. So verlernt man die Sprache nicht. Es freut mich, dass zahlreiche mongolische Kadetten zur Offizierausbildung nach Deutschland gehen. Das ist dort eine gute militärische Ausbildung. Und die Vorteile dieser Auslandserfahrung sehen wir hier vor Ort. Viele Sprachmittler aus der mongolischen Armee übersetzen für die deutschen Ausbilder und helfen damit, dass die Ausbildungsunterstützung ein voller Erfolg wird. 

Auf dem Ärmel einer deutschen Uniform ist ein Patch zu sehen.

Das Patch des Mobile Training Team für die Ausbildungsunterstützung Mongolei, getragen von den deutschen Ausbildern. Sie werden mit viel Erfahrungen nach Deutschland zurückkehren.

Bundeswehr/Marco Dorow


von Maximilian Kohl
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