Heimatschutz

Heimatschutz

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Moderator (M)

Ministerin (AKK)


M: „Dein Jahr für Deutschland“ – nach diesem Motto hat das Verteidigungsministerium, haben Sie Frau Ministerin, gemeinsam mit Staatsekretär Tauber und dem Stellvertretendem Generalinspekteur, Generalleutnant Laubenthal, Ende Juni einen neuen freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz vorgestellt. Jetzt ab September können sich Interessierte bewerben. Wir haben im Presse-Infostab dazu etliche Fragen von Journalistinnen und Journalisten bekommen, die über den neuen Dienst berichten wollen. Vielen Dank, dass Sie, Frau Ministerin, sich bereit erklärt haben diese Fragen persönlich und in diesem Fall gebündelt zu beantworten.

„Dein Jahr für Deutschland“, zieht dieser Slogan? Gab es schon Nachfragen ungeduldiger Interessenten, die nur darauf warten sich jetzt sofort bewerben zu können?

AKK: Absolut. Denn vor dem Start am 1. September haben sich rund 1.800 Interessenten und Interessentinnen gemeldet. Und wir haben bereits fast 800 Beratungsgespräche mit unserer Karriereberatung vereinbart. Und das ist ein tolles hohes Interesse. Also ich freu‘ mich sehr drüber.

M: Die erste Ausbildung soll ja im April starten. Wie sehr auf Herz und Nieren werden denn die Aspiranten geprüft? Was müssen die mitbringen, drückt man da vielleicht irgendwo auch ein Auge zu, wenn es um die körperliche Fitness geht?

AKK:  Nein. Zum ersten braucht man grundsätzliches Interesse. Und Herzblut für körperschaftliches Engagement und für Heimatschutz. Und dann gibt es natürlich formale Voraussetzungen. Also man muss deutscher Staatsbürger oder Staatsbürgerin sein. Man muss die Schulpflicht erfüllt haben. Man muss 17 Jahre alt sein. Und man braucht die charakterliche und gesundheitliche Eignung.

M: Das Konzept hat ja auch Kritik ausgelöst. Die Wohlfahrtsverbände sagen, Projekte für gesellschaftliche Zusammenarbeit, die gibt es eigentlich schon genug. Den Linken ist das Militärische ein Dorn im Auge. Die Grünen sehen den Mehrwert nicht. Was halten Sie denn all den Kritikern entgegen. Was ist sozusagen, der - neudeutsch - „unique selling point“. Also das ganz Besondere am freiwilligen Wehrdienstes im Heimatschutz?

AKK: Dieser neue Dienst oder dieses neue Angebot bildet das ab, was die Bundeswehr ausmacht: Wir dienen Deutschland. Und unsere Soldatinnen und Soldaten dienen Deutschland im Ausland, aber auch im Inneren. Und sie helfen eben jetzt auch im Heimatschutz. Und dieser neue Dienst füllt eine Lücke, die es bisher gab. Und der ist keine Konkurrenz zu dem Angebot, das wir in anderen Bereichen haben. Sondern aus meiner Sicht eine gute und sinnvolle Ergänzung.

M: Es gibt ja bereits einen Dienst bei der Bundeswehr. Warum ist denn dann die Einführung eines neuen freiwilligen Wehrdienstes jetzt mit dem Schwerpunkt Heimatdienst dann sinnvoll. Und an wenn richtet sich das besonders?

AKK: Wir wissen aus unseren Beratungen, dass es eine ganze Reihe von jungen Leuten gibt, die sich für den Wehrdienst interessieren. Die dann aber sagen, es ist ihnen zu lange. Oder sie wollen auf gar keinen Fall ins Ausland gehen. Und für diese Gruppe haben wir jetzt ein neues Angebot gemacht, denn in diesem neuen freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz hat man eine vergleichsweise eine kurze Ausbildungszeit. Und dann bleibt man nachher über einige Jahre hinweg eben im Reservistendienst mit verpflichtet. Aber so, dass man es sehr gut auch mit seinem privaten Leben vereinbaren kann.

M: Welche konkreten Aufgaben können die neuen Freiwilligen zum Beispiel bei der Corona-Pandemie übernehmen?

AKK: Der freiwillige Wehrdienst im Heimatschutz wird in den so genannten territorialen Kräften der Bundeswehr abgeleistet. Wir sprechen auch von Heimatschutzkräften. Durch den regionalen Bezug sind aus meiner Sicht sehr gute Voraussetzungen gegeben, um beispielsweise bei Katastrophen schnell und zielgerichtet mit anpacken zu können. Es ist vorgesehen, dass die aktive Truppe unterstützt wird. Und sogar teilweise durch die Aufgabenübernahme entlastet wird. In den aktuellen Situationen könnten sie beispielsweise die Behörden beim Aufbau und beim Betrieb von Testeinrichtungen unterstützen. Oder, wie hier in Berlin, den Aufbau und die Absicherung eines Notkrankenhauses begleiten.

M: Der freiwillige Dienst bei der Bundeswehr soll ja mit circa mit 1.550 Euro brutto pro Monat vergütet werden. Teilnehmer von zivilen freiwilligen Diensten, ich denke da an das zivile soziale Jahr, Bundesfreiwilligendienst etc., die erhalten aber nur ein Taschengeld von wenigen hundert Euro. Wie erklärt sich da der Unterschied?

AKK: Ja man muss wissen, dass derjenige oder diejenige, die Freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz leistet, Soldat und Soldatin ist. Wie jeder andere in der Bundeswehr auch. Und entsprechend darf es dann auch keine Unterschiede bei der Besoldung geben. Denn diese Besoldung ist gesetzlich vorgegeben.

M: Gerda Hasselfeldt, die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes, befürchtet, es könnte ein zwei Klassen System zwischen dem zivilen und militärischen Dienst entstehen. Diejenigen, die sich in sozialen Bereichen engagieren, könnten durch die finanziellen Unterschiede der Vergütung frustriert werden, hat sie gesagt. Wie stehen Sie zu dieser Befürchtung?

AKK: Ich sehe diese Konkurrenzsituation nicht. Wir haben zunächst eine klare Abgrenzung von Aufgaben. Die Aufgabenstellung ist sehr unterschiedlich. Und dann sehe ich die Konkurrenz auch schon nicht von der Quantität her, denn wir haben zunächst rund 1.000 Plätze, die wir zur Verfügung stellen. Während wir im Bevölkerungsschutz insgesamt bundesweit etwa zwischen 1,3 bis 1,7 Millionen Freiwillige haben.

M: Vielen Dank Frau Ministerin und mehr Informationen zum Freiwilligen Heimatschutz gibt es unter deinjahrfürdeutschland.de.