Transkript Funkkreis Podcast #83

Transkript Funkkreis Podcast #83

Datum:
Lesedauer:
17 MIN

Sprecher: OTL Danilo Lewtschenko (DLDienstleistungen und Recht), HFw Nils Knemeyer (NK), Redakteurin Barbara Gantenbein (BG)


Delta to all. Radio check. Over.
Hier ist Bravo. Kommen.
This is Tango. Over.
Funkkreis – Podcast der Bundeswehr

BG: In diesem Jahr geht eine Legende in Rente. Die gute alte Transall, das Transportflugzeug für jede Piste, wird im September zum allerletzten Mal abheben. Abgelöst wird die Transall vom A400M, und ich spreche heute mit zwei Männern, die beide Flugzeuge bestens kennen. Hier ist Barbara Gantenbein aus der Redaktion der Bundeswehr in Berlin, und mein erster Gesprächspartner ist der Pilot Oberstleutnant Danilo Lewtschenko. Guten Tag, Herr Oberstleutnant.

DLDienstleistungen und Recht: Guten Tag.

BG: Prima, dass Sie sich Zeit genommen haben heute für uns. Wie lange sind Sie denn eigentlich die Transall geflogen und seit wann fliegen Sie den A400M?

DLDienstleistungen und Recht: Also, Transall bin ich tatsächlich 16 Jahre geflogen, davon ungefähr die Hälfte aktiv auch in Einsätzen, und die andere, die zweite Hälfte, als Stabsoffizier eher zum Aufrechterhalten der Fluglizenz. Den A400M, den fliege ich jetzt seit einem Dreivierteljahr ungefähr, seit September letzten Jahres.

BG: Und Sie haben eben schon gesagt, mit der Transall waren Sie viel in den Einsätzen. Wo waren Sie denn da überall?

DLDienstleistungen und Recht: Ja, also mit der Transall im ISAFInternational Security Assistance Force-Einsatz in Termes in Usbekistan. Später dann in Masar-i Scharif in Afghanistan, und außerdem hatten wir auch einen eindrucksvollen ersten Kontingenteinsatz in Niamey in Niger für den MINUSMAUnited Nations Multidimensional Integrated Stabilization Mission in Mali-Einsatz in Mali.

BG: Oh ja, das ist spannend! Das ist so besonders dort und staubig und ganz anders als alles andere, das stimmt. Waren Sie denn mit dem A400M auch schon im Einsatz?

DLDienstleistungen und Recht: Mit dem A400M noch nicht. Der fliegt ja, also, wir waren schon in Einsatzgebieten von Wunstorf aus, aber direkt als Kontingenteinsatz stationiert vor Ort war ich mit dem A400M noch nicht.

BG: Okay. Und gibt es irgendein ganz besonderes Transall-Erlebnis, an das Sie sich immer wieder erinnern?

DLDienstleistungen und Recht: Ja, na, was mir da so im Gedächtnis ist, ist zum Beispiel Atlantikfliegerei. Da sind wir mal in eine schwere Vereisung gekommen, Wettersystem, wo wir in wenigen Minuten tonnenweise Eis auf dem Flugzeug aufgepackt haben…

BG: Oh.

DLDienstleistungen und Recht: … und unsere Höhe nicht halten konnten. Die Triebwerke haben vibriert und wir mussten einen starken Sinkflug in wärmere Luftschichten tatsächlich vornehmen überm Atlantik, um aufzutauen wieder. Dort wurde dann der Treibstoff knapper und hat aber alles gut funktioniert. Am Ende hat die gute alte Transall das Transall das geschafft. (Lacht)

BG: Aber das klingt wirklich sehr haarig. Was ging Ihnen da so durch den Kopf?

DLDienstleistungen und Recht: In der Situation denkt man jetzt erstmal tatsächlich nur an das technische Abarbeiten der Situation. Hinterher, eher so nach der Landung, sitzt man dann mit der Besatzung zusammen und denkt so: Huh, war das jetzt knapp oder nicht?! Aber unterm Strich muss man sagen, es hat alles funktioniert und es ist sicher abgelaufen.

BG: Ja, ja. Na, zum Glück, sonst könnten wir jetzt nicht reden! (Beide lachen) Kann sowas mit einem A400M theoretisch auch passieren?

DLDienstleistungen und Recht: Theoretisch schon, aber der fliegt halt wesentlich höher und meistens über solchen Wettererscheinungen, deswegen ist das unwahrscheinlicher, dass das nochmal passiert.

BG: Ja. Ja, und haben Sie mit dem A400M auch schon irgendwas Besonderes, Erinnernswertes, erlebt? Kann auch gerne was Positives sein! (Beide lachen)

DLDienstleistungen und Recht: Also, mit dem A400M bin ich ja noch nicht so viel unterwegs gewesen. Aber die ersten Flüge sind halt interessant, die man mit dem neuen Flieger macht, die Technik erlebt und dann feststellt, wie das alles funktioniert und die schiere Kraft von dem A400M ist immer wieder beeindruckend.

BG: Ja. Was gefällt Ihnen da am besten? Also, ist das jetzt beim Start zum Beispiel die Kraft? Oder – also, als Nichtpilotin habe ich gar keine Ahnung, wie sich so etwas unterschiedlich dann anfühlt.

DLDienstleistungen und Recht: Ja, also tatschlich beim Start, wenn man die Leistungshebel reinschiebt und dann quasi einen Tritt in den Rücken bekommt, weil man durch vier Mal elftausend PS angeschoben wird.

BG: Ja!

DLDienstleistungen und Recht: Das ist beeindruckend und das moderne Ambiente, das digitale Cockpit, die intuitive Steuerbarkeit, das ist einfach ein tolles Flugzeug für den Piloten.

BG: Ja, super, das klingt ziemlich begeistert. (Beide lachen) Das ist ja auch schön so! Ich persönlich bin leider noch nie mit dem A400M mitgeflogen, ich bin aber schon ganz häufig in der Transall mitgeflogen als Passagierin und habe da so bisschen die Erfahrung gemacht, dass entweder ich hinten so ein bisschen schockgefrostet wurde oder schonend dampfgegart, und ansonsten fand ich das aber immer ganz toll, da mitzufliegen, weil man wirklich fast überall ja damit starten und landen konnte – oder immer noch kann. Was mochten Sie denn als Pilot so ganz besonders gerne an dem Flieger?

DLDienstleistungen und Recht: Ja, eigentlich das Gleiche, nicht? Dass es halt überall gestartet und gelandet ist.

BG: Ja.

DLDienstleistungen und Recht: Die Transall hat halt eine relativ kurze Reichweite im Vergleich zum A400M und dadurch viel öfter die Gelegenheit, auch zwischenzulanden bei längeren Strecken und Land und Leute kennenzulernen. Und diese Romantik, nenne ich es mal, ist beim A400M ein Stück weit weg, weil der viel schneller an seinem Ziel ist.

BG: Ja.

DLDienstleistungen und Recht: Das ist gut, aber auch gleichzeitig schade. (Lacht)

BG: Ja, oh ja, das stimmt. Das stimmt! Da haben Sie absolut recht (lacht). Ja, und hat man dann wahrscheinlich auch eingeschränktere Möglichkeiten, welche Flughäfen oder Pisten man ansteuern kann.

DLDienstleistungen und Recht: Ja, wobei das gar nicht so eingeschränkt ist, wie man erst denkt. Also, auch der A400M kann relativ kurze Flugplätze anfliegen und ist jetzt zur Zeit auch dabei, oder damit jetzt schon fast durch, ihn zu qualifizieren, um die Besatzung auszubilden, um auf unbefestigten Pisten zu landen.

BG: Ja. Ach, das ist spannend! Und …

DLDienstleistungen und Recht: Das geht auch, ja.

BG: Ja? Und fühlt sich das ganz anders an, also als mit der Transall, fühlt sich das, weil Sie ja auch sagten, das ist alles wesentlich intuitiver und die ganze Elektronik und so, ist das für Sie als Pilot dann ein ganz anderes Feeling, den dort zu …

DLDienstleistungen und Recht: Ja.

BG: Ja. Und können Sie das so bisschen unseren Hörern – und mir auch – beschreiben?

DLDienstleistungen und Recht: A400M ist halt viel größer, und da ist das direkte Gefühl für das Flugzeug ist nicht mehr so enorm und so stark wie bei der Transall, wo man jede Bewegung gespürt hat tatsächlich. Und beim A400M ist das eher technisch. Also, der rumpelt auf die Bahn, das fühlt sich jedes Mal gleich an, egal, was das für ein Untergrund ist, und man merkt direkt weniger davon.

BG: Verstehe. Aber ist das auch ein gutes Gefühl? Also, hat man das Gefühl, mehr Möglichkeiten zu haben als Pilot?

DLDienstleistungen und Recht: Ja, auf jeden Fall. Die Reaktionen sind halt wesentlich schneller.

BG: Ja.

DLDienstleistungen und Recht: Man muss nur daran denken, dass irgendeine Bewegung passiert und es funktioniert. Also, man kann ihn mit zwei Fingern steuern …

BG: Wow.

DLDienstleistungen und Recht: … den 140-Tonnen-Flieger.

BG: Wahnsinn. Wahnsinn. Also eigentlich unvorstellbar.

DLDienstleistungen und Recht: Ja.

BG: Ja. Wie ist denn das für Sie jetzt emotional, wenn Sie sich jetzt vorstellen, im September ist dann der letzte Flug der Transall. Ist das für Sie auch ein bisschen emotionales Ende dieser Ära, oder freuen Sie sich jetzt vor allem auf das, was jetzt neu beginnt, oder schon längst begonnen hat, eben mit dem A400M?

DLDienstleistungen und Recht: Ja, bisschen von beidem. Es ist definitiv das Ende einer Ära. Die gute alte Transall hat ihren Ruhestand aber auch schwer verdient. Ich denke, es ist jetzt auch an der Zeit, den Staffelstab weiterzugeben. Der A400M ist ein würdiger Nachfolger und ich denke, wir haben die Gewissheit, dass die Einstellung der Guys, das Engagement und das Improvisationstalent der Transallgeneration an die A400M-Gemeinschaft weitergegeben wird. Das ist jetzt nicht zu Ende, es ist nur anders (lacht).

BG: Das ist sehr schön, wie Sie das zusammengefasst haben. Ganz herzlichen Dank, Herr Lewtschenko.

DLDienstleistungen und Recht: Sehr gerne.

BG: Das Ende der einen Ära ist natürlich auch der Beginn einer neuen, und darüber spreche ich jetzt mit dem Ladungsmeister, Hauptfeldwebel Nils Knemeyer. Hallo, Herr Kneymeyer.

NK: Schönen guten Tag.

BG: Ich freue mich, dass Sie auch dabei sind, und Sie kennen ja als Ladungsmeister beide Flugzeuge in- und auswendig, sag ich mal, die Transall und den A400M. Was mögen Sie denn lieber – und warum?

NK: Also, ich möchte das mal so formulieren: Es wäre ungerecht, da jetzt ein Flugzeug quasi hervorzutun. Wir müssen grundsätzlich verstehen, dass die Flugzeuge zwei verschiedene Rollen haben. Also, die Transall war ursprünglich mal konzipiert als Kampfzonentransporter, im Fachbereich sagen wir dazu heutzutage taktisches Luftfahrzeug, und der A400M ist ein strategisch-operatives Luftfahrzeug. Die beiden miteinander zu vergleichen, das wäre nicht fair. Also, die Transall hat ihren humanitären Dienst und ihren Namen wirklich redlich verdient, „Engel der Lüfte“, und ich bin mir ganz sicher, dass der A400M dieser Rolle auch gerecht werden wird irgendwann. Das heißt, da tu ich mich ein bisschen schwer, da irgendwo ein Flugzeug zu favorisieren, weil ich beide Flugzeuge wirklich sehr, sehr gerne mag.

BG: Ach, das ist aber auch schön! Also, das ist, das finde ich jetzt ganz spannend, weil ich dachte, dass man entweder so Transall-Fan ist oder A400M, aber es ist toll, dass Sie sagen, Sie mögen beide gleich gern. Wie sieht es denn aus so mit der Ladekapazität? Da geht doch wahrscheinlich in den A400M viel mehr rein, oder?

NK: Ganz genau. Die Transall hatte eine maximale Nutzlast von 16 Tonnen und beim A400M könnten wir rein theoretisch 43,6 Tonnen Nutzlast einladen. Das sind natürlich ganz andere Werte, die der A400M jetzt darstellen kann. Das heißt aber nicht, dass die Transall irgendwie schlechter ist, sondern die hat einfach einen anderen Auftrag in dem Sinne gehabt, quasi dann kleine Ladungen in den Einsatzgebieten zu den Soldaten zu verbringen. Und der A400M kann jetzt mehr Ladung über einen längeren Zeitraum in einer doppelten Geschwindigkeit verbringen. Das ist quasi der Unterschied so ein bisschen.

BG: Ja, das ist natürlich ein ganz riesiger Sprung auch. Ich denk gerade drüber nach: MedEvacMedical Evacuation, der fliegt ja auch als MedEvacMedical Evacuation, also als quasi fliegendes Hospital, da gehen wahrscheinlich dann auch mehr Betten rein, oder, ja, Behandlungsplätze, rein. Und, wie Sie sagen, in doppelter Zeit geht es dann auch hin oder her, oder?

NK: Ganz genau. Also, die Transall hatte ja auch schon die so genannte MedEvacMedical Evacuation-Rolle. Beim A400M haben wir das ein bisschen umbenannt. Das ist der ICAE, Intensive Care Transport, und da können wir sechs Intensivpatienteneinheiten quasi im A400M verbringen, und damit fliegen wir dann quasi, ja, wirklich weite Reichweiten, um die Leute dann auch zeitnah abzuholen aus den Einsatzgebieten, wenn sie verletzt oder verwundet sind, was natürlich unheimlich wichtig ist, auch für die Moral der Soldaten und die Wertschätzung. Wenn sie für die Bundesrepublik oder UNUnited Nations-Mandate oder was auch immer in Einsätze gehen, dass sie wissen, wir holen sie da raus.

BG: Auf jeden Fall, ja absolut, das ist unheimlich wichtig. Das stimmt. Und es ist ja auch beruhigend für alle vor Ort zu wissen, wenn was passiert, da ist ein schneller Transport nach Hause gewährleistet. Also, das ist schon toll. Ist denn der A400M auch komfortabler? Ich hab mir sagen lassen, da gibt es sogar eine Toilette an Bord?

NK: Komfortabel würde ich jetzt nicht unbedingt sagen. (BG lacht) Ein militärisches Lufttransportflugzeug ist immer ein Kompromiss zwischen Gewicht und Komfort. Ich hatte das große Glück, 2015 auf der ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung zu sein, auf der ersten ILAInternationale Luft- und Raumfahrtausstellung, wo der A400M tatsächlich dann auch da war. Und wir haben dann die Ingenieure kennengelernt, die letztendlich auch die Sitze konzipiert haben. Und die mussten dann auch quasi mehrere Tage im Büro auf ihren Sitzen sitzen, um das, ja, mal auszuprobieren, wie sich das wirklich anfühlt. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: Über den langen Zeitraum, wie wir dann auch fliegen, ist das nicht mehr ganz so komfortabel, wie man sich das wünscht, oder wie man das vielleicht aus einem zivilen Passagierflugzeug gewohnt ist. Aber wie gesagt, wir sind ein Militärtransporter und kein Zivilflugzeug.

BG: Ja, klar, natürlich. Aber gibt’s nun eine Toilette an Bord oder nicht? Weil, das gab’s ja bei der Transall nicht, und das konnte auf langen Strecken ja dann doch mal nicht so schön sein (lacht).

NK: Bei der Transall gab es das sogenannte Trockenabort, was im Prinzip auf der rechten Seite hinten an der Laderampe eingebaut war. Das konnte man runterklappen, und das war wirklich für den allergrößten Notfall …

BG: Hmhm.

NK: … sozusagen herzunehmen, und der A400M hat zwei Toiletten. Das ist, das kann ich so bestätigen, wie man das aus dem Airliner auch kennt.

BG (lachend): Das ist aus meiner Sicht ein Riesenfortschritt.

NK: Das ist aus unser aller Sicht ein Riesenfortschritt, ja.

BG: Ja. Wir haben eben schon von Oberstleutnant Lewtschenko gehört, dass ein Flug, an den er sich besonders erinnert, eine Atlantiküberquerung war, wo die plötzlich eine Vereisung hatten, eine ganz dramatische. Wie ist denn das bei Ihnen? Haben Sie auch ganz besonders spannende oder besondere Erinnerungen an Flüge mit der Transall?

NK: Oh ja, da hab ich auch ganz besondere Erinnerungen. Also, beispielsweise 2014, als ich einen meiner letzten Flüge auf der Transall gemacht habe, hieß es – von uns Besatzungsangehörigen wird immer eine gewisse Flexibilität erwartet – und da hieß es dann: Kannst du mal schnell nach Schleswig fliegen? Da hab ich dann mehr oder weniger zugesagt, wohl wissend, dass meine Frau hochschwanger war und der Geburtstermin für die Niederkunft im Prinzip, ja, für Mitte Dezember vorausgesagt worden ist. Und auf dem Weg dahin haben wir dann zwei Blitzschläge erlitten im Anflug, und ich hab den Blitz hinten durch den Laderaum durchschießen sehen. Zweimal. Das bedeutet natürlich, dass an diesem Punkt wir eine Sicherheitslandung durchgeführt haben, das Flugzeug abgestellt haben und der Weiterflug nicht mehr gegeben war. Und dann hieß es für uns, im Winter, natürlich erstmal nach Hause zu kommen. Aber am Ende war alles gut. Die Transall hat uns sicher an den Boden geleitet, die Maschine war zwar kaputt und defekt, aber ich wurde dann über einen Transport, das wurde sichergestellt, dass ich quasi ganz schnell wieder nach Hause komme zu meiner Frau. Und dann paar Tage später ist dann auch der Sohn zur Welt gekommen. Das sind so Sachen, die ich nie vergessen werde. Und an eine andere Geschichte erinnere ich mich auch, wo wir dann beim „Engel der Lüfte“ sind, der Transall. Wir haben mal einen tollen Flug gemacht, da haben wir einem Kinderhospiz mal einen Tag lang quasi die Möglichkeit gegeben, die Transall sich mal anzugucken und Fragen beantwortet. Und das ist ein ganz, ganz toller Tag gewesen, wo die Kinder wirklich nochmal einen schönen Tag erleben konnten. Und das sind so Sachen, die wir gern gemacht haben.

BG: Ja, das glaube ich.

NK: Die ich auch nicht vergessen werde.

BG: Das klingt auch toll. Also, das Erste, da hab ich eben so richtig gemerkt, wie ich Gänsehaut kriege. Ja, also, als Sie das mit dem Blitzeinschlag erzählt haben. Das ist ja wirklich eine ganz, ganz heftige Erfahrung. Und diese Geschichte mit dem Kinderhospiz gefällt mir auch, total schön! Aber so etwas ist ja durchaus auch mit dem A400M denkbar. Das kann man ja auch machen, oder?

NK: Ja, absolut, und das würde ich mir auch wünschen für die Zukunft. Wir haben jetzt schon humanitäre Einsätze gehabt. Beispielsweise, als der Sturm Irma in der Karibik niedergegangen ist, haben wir mit dem A400M schon Hilfeleistungen geboten. Wir haben jetzt natürlich auch für Indien entsprechend Sauerstoff geflogen, und ich wünsch mir für die Zukunft, wenn alle Verfahren letztendlich auch wieder zertifiziert sind, dass wir unserem Ruf als humanitärer Helfer wieder gerecht werden können und wieder auch Hilfen fliegen können. Beispielsweise auch Hungerhilfen und was auch immer da auf uns zukommen kann. Der A400M kann das, und ich hoffe, dass er insofern auch dieser Rolle gerecht wird und genutzt wird.

BG: Und waren Sie denn mit dem A400M schon in Einsatzgebieten? Also, ich weiß, der ist noch so neu, dass da noch wenige Leute waren, aber hatten Sie schon die Chance?

NK: Ja, ich hatte schon die Chance, mit dem A400M ganz viele Einsatzgebiete anzufliegen. Ich hab das große Glück gehabt, dass ich von 2017 bis 2019, also knapp zweieinhalb Jahre im Prinzip, einen Auslandseinsatz, beziehungsweise ein Austauschprogramm teilgenommen habe, bei den Briten. Und da durfte ich mit dem britischen A400M und mit dem deutschen A400M schon viele Einsatzgebiete anfliegen.

BG: Das ist spannend. Diese Austauschprogramme für fliegendes Personal, was genau bezwecken die und was haben Sie da alles so für Erfahrungen gesammelt?

NK: Also, grundsätzlich ist es eine tolle berufliche Erfahrung, weil, das Flugzeug an sich ist ja genau das gleiche, lediglich die Besatzungskonzepte unterscheiden sich. Und da muss man natürlich in ein anderes Besatzungskonzept hineinwachsen, in einer anderen Sprache, in einer anderen Kultur. Das war eine supertolle Erfahrung. Das wünsche ich jedem Soldaten, dass der mal diese Chance bekommt, denn man bringt so viele Erfahrungen auch einfach mit aus dieser Verwendung, das man im Prinzip diese Erfahrung weitergeben kann, eigene procedure, eigene Ausbildungsverfahren nochmal verbessern kann, wo man auch andere Einflüsse mit einbringen kann. Deswegen ist das unheimlich wichtig. Und ich würde mir von der Bundeswehr wünschen, dass wir in Zukunft auch häufiger noch solche Austauschprogramme wahrnehmen.

BG: Ja, das glaube ich, und es ist natürlich auch im Hinblick auf die spätere Zusammenarbeit unheimlich wichtig, weil man weiß, wie der andere tickt und wie die procedures eben bei den anderen sind. Und das ist ja auch, wenn es schnell gehen muss, ganz, ganz essenziell, dass man das so ein bisschen auf dem Schirm hat, nicht?

NK: Ja, ganz genau, das ist unheimlich wichtig, dass man da Schnittstellen erkennt und ich habe, eine meiner Erfahrungen war natürlich auch, dass man sofort in dieses Konzept hineinwächst. Weil man selber schon ähnlich ausgebildet ist und auch sofort diese Anerkennung bekommt. Das war für mich ganz, ganz einfach. Meine britischen Kollegen haben es mir ganz leicht gemacht, mich da sofort zu akzeptieren und auch in diese Rolle hineinzuwachsen.

BG: Schön! Und in welchen Einsatzländern waren Sie dann mit dem A400M?

NK: Ich war in Masar-i Scharif mit der Bundeswehr, ich war in Niamey in Afrika im Einsatz. Mit den Briten durfte ich sogar auf die Falkland-Inseln fliegen.

BG: oh, wow!

NK: Und in deren Einsatzgebiet in Al Minhad, also quasi im Nahen Osten, haben wir auch mehrere Einsätze geflogen, wo regelmäßig quasi Versorgungsflüge stattfinden für die Royal Air Force.

BG: Ja, spannend.

NK: Das Interessanteste war natürlich für mich, muss ich ganz ehrlich sagen, und das war auch eines meiner Karriere-Highlights bisher, das waren die Falkland-Inseln, der Einsatz. Weil, das ist ein, wirklich ein Naturgebiet, was man so kaum sehen kann. Wenn man da fliegt, ist das wirklich was ganz, ganz Besonderes.

BG: Das kann ich mir vorstellen. Da kommt man ja sonst auf gar keinen Fall hin. Oder vermutlich nicht (lacht).

NK: Nein, da kommt man nicht so häufig hin.

BG: Nein.

NK: Das ist völlig richtig. Ganz genau.

BG: Wenn Sie jetzt so zurückschauen auf die Einsätze mit der Trall und in die Zukunft, auf den A400M, was ist denn bei Ihnen so die überwiegende Gemütslage? Sind Sie eher begeistert über das neue Flugzeug oder ein bisschen traurig, dass die Transall jetzt bald nicht mehr starten wird?

NK: Also, beide Flugzeuge verrichten ihren Dienst, so wie wir das verlangen, und passen auf uns auf, im übertragenen Sinne, sage ich mal.

BG: Ja.

NK: Der A400M hat halt ein anderes Einsatzspektrum. Dadurch haben wir auch längere Arbeitstage sicherlich. Bei der Transall waren die intensiver und etwas kürzer. Aber natürlich bin ich, muss ich ganz ehrlich sagen, auch ein bisschen traurig, dass die Transall jetzt quasi in den Ruhestand gesetzt wird, auch gerade weil generationsbedingt: Mein Vater, der war Pilot auf der Transall C-160. Das heißt, das ist quasi auch so von der Muttermilch aufgesaugt worden von mir, dieser Job des Transporters. Und da ist man natürlich ein bisschen traurig, wenn dann auch mal diese ganzen Generationen jetzt zur Ruhe gesetzt werden.

BG: Ja. Also, das geht mir ganz ähnlich. Das geht mir ganz ähnlich. Vielen Dank, Herr Hauptfeldwebel! Das waren schöne Einblicke. Also, ganz herzlichen Dank und bleiben Sie weiter sicher in der Luft.

NK: Ja, vielen Dank, Hals- und Beinbruch für Sie.

BG: Danke, Tschüss. (lacht)

NK: Tschüss.

BG: Das waren jetzt viele spannende Einblicke in zwei ganz verschiedene Flugzeuge. Und ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, ich werde schon ein bisschen sentimental, wenn die Transall nicht mehr fliegt. Aber wir freuen uns einfach auf viele, viele tausend Flugmeilen mit dem neuen A400M. Das war’s für heute, ich wünsche Ihnen eine gute Woche. Nächsten Donnerstag können Sie dann den nächsten Podcast hören und ich melde mich ab aus dem Funkkreis, Tschüss.