Corona-Pandemie: Bundeswehr chartert Transportraum für Schutzmasken

Corona-Pandemie: Bundeswehr chartert Transportraum für Schutzmasken

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Ort:
Leipzig
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Eine Antonow AN-225 ist am 27. April auf dem Flughafen Leipzig-Halle gelandet. Das größte Transportflugzeug der Welt brachte im Auftrag der Bundeswehr medizinische Schutzausstattung aus dem chinesischen Tianjin nach Deutschland. Das Material wird zur Eindämmung der COVID-19Coronavirus Disease 2019-Pandemie benötigt.

Ein Soldat mit Schutzmaske transportiert Kartonagen mit einem Hubwagen auf einem Flughafengelände

Ein Soldat entlädt die Maschine, die heute mit medizinischer Schutzausstattung an Bord auf dem Flughafen Halle-Leipzig gelandet ist.

Bundeswehr/Jana Neumann

Wenn die Antonow AN-225 landet, ist ihr mediale Aufmerksamkeit gewiss. Das größte Transportflugzeug der Welt zieht Kameras magisch an. Bei der Landung am Frachtkreuz Leipzig-Halle am 27. April war das nicht anders. Das Areal wurde von Luftfahrtfans belagert. Für die zahlreichen Medienvertreter auf dem Flughafen stand allerdings die Fracht der Antonow im Mittelpunkt: Atemschutzmasken, die für die Eindämmung der Coronapandemie in Deutschland benötigt werden.

Mit Verständnis für das Interesse an diesem besonderen Ereignis „wurden leider trotz Einweisung aller Beteiligten und trotz bereitgehaltener Masken vor Ort das eine oder andere Mal die Vorgaben nicht eingehalten“, sagte Oberstleutnant Eric Gusenburger, der als Leiter der Informationsarbeit für die Bundeswehr im Land Sachsen vor Ort war. Für die Zukunft werde die Bundeswehr in Zeiten der Coronapandemie noch konsequenter an der Organisation solcher Medienvorhaben arbeiten.

Im Beisein der Bundesministerin der Verteidigung, Annegret Kramp-Karrenbauer, landete der Riesenvogel nach einer Zwischenlandung im kasachischen Astana mit rund 53 Tonnen medizinischer Schutzausstattung. „Gemessen an der maximalen Nutzlast der Antonow von etwa 250 Tonnen ist das wenig“, sagt Hauptmann Thorsten Jörgens. „Aber heute ging es ums Ladevolumen. Und gut zehn Millionen Masken nehmen ordentlich Platz weg.“ Jörgens arbeitet beim Dezernat Lufttransport des Logistikzentrums der Bundeswehr in Wilhelmshaven. Dort wird für die Bundeswehr unter anderem der strategische Lufttransport koordiniert.

„Diesen Transportflug haben wir über SALISStrategic Airlift International Solution abgerufen“, erklärt der Kommandeur des Logistikzentrums, Brigadegeneral Klaus Frauenhoff. Das Programm SALISStrategic Airlift International Solution (Strategic Airlift International Solution) bündelt die Mittel und Bedarfe an strategischem Lufttransport von zwölf NATO-Staaten sowie Finnland und Schweden. Die Bundeswehr nutzt SALISStrategic Airlift International Solution sonst vornehmlich für die Versorgung der Truppe im Einsatz oder für Großübungen. Dafür steht jährlich ein bestimmtes Flugstundenkontingent mit den schweren Transportflugzeugen Antonow AN-124 eines zivilen Dienstleisters aus der Ukraine zur Verfügung. Die noch größere AN-225 wird im Bedarfsfall gesondert gechartert.

„In der aktuellen Coronakrise ist es selbstverständlich, dass die Bundeswehr nach Kräften hilft. Und wir haben die Möglichkeit, Transportraum zur Verfügung zu stellen“, sagt Frauenhoff. Der Flug der AN-225 war der zweite von insgesamt drei Flügen, mit denen binnen einer Woche große Mengen medizinischer Schutzausstattung nach Deutschland gebracht werden sollen. Grundlage ist eine Vereinbarung der Bundesministerien der Verteidigung (BMVgBundesministerium der Verteidigung) und für Gesundheit (BMGBundesministerium für Gesundheit). Bereits am 26. April war eine AN-124 mit etwa acht Millionen Masken aus China in Leipzig gelandet. Ein dritter Transport wird am 29. April erwartet. Insgesamt werden so rund 25 Millionen Schutzmasken eingeflogen.

Während das BMGBundesministerium für Gesundheit für die Beschaffung der Schutzausstattung in China zuständig war, kümmerten sich die Logistiker der Bundeswehr um den Transport. „Natürlich ist das eine Herausforderung“, sagt Frauenhoff. „Aber am Ende ist die Abwicklung solcher Flüge unser Tagesgeschäft. Als Logistiker finden wir immer eine Lösung.“ Abstriche bei der Versorgung der Einsatzkontingente werden es jedenfalls nicht geben.

Das Frachtflugzeug Antonow wird auf einem Flughafengelände entladen

Ein Logistikunternehmen nimmt nach der Landung die Kartonagen mit medizinischer Schutzausstattung auf.

Bundeswehr/Jana Neumann

Während die Planer aus Wilhelmshaven für die Koordinierung der Transportflüge zuständig sind, kümmern sich Soldatinnen und Soldaten der 6. Kompanie des Logistikbataillons 171 aus Burg ganz handfest um die Entladung der Antonow. „Wir sind heute mit 18 Männern und Frauen vor Ort“, sagt Fregattenkapitän Michael Hinz, der Kommandeur des Logistikbataillons 171. „Mit dem Luftumschlag sind unsere Leute bestens vertraut. Das gehört zum Aufgabenbereich der mobilen Logistiktruppen.“ Die Fracht des heutigen Fluges werde voraussichtlich elf Lastwagen mit 40-Fuß-Containern füllen, schätzt Hinz. „Das übersteigt die Umschlagkapazitäten des zivilen Frachtunternehmens und deshalb unterstützen wir heute mit unserem Personal.“

Ein Förderband transportiert die Kartons aus dem Bauch der Antonow. Dann werden sie von den Soldatinnen und Soldaten auf Paletten gestapelt, registriert und für den Weitertransport vorbereitet. Im weiteren Verlauf werden die Masken von einem zivilen Unternehmen abgeholt, gelagert und dann nach Maßgabe des BMGBundesministerium für Gesundheit verteilt.

Das Engagement der Bundeswehr sei Teil eines großen Ganzen zur Bewältigung der Corona-Krise, sagte Kramp-Karrenbauer. Die Lieferung böte Schutz für die Menschen und besonders für diejenigen, die im Gesundheitssystem arbeiteten. Sie sei stolz und dankbar, betonte die Ministerin weiter.

von Markus Tiedke