Im Judo kennt man zwei Namen

Im Judo kennt man zwei Namen

  • Spitzensport
  • Streitkräftebasis
Datum:
Ort:
Köln
Lesedauer:
3 MIN

Anna-Maria Wagner ist die aktuelle Weltmeisterin im Judo. Die 25-Jährige ist Stabsunteroffizier. Ihre Vorgängerin als Titelträgerin, Oberstabsfeldwebel Johanna Hagn, dient nach ihrer sportlichen Laufbahn als Berufssoldatin im Presse- und Informationszentrum der Streitkräftebasis. Die Beiden sprechen über den Leistungssport und Karrierechancen.

Eine Sportlerin und eine Soldatin stehen nebeneinander

Anna-Maria Wagner (links) und Johanna Hagn (rechts) – Zwei Weltmeisterinnen im Judo

Bundeswehr/Patrik Bransmoeller

28 Jahre liegen zwischen dem Weltmeistertitel von Johanna Hagn und Anna-Maria Wagner im Judo. Beide sind Soldatinnen. Anna-Maria ist Stabsunteroffizier und strebt den Dienstgrad Feldwebel an. Für die frisch gebackene Weltmeisterin die beste Perspektive, ihren Sport professionell und zielstrebig ausüben zu können. „Der Sold gibt mir die nötige Sicherheit und Unabhängigkeit, die ich als Leistungssportlerin brauche, um mich auf Training und Wettkampf konzentrieren zu können“, erzählt sie und lobt auch das Umfeld und die Gestaltung ihres Dienstplans, „der weitestgehend meinem Trainingsplan und –pensum entspricht.“

Jahre später

Portrait einer Sportlerin

Anna-Maria Wagner: frisch gebackene Weltmeisterin im Judo

Bundeswehr/Patrik Bransmoeller

Daran erinnert sich auch Oberstabsfeldwebel Johanna Hagn: „Wenn Du auf diesem Niveau angelangt bist, bestimmt der Sport Deinen Tagesablauf und auch weitestgehend Dein Leben.“ Training und Ernährung, Wettkämpfe und Reisen sind Alltag. „Ein Leben aus dem Koffer und Schlafen in fremden Betten“, ein Aspekt den Johanna heute nicht vermisst, an dem sich aber für die junge Anna-Maria nichts geändert hat: „Ja, das ist manchmal anstrengend“, lacht sie, „aber das gehört dazu!“ Überhaupt lacht die Soldatin oft und gern. Man merkt ihr den Spaß und die Leidenschaft für Judo an. „Ich habe das Glück, dass mein Körper den Leistungssport bisher sehr gut verträgt, das lässt hoffen, dass ich Judo noch eine Weile ausüben kann. In den niedrigeren Gewichtsklassen ist das Gewichtmachen doch sehr kräfteraubend. Kameradschaft, Zusammenhalt und Teamgeist prägen die Laufbahn beider Weltmeisterinnen im Kader des Deutschen Judobundes. Damals wie heute. So trainierte Johanna Anfang der 1990er Jahre gemeinsam mit Claudiu Pusa, der heute Anna-Maria als Bundestrainer der Frauen coacht. Eine zufällige Begegnung der Drei während der Einkleidung der Olympioniken in Köln, könnte herzlicher kaum sein.

Olympia

Eine Sportlerin, eine Soldatin und ein Soldat sitzen an einem Tisch

Bei der Einkleidung für die Olympischen Spiele im Tokio trafen sich die beiden Weltmeisterinnen im Judo zu einem Gespräch

Bundeswehr/Patrik Bransmoeller

Olympia ist auch das Stichwort, blickt man auf die nächsten Termine der aktuellen Weltmeisterin Anna-Maria Wagner. „Auf die Spiele in Japan freue ich mich jetzt unbändig“, sagt sie, bereits nominiert und eingekleidet für das Team Deutschland, welches zu rund 40 Prozent aus Sportsoldatinnen und –soldaten besteht. Eine Zahl, auf die die Sportförderung der Bundeswehr stolz sein kann. „In Tokio gut abschneiden und mit einer Medaille nach Hause kommen ist mein Ziel.“ Johanna Hagn hat dies 1996 mit einer bronzenen schon geschafft, nachdem sie drei Jahre zuvor den Weltmeistertitel erkämpft hatte. Seitdem war bei einer WM keine Judoka mehr so erfolgreich, bis Anna-Maria im vergangenen März in ihre Fußstapfen trat. Hinter der neuen Weltmeisterin liegt eine Zeit der Ungewissheit, denn als Kontaktsportart waren die Wettkampfs- und Trainingsmöglichkeiten im Judo wegen der Corona-Pandemie sehr eingeschränkt.

Blick in die Zukunft

Zwei Frauen gucken sich an und grinsen

Anna-Maria und Johanna waren sich gleich sympathisch und hatten viel Gesprächsstoff

Bundeswehr/Patrik Bransmoeller

Mit 25 Jahren hat Anna-Maria schon Pläne für ihr Leben nach der Karriere im Leistungssport. „Ich studiere ‚nebenbei‘ Hotel- und Tourismusmanagement und versuche hier stets am Ball zu bleiben. Das verlangt ein hohes Maß an Disziplin.“ Eine Tugend, über die Spitzensportlerinnen und –sportler verfügen müssen. „Sich jeden Tag aufs Neue motivieren und das Pensum angehen, ist eine tägliche Herausforderung“, bestätigt Johanna, die auf dem Höhepunkt ihrer Karriere den Kampfanzug an den Nagel hängte. „Ich war gedanklich bereits wieder in der Schreinerei meiner Heimat tätig“, erinnert sie sich, als die Bundeswehr ihrem Antrag auf die Übernahme in das Dienstverhältnis einer Berufssoldatin entsprach. Dem Judo blieb sie dadurch erstmal noch erhalten. Zuerst als Assistenztrainerin und später als stellvertretende Leiterin bei der Sportfördergruppe in Köln, Anna-Marias heutiger, dienstlicher Heimat.Anna-Maria erlebt derzeit ihren sportlichen Höhepunkt und denkt gerade noch nicht ans Aufhören. Eine Perspektive sieht sie aber auch in der Bundeswehr. Insbesondere, weil diese den Sportsoldatinnen und -soldaten in ihren Reihen anbietet, als Sportausbildende, Trainer oder wie Johanna als „Regiepersonal“ in einer Sportfördergruppe der Bundeswehr weiter zu dienen. Es stehen aber auch alle anderen militärischen Laufbahnen offen, auf die man sich nach einer Sportkarriere bewerben kann. Johanna ist heute als Informationsfeldwebel in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit tätig. „Das könnte ich mir auch vorstellen“ sagt Anna-Maria, „und so weiter als Botschafterin für den Sport und die Bundeswehr zu dienen.“ Genau das tut sie heute schon!

von Ralf Wilke  E-Mail schreiben

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