Versehrtensport

Mit dem Rollstuhl in der Spur – Armin hat seinen Lebensmut nie verloren

Mit dem Rollstuhl in der Spur – Armin hat seinen Lebensmut nie verloren

  • Invictus Games
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Den Haag
Lesedauer:
4 MIN

Ein Tag im September 2018 veränderte für Armin alles. Er erlitt einen schweren Motorradunfall. Seither ist er querschnittgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Die Lebensfreude hat Armin dadurch aber nicht verloren. Er passte sich schnell den neuen Umständen an. Jetzt ist er ein Invictus-Athlet und Teil des Teams Germany in Den Haag.

Ein Mann in einem Rollstuhl posiert vor einer Leinwand

Voller Lebensfreude: Armin ist seit einem schweren Motorradunfall querschnittgelähmt. Der Rollstuhl hält ihn keineswegs davon ab, sein Leben zu genießen.

Bundeswehr/Henner Feddersen

Zum Zeitpunkt seines Unfalls war Armin Soldat im Marinefliegergeschwader in Nordholz, eingesetzt in der ITInformationstechnik-Abteilung. Mittlerweile ist er kein Bundeswehrangehöriger mehr, sondern in einem zivilen Unternehmen in der Softwareentwicklung beschäftigt. An den Invictus Games darf er teilnehmen, da er bereits 2019 in der Vorbereitung für die Spiele 2020 war. Durch die Pandemie mussten sie zweimal verschoben werden, Armin durfte seinen Platz trotz seines Dienstzeitendes aber behalten. 

Bogenschießen und Schwimmen sind die Disziplinen des 25-Jährigen. Auch für Rollstuhlbasketball hatte er sich angemeldet, doch es kam kein gemischtes Team zustande. Armin ist der einzige Rollstuhlfahrer der deutschen Mannschaft. Sollte er noch einmal an den Spielen teilnehmen dürfen, dann würde er gerne Rollstuhlrugby machen. 

Vor dem Unfall spielte er Handball, ebenso wie seine Mutter und Schwester. Fit halten ist für Armin auch weiterhin wichtig. Deswegen hat er sich unter anderem für den Bogensport entschieden. „Das ist gut für die Rumpfmuskulatur. Mir geht es darum, den Körper zu trainieren und so auch den Alltag zu erleichtern“, erklärt er. In der Gruppe Sporttherapie lernte er dann die verschiedenen Sportarten kennen. Seit 2019 trainierte er für die fünften Invictus Games – beinahe hätte er nicht antreten können. Kurz vor dem Großevent infizierte er sich mit Corona. Dank eines milden Verlaufs konnte er aber nachkommen.

Ein Rollstuhlfahrer und zwei Frauen posieren vor einer Leinwand

An seiner Seite: Schwester Pauline und Mutter Birgit haben Armin immer unterstützt. Als Dank hat er sie zu den Invictus Games in Den Haag eingeladen.

Bundeswehr/Henner Feddersen

Verbundenheit und Kameradschaft

Seine Schwester Pauline und seine Mutter Birgit waren bereits mit dem deutschen Team nach Den Haag gefahren und erwarteten voller Vorfreude die Ankunft ihres Bruders und Sohnes. „Wir sind sehr stolz auf ihn“, so die Mutter. Und ihn dann im Wettkampf zu sehen, sei ein tolles Gefühl. Mit jedem Wettkampf werde die Stimmung besser. Die Angehörigen feuern ihre Liebsten lautstark an und freuen sich darüber, sie hier begleiten zu dürfen. 

Im Bogenschießen ist Armin bereits nach dem ersten Wettkampftag ausgeschieden, wie auch die übrigen Bogenschützen des deutschen Teams. Sie hatten Schwierigkeiten mit dem Equipment. „Die Bögen waren leichter als die, mit denen wir trainiert haben.“ Traurig ist er wegen des frühen Ausscheidens aber nicht. „Es geht hier nicht um Medaillen. Das Erlebnis an sich ist schon einfach toll.“

„Es ist sehr emotional“

Armin ist begeistert von dem Zusammenhalt im Team und auch der Verbindung der verschiedenen Nationen untereinander. „Es ist so, als würde man sich schon jahrelang kennen.“ Eine Erfahrung, die er keinesfalls missen will. Auch wenn ihn ein tragisches Unglück hierhin gebracht hat. Verbittert ist er aber keineswegs. Im Rollstuhl zeigt er sich akrobatisch und vollführt nahezu Kunststücke, so gewagt, dass es schon eher Stunts sind. Er lässt sich nicht unterkriegen, sondern sieht das Positive. Er ist ein Unbezwingbarer. So wie seine übrigen 499 Kameradinnen und Kameraden, die in Den Haag sind auch. Zwar erlitt er keine Einsatzschädigung, die Anerkennung, Empathie und Verbundenheit zwischen den Kameradinnen und Kameraden ist aber ebenso stark wie bei allen anderen Athleten auch. „Ich feiere diese Kameradschaft sehr.“

Vor seinem Unfall kannte Armin die Invictus Games nicht. Danach habe er von Kameraden Erzählungen von früheren Spielen gehört. „Es ist ganz anders, wenn man es selbst erlebt. Es sind ganz viele Kleinigkeiten, die es zu etwas Besonderem machen“, sagt Armin und erzählt von Szenen, die er beobachtet hat. Wie ein Athlet und eine Frau, die sich mit Tränen in den Augen nach einem Wettkampf in den Armen liegen. „Es ist sehr emotional hier.“ 

2023 auf jeden Fall nochmal dabei

Insbesondere der Austausch mit anderen Nationen sei sehr schön. Die Athleten haben Anstecker mit ihren Landesflaggen, die sie untereinander tauschen. Von einem Dänen hat Armin sogar noch einen besonderen Pin bekommen. „Er hat mir einen Anstecker seiner Einheit geschenkt.“ Diesen trägt er gemeinsam mit den anderen an einem Band. Eine schöne Erinnerung an die Invictus Games. Und ein Erlebnis, das er nicht missen möchte. Auch wenn ihn ein tragisches Unglück hierhin brachte. „Wenn ich die Wahl hätte, würde ich sofort wieder Motorradfahren. Es ist ein besonderes Gefühl von Freiheit.“ Bis Motorräder für körperlich Beeinträchtigte auf den Markt kommen, genießt er erst einmal die Fahrten in seinem Sportwagen. Und fährt damit vielleicht auch zu den nächsten Invictus Games, die 2023 in Düsseldorf stattfinden. Wenn nicht als Athlet, dann möchte er als Zuschauer auf jeden Fall nochmal bei den Spielen sein.

von Amina Vieth