Nachgefragt

NATO Response Force: „Ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige“

NATO Response Force: „Ein wichtiger Baustein, aber nicht der einzige“

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

In Folge 29 von „Nachgefragt“ geht es um die schnellen Reaktionskräfte der NATO: die NATO Response Force. Die NRFNATO Response Force ist ein wichtiger Baustein der Abschreckung und Verteidigung der Bündnispartner. Die Panzergrenadierbrigade 37 bildet 2023 den Kern der VJTFVery High Readiness Joint Task Force , der Speerspitze der NRFNATO Response Force. Brigadegeneral Alexander Krone erklärt, was das bedeutet.

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Brigadegeneral Krone ist Kommandeur der Panzerbrigade 37, die 2023 den Kern der schnellen NATO-Eingreiftruppe VJTFVery High Readiness Joint Task Force stellt. In ,,Nachgefragt'' erklärt er, was das bedeutet. Die Fragen stellt Frau Oberleutnant Lara Weyland.

Mit den schnellen Reaktionskräften, der NATO Response Force (NRFNATO Response Force), und deren Speerspitze Very High Readiness Joint Task Force (VJTFVery High Readiness Joint Task Force ) kann die NATO innerhalb kürzester Zeit auf sicherheitspolitische Entwicklungen reagieren. Die NRFNATO Response Force wurde 2014 in Reaktion auf die russische Annexion der Krim ins Leben gerufen und leistet einen wichtigen Beitrag zur glaubhaften Abschreckung und wirksamen Verteidigung der NATO-Bündnispartner in Europa.

So hat der Oberbefehlshaber der NATO in Europa (SACEURSupreme Allied Commander Europe ) nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 die Alarmierungszeiten für die Kräfte der NATO Response Force von 45 auf 30 Tage verringert – zur Rückversicherung der ost- und südosteuropäischen NATO-Mitglieder.

Deutschland wesentlicher Truppensteller der NRFNATO Response Force Land

Brigadegeneral Alexander Krone, Kommandeur der Panzergrenadierbrigade 37 „Freistaat Sachsen“, verantwortet für die Jahre 2022 bis 2024 die NRFNATO Response Force Land und 2023 die VJTFVery High Readiness Joint Task Force . Er erläutert: „Die NATO Response Force umfasst in der Dimension Land immer drei Brigaden, die von einem Korps der NATO geführt werden.“ Die VJTFVery High Readiness Joint Task Force sei dabei Bestandteil der NRFNATO Response Force, zeichne sich aber durch besonders kurze Reaktionszeiten aus. 

Deutschland ist derzeit einer der wesentlichen Truppensteller der NRFNATO Response Force. Allein aus der Panzerbrigade 37 sind 4.000 Soldatinnen und Soldaten – vier Fünftel der Brigade – für die NRFNATO Response Force geplant und stellen damit ein Drittel der Gesamtstärke der NRFNATO Response Force Land von rund 12.000 Männern und Frauen. Ein weiteres Drittel stamme aus anderen Verbänden des deutschen Heeres sowie aus der Feldjägertruppe, der ABCAtomar, Biologisch, Chemisch-Abwehr und dem Kommando Sanitätsdienst, führt Krone aus.

Das verbleibende Drittel der Einsatzkräfte stellten europäische NATO-Partner, in erster Linie die Niederlande und Norwegen. Die NATO Response Force sei „besonders stark multinational“ aufgestellt und ausgerichtet, betont der Brigadegeneral. 

Nationale Vorbereitung durch Corona-Pandemie gehemmt

Die Vorbereitung für einen Auftrag wie die NATO Response Force ist aufwendig. So müsse erst auf nationaler Ebene, dann auf multinationaler Ebene geübt werden, um ein nahtloses Ineinandergreifen der Fähigkeiten im Ernstfall zu ermöglichen, so Brigadegeneral Krone. Doch: „Ausbildung lebt vom Zusammenkommen.“ Und das sei gerade im Pandemiejahr 2021 oftmals nicht möglich gewesen.

Ein weiterer Aspekt, der die vorbereitende Ausbildung erschwert habe, sei die Amtshilfe gewesen. „Über 3.000 von meinen 5.000 Soldatinnen und Soldaten haben für ein bis sieben Monate zwischen einem und fünf verschiedene Amtshilfe-Aufträge durchführen müssen“, so Krone. Entsprechend groß sei der Aufholbedarf im Kernauftrag – Landes- und Bündnisverteidigung – gewesen. Doch es sei gelungen, in der Volltruppenübung Wettiner Heide im Frühjahr 2022 nationale und internationale NRFNATO Response Force-Kräfte zusammenzuführen, insgesamt rund 8.000 Soldatinnen und Soldaten. 

Der Krieg in der Ukraine habe dabei auf die geübte Lage keinen Einfluss genommen. Übungsszenarien zur Landes- und Bündnisverteidigung seien „in der NATO umfassend vorhanden“, so der General. Doch sei während der Übung Wettiner Heide eine „gesunde Anspannung und erhöhte Professionalität“ zu spüren gewesen: „Der Auftrag wird ganz besonders ernst genommen.“ Denn in dem Fall, dass ein NATO-Bündnispartner angegriffen werde, sei auch eine Aktivierung der NATO Response Force möglich und wahrscheinlich.

Nach den nationalen Streitkräften eines Landes und zusätzlich zu gegebenenfalls bereits in der Region stationierten, multinationalen Verstärkungskräften wie etwa die NATO enhanced Forward Presence (eFPenhanced Forward Presence) im Baltikum könne der SACEURSupreme Allied Commander Europe im nächsten Schritt auf die schnelle Eingreiftruppe zugreifen: „Die NATO Response Force ist wichtiger Baustein, aber nicht der einzige“ zur Verteidigung der europäischen Bündnispartner, so Brigadegeneral Krone.

von Simona Boyer

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