Reservisten mit Berufserfahrung: Der Dienstgrad sagt nichts über die Kompetenz

Reservisten mit Berufserfahrung: Der Dienstgrad sagt nichts über die Kompetenz

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Datum:
Ort:
Andernach
Lesedauer:
2 MIN

Nicht alle Reservisten waren Zeitsoldaten. Manche hatten zuvor kaum oder gar keine Berührungspunkte mit der Bundeswehr. Jetzt bringen sie ihre Berufserfahrung in die Reserve ein. Was sind das für Menschen? Was ist ihre Motivation? Wir haben drei Reservisten gesprochen, die trotz ihres niedrigen Dienstgrades den Weg zurück in die Truppe fanden.

Nicht alle Reservisten waren Zeitsoldaten: Bei manchen war es nur die Wehrpflicht. Jetzt profitiert die Reserve von ihrer Berufserfahrung. Wir haben Reservisten gesprochen, die trotz ihres niedrigen Dienstgrades den Weg zurück in die Truppe fanden.
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Die Truppe stets begleitet

Obergefreiter Carsten Borgmeier hat als Redakteur und Fotograf für eine Tageszeitung gearbeitet. Doch der ehemalige Wehrpflichtige fühlte sich stets weiter mit der Truppe verbunden. Das schlug sich in seiner Arbeit als Journalist nieder. Kosovo, Bosnien, Afghanistan, Libanon: Borgmeier berichtet über vier Auslandseinsätze der Bundeswehr. „Diese Reisen waren die intensivsten Erfahrungen, die ich als Journalist machen konnte.“

Aktuell leistet er Reservistendienst in der Redaktion der Bundeswehr in Berlin. Sein vergleichsweise niedriger Dienstgrad ist hier selbst bei Recherchen in der Bundeswehr nicht von Nachteil: „Ich werde stets ernst genommen“, sagt er. Borgmeier arbeitet dennoch verstärkt an seiner Reservistenkarriere und ist zuversichtlich, dass die Bundeswehr seine Berufserfahrung mit dem Wechsel in eine höhere Laufbahn anerkennt.

„Am Ende ist Geld nicht alles“

„Die Bundeswehr ist nicht mein zahlungskräftigster Kunde, den ich im Portfolio habe“, sagt der freiberufliche Softwareentwickler Jens Albrecht. Obwohl seine Branche boomt, hat sich der ehemalige Wehrdienstleistende nach elf Jahren Auszeit von der Truppe für den Reservistendienst entschieden. „Am Ende ist Geld nicht alles.“ Hauptgefreiter Albrecht kommt wegen der Kameradschaft und den guten Erinnerungen.

Als Programmierer hat sich seine „Branche“ zwar verändert – Albrecht programmiert nun interne Bundeswehrabläufe –, seine Arbeit blieb aber die gleiche. Der Diskrepanz zwischen seinem Dienstgrad und seinem Können begegnet er offen: „Es ist klar, dass der Dienstgrad nicht die allgemeine Kompetenz widerspiegelt, sondern eben nur die militärische Erfahrung.“

„Der Dienstgrad steht noch oft im Weg“

Oberstabsgefreiter Stefanie Schnakenberg ist seit sechs Jahren in der regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie in Bremen beordert. Zivil hat sie ihr eigenes Unternehmen, berät und schult andere Unternehmen zu vertrieblich-strategischen Themen mit insgesamt 20 Jahren Berufserfahrung. „Ich kann mich ausdrücken und habe einen gewissen Blick für die Welt entwickelt.“

Als Reservistin unterwegs mit dem Karrieretruck der Bundeswehr, bringt sie ihr Wissen ein, wirbt selbst für die Reserve. „Verkäuferische Fähigkeiten werden auch an diesen Schnittstellen gebraucht, wo es darum geht, Menschen von etwas zu überzeugen.“ In ihren Augen ist die Bundeswehr aber noch nicht vollständig auf hoch qualifizierte Reservisten eingestellt, der Dienstgrad stehe dabei doch noch oft im Weg.

von Patrick Enssle

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