Versehrtensport

„Im Wasser fühle ich mich nicht behindert“: Schwimmen als Teil der Sporttherapie

„Im Wasser fühle ich mich nicht behindert“: Schwimmen als Teil der Sporttherapie

  • Invictus Games
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Den Haag
Lesedauer:
2 MIN

Auf der Schwimmbahn treten die deutschen Athleten gegen siebzehn Nationen an. In 50 und 100 Meter-Sprints sowie im Staffelschwimmen, liefern sie sich spannende Duelle. Die Deutschen geben Vollgas – so sehr, dass die ein oder andere Schwimmhaube während des Rennens verloren geht. Doch wie schwimmt man eigentlich, wenn man Querschnittsgelähmt ist?

Ein Mann hilft einem einbeinigen Schwimmer auf den Startblock.

Die Disziplin Schwimmen ist ein besonders emotionaler Wettkampf bei den Invictus Games. Kleidung und Prothesen können die Verletzungen nicht mehr verdecken.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

Leichtigkeit des Wassers hilft Handicap zu vergessen

Dass Schwimmen als Heilmittel für Körper und Seele gilt, ist seit vielen Jahren in der Sportmedizin etabliert. Nachweislich werden die Gelenke weniger belastet, man fühlt sich einfach leichter im Wasser – das eigene Körpergefühl verändert sich. Für Menschen mit Querschnittslähmung, wie beim deutschen Invictus-Athlet Armin, eigne sich das Schwimmen besonders gut, sagt Teamarzt Philipp. Der Körperschwerpunkt verlagere sich und durch das viele Sitzen im Rollstuhl sei es angenehm, sich mal in die Bauch- oder Rückenlage legen zu können. Grundfähigkeiten, wie das Drehen am Ende der Bahn, müssen neu erlernt und angepasst werden. Das sei auch eine emotionale Hürde. Vorher war Armin es gewohnt, mit dem gesamten Körper zu schwimmen und jetzt fehle da etwas. „Die Bewegung laufen jetzt einfach anders ab, ich bin schneller ausgelaugt, als vor meinem Unfall. Die Stabilisierung der Beine fehlt. Ich kompensiere das dann mit den Armen.“ Wer es jedoch wie Armin schaffe, sich selbst und sein Handicap anzunehmen, der der hat einen großen Schritt gemacht in Richtung Rehabilitation, sagt Philipp.

Es sei nicht zu unterschätzen, wie schwierig es ist mit solch einer Einschränkung zu Schwimmen. Durch das Sitzen im Rollstuhl verkürze sich die Beinmuskulatur. Der Auftrieb im Wasser sorge dafür, dass die Beine von alleine Richtung Wasseroberfläche hochdrücken. „Da braucht man schon ordentliche Arm- und Rumpfmuskulatur, um dagegen zu steuern“, so Philipp. Doch nicht nur Techniktraining und Muskelaufbau sind wichtig. Es erfordert eine große Portion Mut, sich mit einer Einschränkung ins Wasser zu begeben. Dass man plötzlich nicht mehr auf seinen gesamten Körper zugreifen kann, mache möglicherweise Angst vor dem Ertrinken.

Impressionen aus dem Hofbad in Den Haag

In der Schwimmhalle der Invictus Games haben sich spektakuläre Bilder einfangen lassen. Die gute Stimmung ist ansteckend, als Zuschauer empfindet man große Anerkennung und Dankbarkeit für alle Athleten. „Derjenige, der als letztes ins Ziel kommt, wird am meisten angefeuert und bejubelt. Toller Zusammenhalt!“, resümiert Teamarzt Philipp. Der Schwimm-Wettkampf nimmt bei den Invictus Games eine besonders emotionale Rolle ein: Kleidung und Prothesen können die Verletzungen nicht mehr verdecken. Jede Verletzung und Erkrankung erzählt eine individuelle Geschichte, die die Athleten mit der Welt teilen möchten. Das Motto: „I am Invictus! – Ich bin unbezwingbar!“. Ganz gleich, aus welcher Nation man kommt oder wie hoch der Grad der Verletzung ist. Alle haben sich zurück ins Leben gekämpft: Sehen Sie selbst:

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Ein deutscher Schwimmsportler sitzt am Schwimmbeckenrand und hält die Daumen hoch. Neben ihm steht ein Rollstuhl.

Armin schwimmt trotz seiner Querschnittslähmung gerne. Der 25-jährige hat seinen Lebensmut nie verloren und sieht den Sport als Energiequelle: „Ich möchte meinen Körper trainieren und mir durch Ausdauer und Fitness den Alltag erleichtern.“

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Ein deutscher Schwimmsportler steht vor einem Startblock und richtet seine Schwimmbrille.

Startklar: Ralf macht sich für den Absprung vom Startblock bereit und überprüft, ob die Schwimmbrille einen festen Sitz hat. Es ist die zweite Disziplin, nach dem Bogenschießen, in der Ralf für das deutsche Invictus-Team antritt.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Ein deutscher Schwimmsportler beim Brustschwimmen.

Brustschwimmen ist die Schwimmart, die meistens als erstes erlernt wird. Was viele nicht wissen: die Wettkampfvariante ist die schwierigste Variation. Die Koordination der Bewegungsabläufe von Armen und Beinen ist eine Herausforderung.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Mehrere Schwimmsportler springen von Startblöcken in ein Schwimmbecken.

Senkrecht-Starter: Die Stilarten Kraul, Schmetterling und Brust starten vom Block aus. Beim Rückenschwimmen beginnt der Wettkampf aus dem Wasser heraus.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Einbeinige Schwimmsportler sitzen auf einer Bank und sprechen mit rundumstehenden Personen.

Es geht in erster Linie nicht um sportliche Bestleistungen, sondern darum, gemeinsame Erlebnisse zu schaffen. Obwohl Athletinnen und Athleten aus siebzehn verschiedenen Nationen anwesend sind, gehören sie alle zu einem Team: dem Invictus-Team.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Niederländische Zuschauer jubeln und schwenken Flaggen.

Die Niederlande als diesjährige Gastgebernation heizt die Schwimmhalle stimmungsvoll auf. Es herrscht euphorische, ausgelassene Stimmung bei den Invictus Games.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Ein gehbehinderter Schwimmsportler sitzt in einem Rollstuhl und wird mit einem Lift in ein Schwimmbecken gehoben.

Ein Lift hebt gehbehinderte Sportlerinnen und Sportler sicher ins Wasser. Sobald sie im kühlen Nass angekommen sind, verändert sich das Körpergefühl – alles wird leichter und die Gelenke werden entlastet.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Blick in eine Schwimmhalle mit vielen Zuschauern während eines Sportwettkampfes.

Gut besuchtes Sportevent: Jährlich zieht es tausende Zuschauerinnen und Zuschauer zu den Invictus Games. Der Name stammt vom lateinischen Wort Invictus. Übersetzt bedeutet dies unbesiegbar, unbezwungen. Ein Event zu Ehren versehrter Soldaten.

Bundeswehr/Sebastian Wilke
Blick von oben auf vier Personen, die nebeneinander an einem Tisch vor Laptops sitzen.

Wie bei jedem sportlichen Wettkampf, gibt es Kampfrichter. Sie leiten und beaufsichtigen die Leistung der Athletinnen und Athleten. Häufig werden Kampfrichter mit Schiedsrichtern verwechselt, obwohl sie zwei verschiedene Aufgaben erfüllen.

Bundeswehr/Sebastian Wilke

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von Lara Weyland