Nachgefragt

Wie plant die Bundeswehr?

Wie plant die Bundeswehr?

  • Landes- und Bündnisverteidigung
  • Bundeswehr
Datum:
Ort:
Berlin
Lesedauer:
4 MIN

Wird bei der Bundeswehr zu lange oder zu kompliziert geplant? Können die Mittel aus dem 100-Milliarden-Sondervermögen effizient eingesetzt werden? In „Nachgefragt“ Folge 14 erklärt der Chefplaner im Verteidigungsministerium, Generalmajor Gert Nultsch, ob die Bundeswehr angesichts des Krieges in der Ukraine ihre Planungen umwerfen musste.

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In „Nachgefragt“ Folge 14 erklärt der Chefplaner im Verteidigungsministerium, Generalmajor Gert Nultsch, ob die Bundeswehr angesichts des Krieges in der Ukraine ihre Planungen umwerfen musste.

„Definitiv nicht, das wäre auch ein Desaster für uns“, sagt Nultsch im Gespräch mit Moderatorin Oberleutnant Lara Weyland. „Wir haben natürlich eine sehr langfristig ausgerichtete Planung, die NATO-Planungsziele schauen im Moment bis 2045 – und das setzen wir auch um.” Viele wüssten aber nicht, dass es auch einen Bereich der Planungsumsetzung gebe, der schnelle Reaktionen erlaube: „Damit besteht auch die Möglichkeit, auf all das, was um die Ecke an Bedrohung lauert, umzusetzen.”

So gebe es als nationale Ambitionen zum Beispiel die Möglichkeit, Menschen aus Gefahrenzonen zu evakuieren, wie bei der Luftbrücke aus Kabul. Das zweite Beispiel sei, aus Streitkräfteplanung eine Kräfteplanung zu entwickeln, wie bei der VJTFVery High Readiness Joint Task Force (Very High Readiness Joint Task Force), bei der die Bundeswehr im kommenden Jahr die Führung übernimmt. „Das haben wir von der Planungsseite her sehr eng begleitet, bis in die Umsetzung dessen, was erforderlich ist, um VJTFVery High Readiness Joint Task Force 2023 zu ertüchtigen“, erläutert der General.

Im Zusammenhang mit dem nun seit rund drei Monaten andauernden Krieg in der Ukraine stellt Nultsch fest: „Das Kriegsszenario hat schon 2014 mit dem Überfall auf die Krim begonnen.” Deswegen seien schon beim NATO-Gipfel 2014 in Wales Weichenstellungen erfolgt, die 2016 in die Refokussierung auf die Landes- und Bündnisverteidigung mündeten. „Und daraufhin passen wir natürlich unser Fähigkeitsprofil an”, so der Chefplaner im Verteidigungsministerium.

Land, Luft, See und Weltraum

Dazu gehöre zum Beispiel ein Forschungs- und Technologieprojekt zur Abwehr bewaffneter Drohnen. Das finde sich im Sondervermögen der Bundeswehr unter dem Begriff „Nah- und Nächstbereichsschutz” wieder und werde jetzt realisiert. In Bezug auf künftige Szenarien hob Nultsch hervor, auch er verfüge nicht über hellseherische Fähigkeiten. Aber: „Wir schauen in Bezug auf Fähigkeiten in die Zukunft und versuchen, Technologien zu erschließen, um dann daraus abzuleiten, ob das auch eine bedrohende Technologie sein könnte und wie man dieser Technologie entgegentreten könnte.” Die Dimensionen könnten sich dabei nicht nur auf Bedrohungen von Land, aus der Luft oder von See her beschränken, sondern auch auf Bedrohungen aus dem Weltraum erstrecken.

Gemeinsam geht das

Auf den häufig in der Öffentlichkeit geäußerten Vorwurf, das Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr) sei nicht in der Lage, das 100-Millarden-Euro-Paket des Sondervermögens effizient einzusetzen und zu verplanen, entgegnet Generalmajor Nultsch: „Ich habe dort unheimlich viele kreative Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kennengelernt und mache mir deshalb gar keine Sorgen. Die Beschaffungsbehörde, da bin ich mir sicher, wird das am Ende des Tages wuppen können.“ In der Frage, ob man die Haushaltsmittel umgesetzt bekomme, seien viele andere Faktoren wesentlich: „Sind wir in der Lage, unsere Prozesse so schnell umzustellen, die jahrelang auf Sparsamkeit getrimmt waren und jetzt plötzlich unter Volllast fahren?“ 

Man habe früher umfangreiche haushaltsbegründende Dokumente geschrieben, weil wenig Geld zur Verfügung gestanden habe. Jetzt müsse man schon angesichts der Vielzahl der Dokumente solche Schreiben kurz halten. „Da werden wir intelligente Lösungen finden müssen“, erklärt Generalmajor Nultsch. „Das werden wir schaffen.“

Daneben müsse aber auch die Industrie reagieren. Sie müsse neben anderen Stückzahlen auch andere, neue Technologien sehr schnell verfügbar machen. In diesem Zusammenhang macht der Chefplaner deutlich: „Wir werden mit Sicherheit Dinge weiterentwickeln, wir werden aber auch mit Sicherheit Technologien von der Stange kaufen, um möglichst schnell die Lücken zu schließen, die wir schließen müssen.“

Gute Beispiele dafür seien das Kampfflugzeug F-35 und der schwere Transporthubschrauber CH-47 Chinook, die beschafft werden sollen: „Dort greifen wir auf fertig entwickeltes Material zurück, um tatsächlich etwas verfügbar zu haben.“

Zur Person: Generalmajor Gert Nultsch ist der Abteilungsleiter Planung im Verteidigungsministerium. Der 61-Jährige trat 1981 in die Bundeswehr ein und ging zur Instandsetzungstruppe. Logistik, Planung und Beschaffung begleiten ihn seit über 20 Jahren. Bis Ende 2021 war er Militärischer Vizepräsident des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBwBundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr).

von Robert Annetzsberger

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