Alltagsbegriffe mit Herkunft aus dem Militär - Teil 2

Alltagsbegriffe mit Herkunft aus dem Militär - Teil 2

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RA: Wir starten mit einer Delikatesse an den Küsten Deutschlands (Ton: Möwen, Schiffshorn). Ja, es geht um Fisch – genauer gesagt, geht es um den Aal. Doch in der Armee ist es keine Delikatesse, sondern Kannibalismus (Ton: erschrockenes Frauengeschrei). Beim Aal handelt es sich um einen Mannschafter, der sich in den ersten drei Dienstmonaten befindet. Da dieser Kamerad keine Streifen auf den Schultern trägt, ist er glatt wie ein Aal oder sprachgebräuchlich „aalglatt“. Drückt man nun diesem neuen Soldaten eine Pike in die Hand wie im Mittelalter und schickte diesen auf seine Lehrgänge, lernt er alles von der Pike auf. Ein Begriff, der aussagt, dass man viel Zeit in die Ausbildung investiert, um wirklich viele Details zu erlernen, damit jemand am Ende der Ausbildung sein Handwerk beherrscht. Gut und gerne wird von der Pike auf auch so verstanden: ganz unten angefangen und nun ganz oben angekommen. Der militärische Bezug geht einher mit dem alten Heereswesen – hier galt die Pike als einfachste Waffe: Jeder Offizier hatte einmal eine Pike in der Hand, fing als ganz gemeiner Soldat an. Er durchlief also einmal komplett die Heereshierarchie und endete als Offizier, der dann dafür verantwortlich war, seine Truppe auf Vordermann zu bringen. Umgangssprachlich reden wir von auf Vordermann gebracht, was verstehen wir darunter? Jemanden fit zu machen. Ein Personal Trainer beispielsweise bringt jemanden auf Vordermann. Doch die Überlieferungen sollten wir als Soldaten eigentlich gut kennen: Während der Grundausbildung (O-Ton: Ausbilder Schmitt beim Morgenappell) werden die Rekruten gedrillt, sich in Reih und Glied aufzustellen. Die hinteren Soldaten sollen dabei in einer Linie mit ihren Vordermännern stehen. Ist dies nicht der Fall, so werden diese Soldaten auf Vordermann gebracht, also genau in Linie zum Vordermann aufgestellt.

von Adrian Grüner