Alltagsbegriffe mit Herkunft aus dem Militär - Teil 1

Alltagsbegriffe mit Herkunft aus dem Militär - Teil 1

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Radio Andernach (RA): Jahrelang hat man als Kind alles gegeben, der Finger konnte noch so tief in der Nase stecken und immer ging es noch ein Stückchen tiefer. Aber, wehe dem, wenn die Mama das gesehen hat. Kaum war die Mama wieder weg, war die Mama zur nächsten Bohrmission wieder aufgebrochen. Und so eklig Popeln ist, so eklig ist auch der Ursprung des Wortes, denn hinter Popel versteht man eine verhüllte Figur zu Zeiten des Dreißigjährigen Krieges. Zu finden waren diese Figuren auf den Zinnen der Stadtmauern. Diese weit sichtbaren Gestalten sollten die eigene Bevölkerung vor anrückenden gegnerischen Truppen warnen und gleichzeitig eine abschreckende Wirkung gegenüber den eigentlichen Feinden erzielen. Popeln bedeutet heute schlichtweg, etwas zu verhüllen oder etwas im Verborgenen zu tun. Ganz das Gegenteil bedeutet unser nächstes Wort. Hierzu eine kleine Inszenierung:

Einsprecher: Frau Meier, ich kann Sie verstehen, der Super-Duper-Föhn 8000 hat ihre neue Frisur ruiniert. Ihre Beschwerde müssen Sie aber bei der zuständigen Stelle einreichen.

RA: - Es geht um die Reklamation – also: um eine Beanstandung. Das Wort kommt aus dem Sprachgebrauch des Ersten Weltkrieges und bedeutet: das Freistellen von Soldaten vom Kriegsdienst. Diese Männer wurden dann für zivile, aber kriegsentscheidende Arbeiten verwendet, zum Beispiel in Werften oder in Rüstungsbetrieben. Diese Personen hießen auch die Reklamierten. Bei Verstößen während der Arbeit konnten diese Reklamierten aber in Windeseile immer noch an die Front versetzt werden. Von Vorteil war es, wenn der Reklamierte einen Spießgesellen hatte. Heute sagt man dazu „einen Mittäter“ oder „Komplizen“. Dann ging es für zwei Leute eben an die Front zur Unterstützung der eigenen Truppe. Und das Wort Spießgeselle entstand im 16. Jahrhundert. Der mit einem Spieß kämpfende Waffengefährte hat also nichts mit einem Gesellen zu tun, der sich als Spieß in der Kompanie beworben hatte.

von Adrian Grüner